Kerber greift nach erstem WTA-Titel

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Angelique Kerber (Archivfoto)

Paris - Angelique Kerber greift nach ihrem ersten Titel auf der WTA-Tour. Doch im Finale von Paris wartet eine schwierige Aufgabe.

Mit Karpfen und Sauerkraut bei den Großeltern hat sich Angelique Kerber an Heiligabend so richtig verwöhnen lassen. Es sollte eine erste Belohnung für die Entbehrungen der harten Trainingswochen zuvor sein. Mittlerweile hat sich die Plackerei für die 24-Jährige längst auch auf den Courts dieser Welt ausgezahlt. Am Sonntag griff Kerber im Finale des Premier-Turniers in Paris gegen Lokalmatadorin Marion Bartoli nach ihrem ersten WTA-Titel.

Für die Linkshänderin selbst ist der Höhenflug seit ihrem sensationellen Halbfinaleinzug bei den US Open in New York im September 2011 kein Zufall. Wie „Angie im Wunderland“ fühlt sie sich längst nicht mehr. „Ich habe in der Vorbereitung auf diese Saison so hart wie nie trainiert und war noch nie so fit. Mein Ziel zu Beginn des Jahres war es, die Top 20 anzugreifen“, sagte die Weltranglisten-27. Kerber dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Nach zwei Halbfinal-Teilnahmen im Januar in Auckland und Hobart und bislang 13:3 Siegen in diesem Jahr ist sie derzeit eine der erfolgreichsten Spielerinnen auf der Tour. Im Viertelfinale von Paris schaffte Kerber gegen die frühere Weltranglistenerste Maria Scharapowa sogar ihren ersten Erfolg über eine Top-5-Spielerin. „Angie zeigt so viel Positives auf dem Platz. Man sieht, dass sie viel Spaß hat“, sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner über ihre Nummer vier.

Vergessen die Zeiten, als Experten der Kielerin mit dem blonden Zopf vorwarfen, sie würde nicht professionell genug arbeiten. Der frühere Davis-Cup-Spieler Alexander Waske traut ihr mittlerweile sogar „den Sprung unter die besten Zehn“ zu. In der Offenbacher Akademie von Waske und Rainer Schüttler hatte sich Kerber im November/Dezember zusammen mit Petkovic („Angie hat noch viel mehr drauf“) vorbereitet und statt in einem luxuriösen Hotel in einem einfachen Zimmer auf der Anlage gewohnt.

Wohlwissend, dass in Sachen Erwartungshaltung seit Flushing Meadows 2011, wo sie erst im Halbfinale in drei Sätzen gegen die spätere Siegerin Sam Stosur (Australien) verlor, nichts mehr so ist, wie es einmal war. Damals im Spätsommer hatte sich Kerber als Nummer 92 der Bestenliste sensationell bis ins Halbfinale der US Open gespielt - und erste Bekanntschaft mit dem Rampenlicht gemacht. „Ich habe während des Spiels sogar das Klicken der Kameras gehört. Das ist mir vorher noch nie passiert“, berichtete Kerber, die bereits ihr Olympia-Ticket sicher hat.

Ein paar Mal ertappte sich die Norddeutsche in den Wochen danach noch, als sie dachte: Was wäre gewesen, wenn. Mittlerweile gibt es den Gedanken nicht mehr. „Diesen Erfolg kann mir keiner mehr nehmen. Ich bin dadurch viel selbstbewusster geworden als Spielerin“, sagt Kerber, hält kurz inne und betont dann: „Aber auch als Mensch.“

Der Knackpunkt war im Sommer 2011 erfolgt: Nach einer blamablen ersten Jahreshälfte mit zehn Erstrundenpleiten bis Wimbledon hatte sich Kerber zum Nachdenken zurückgezogen: „Drei, vier Tage habe ich zu Hause nur überlegt. Dann habe ich entschieden, ich will es nochmal versuchen.“ Nach oben hat Kerber bereits beste Verbindungen: Zur Weltranglistenvierten Caroline Wozniacki pflegt die Kielerin eine enge Freundschaft. Sogar zur Geburtstagsfeier der Dänin, die wie Kerber polnische Wurzeln hat, war sie im letzten Jahr ins feudale Monaco eingeladen.

Doch Kerber will ihren eigenen Weg Richtung Spitze gehen. Ein vor drei Jahren entfachter Streit mit Rittner ist längst beigelegt. Anfang Februar feierte Kerber nach vierjähriger Abstinenz ihr Comeback im Fed Cup. Und holte beim 1:4 gegen Tschechien prompt den einzigen Punkt.

sid

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