Keine Ostereier für Heuberger

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Bundestrainer Martin Heuberger beim Spiel gegen Dänemark

Flensburg - Nach den starken Auftritten gegen Europameister Dänemark dämpfen die deutschen Handballer aufkommende Euphorie. Die Konzentration richtet sich ganz auf die WM-Play-offs gegen Bosnien-Herzegowina.

Ostereier suchen? Von wegen. Anstatt sich frei zu nehmen und die Seele nach den Achtungserfolgen gegen den Europameister ein wenig baumeln zu lassen, verbrachte Bundestrainer Martin Heuberger die Feiertage am Schreibtisch. Die Nachlese zu den starken Auftritten seiner Mannschaft gegen Dänemark, dem 25:25 am Karfreitag in Herning und dem 33:26 am Samstag in Flensburg, dürfte dem akribischen Tüftler viel Freude bereitet haben. Zwei Monate vor den WM-Play-offs gegen Bosnien-Herzegowina präsentierten sich die deutschen Handballer so stark wie lange nicht mehr.

Trotz einer perfekten Länderspielwoche, die mit einem Erfolg in Polen (28:26) begonnen hatte und mit dem deutlichen Sieg gegen Dänemark endete, dämpfte Heuberger die Euphorie. „Sicherlich haben wir im Gegensatz zur Europameisterschaft eine gewisse Entwicklung gesehen“, sagte Heuberger, „aber wir dürfen die Ergebnisse nicht überbewerten.“

Eines konnte aber auch Heuberger nicht leugnen: Nachdem sein Team auch im vierten Spiel nach der verkorksten EM und der verpassten Olympia-Qualifikation ungeschlagen geblieben war, geht es mit reichlich Selbstvertrauen in die WM-Ausscheidung im Juni.

Weit weniger diplomatisch als sein Chef formulierte es Silvio Heinevetter. Der Torhüter gab sich keine Mühe, seine Freude über den deutlichen Sieg im Prestige-Duell gegen den Europameister zu verbergen. „Über 60 Minuten war das unser bestes Spiel, seitdem Martin hier Trainer ist“, sagte Heinevetter nach dem Überraschungscoup im Gespräch mit dem SID: „Vor allem vorne haben wir einen richtig guten Stiefel gespielt.“

Variantenreich, zielstrebig und konsequent im Abschluss - das druckvolle Angriffsspiel des deutschen Teams überraschte selbst Dänemarks Gold-Coach Ulrik Wilbek. „Die deutsche Mannschaft hat eine gute Entwicklung genommen. Selbst in Unterzahl weiß inzwischen jeder, was zu tun ist“, sagte Wilbek.

Vor allem der taktische Kniff mit Steffen Weinhold als zusätzlichem Linkshänder auf der Spielmacher-Position stellte die dänische Hintermannschaft immer wieder vor Probleme. „Ich sehe eine gute Zukunft für den deutschen Handball“, sagte Wilbek.

Eine Zukunft, in der mit Sicherheit auch Stefan Kneer eine Rolle spielen wird. Hatte der Rückraumspieler vom TV Großwallstadt in der Vorwoche beim Sieg in Polen noch als treffsicherer Schütze im Angriff geglänzt, hielt er gegen Dänemark als Ersatz für den etatmäßigen Abwehrchef Oliver Roggisch (Rückenprobleme) die deutsche Defensive zusammen. „Trotz des Ausfalls von Olli stand unsere Abwehr sehr stabil“, sagte Heuberger: „Die Spiele haben gezeigt, dass wir Alternativen haben.“

Keine Rolle in den Überlegungen des Bundestrainers spielt hingegen zurzeit Michael Kraus vom deutschen Meister HSV Hamburg. „Er muss sich erstmal über eine längere Phase in der Bundesliga etablieren und beim HSV zum Stammspieler werden“, so Heuberger, „erst dann wird er vielleicht auch für die Nationalmannschaft wieder ein Thema.“

Ein bisschen Wehmut kam unterdessen bei Christoph Theuerkauf auf. „Es wäre schön gewesen, wenn wir diese Leistung auch bei der Euro gezeigt hätten. Dann wären wir mit Sicherheit ins Halbfinale gekommen“, sagte der Kreisläufer, um im nächsten Atemzug eine Warnung an seine Teamkollegen zu schicken: „Wir dürfen die Ergebnisse jetzt aber bloß nicht zu hoch hängen. Wir müssen in den entscheidenden Momenten funktionieren - im Juni.“

Dann geht es gegen Bosnien-Herzegowina um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Januar 2013 in Spanien. Das Hinspiel findet am 9. Juni in Stuttgart statt, das Rückspiel am 17. Juni in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo.

sid

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