50. Knockout! Klitschko findet keinen Gegner

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Wladimir Klitschko (r.) hatte mit Jean-Marc Mormeck wenig Mühe

Düsseldorf - Jubiläumssieg für Wladimir Klitschko, herber Niederschlag für den Boxsport: Der Schwergewichts-Weltmeister findet keinen echten Gegner. Deswegen kommt wieder ein Provokateur ins Spiel.

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Als „Dr. Steelhammer“ seinen hoffnungslos überforderten Herausforderer Jean-Marc Mormeck mit einem krachenden Schlaghagel in der vierten Runde zu Boden schickte, offenbarte sich mal wieder das ganze Dilemma der Schwergewichtsszene. Die Dominanz von Wladimir und seinem älteren Bruder Witali ist erdrückend, ein Gegner auf Augenhöhe derzeit nicht in Sicht. Die Not ist derart groß, dass selbst der eigentlich schon zurückgetretene britische Skandalboxer David Haye nun wieder ernsthaft als Gegner gehandelt wird.

Klitschkos WM-Kampf gegen Mormeck

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„Ich habe mein Versprechen gehalten. Ich bin froh, meinen 50. Knockout geschafft zu haben. Ich habe von Beginn an meine Dominanz gespürt. Am Ende war ich einfach zu schnell und kräftig für meinen Gegner“, sagte Klitschko. Nach seinem 57. Sieg (drei Niederlagen) bleibt der Ukrainer Weltmeister der Verbände IBF und IBO sowie Superchampion der WBO und WBA. Bruder Witali ist Titelträger der WBC.

Der Franzose Mormeck war einer der schlechtesten Kontrahenten, mit denen sich Klitschko in seinen 60 Profikämpfen messen musste. Der 35-jährige Klitschko kontrollierte in der Düsseldorfer Arena von Beginn an mit seiner linken Führhand den Kampf, schickte den vier Jahre älteren und 17 Zentimeter kleineren Mormeck bereits in der zweiten Runde zu Boden und beendete das ungleiche Kräftemessen mit seinem 50. K.o.-Sieg nach 1:12 Minuten in Runde vier.

„Das war eine Hinrichtung ohne sportlichen Wert“, sagte der ehemalige Europameister Luan Krasniqi. Mormeck half auch die Unterstützung der französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo, Jean Reno und Claude Brasseur wenig. Er erinnerte mehr an einen Ringer. Schläge in Richtung Klitschko? Fehlanzeige. Der Glaube an den Sieg? Nicht vorhanden. Dementsprechend unversehrt präsentierte sich Klitschko weit nach Mitternacht bei der Pressekonferenz. Richtig glücklich sah er trotz seines Sieges nicht aus, er musste Mormeck sogar Schützenhilfe leisten. „Ich wurde ein Mal getroffen mit einem Jab. Das tut immer noch weh“, sagte Klitschko.

Nachdem Mormeck, der erster französischer Schwergewichts-Weltmeister der Box-Geschichte hätte werden können, hilflos durch den Ring gestolpert war, lobte er seinen Gegner. Es sei kein Zufall, dass Wladimir Weltmeister sei. Er sei ein großer Champion, sagte Mormeck. Seine Fußprobleme wolle er ebenso nicht als Entschuldigung anführen wie den Ringrichter, der nicht auf seiner Seite gewesen sei. Er tat es aber irgendwie doch.

Die 50.000 Zuschauer hielten sich mit Pfiffen zurück und feierten den seit April 2004 ungeschlagenen „Dr. Steelhammer“ ausgelassen. Klitschko hatte den einseitigen Kampf schnell abgehakt und dachte an die Zukunft. „Ich bin immer noch hungrig und heiß. Ich befinde mich mit 35 auf einem hohen sportlichen Niveau und weiß, wie ich die Dinge umsetzen kann“, sagte Klitschko.

Die Frage nach möglichen Gegnern stellt sich zwangsläufig. Der Russe Alexander Powetkin enttäuschte schon bei seinem Punktsieg gegen Marco Huck, der britische Boxrüpel Dereck Chisora ist vorerst gesperrt. Im Juli wird Wladimir Klitschko erst einmal die IBF-Pflichtverteidigung gegen Tony Thompson bestreiten. Den schon 40-jährigen Amerikaner besiegte er allerdings schon 2008 durch K.o.

Interessanter könnte da schon ein Duell zwischen Witali und David Haye werden, den Wladimir im Juli 2011 in Hamburg klar nach Punkten bezwang. „Ich hoffe, der nächste Gegner wird Haye sein“, sagte Witali am Rande des Kampfes seines Bruders. Auch Haye hat seine Bereitschaft signalisiert, fordert aber zwei Millionen britische Pfund (rund 2,4 Millionen Euro) und 50 Prozent der Pay-per-View-Einnahmen. „Grundsätzlich sind wir interessiert. Solange Haye irrsinnige Summen fordert, kommt eine Einigung aber nicht infrage“, sagte Manager Bernd Bönte.

Wladimir Klitschko, der RTL mit 12,26 Millionen Zuschauer im Schnitt eine herausragende Quote bescherte, hat seine eigene Meinung zu Haye, der zuletzt mit einer wilden Prügelei mit Chisora für Negativschlagzeilen sorgte: „Haye ist doch in Rente gegangen. Der muss erst einmal ankündigen, dass er zurückkommt. Das ist heiße Luft.“ Mehr war Mormeck allerdings auch nicht.

sid

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