Italien schockiert von Geständnis

Hat gedopter Schwazer Kontakt zu Ferrari?

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Alex Schwazer (Archivbild vom 01.09.2007)

Rom -Der Dopingfall des Geher-Olympiasiegers Alex Schwazer traf Italien wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Bei näherer Betrachtung tun sich alte Abgründe auf.

Italien ist schockiert vom Doping-Geständnis des Gehers Alex Schwazer. Offizielle und Weggefährten äußern sich bestürzt über den Fall eines der erfolgreichsten Leichtathleten des Landes, der am Samstag zum zweiten Mal Olympiasieger werden wollte. Nun scheinen die Italiener von ihrer Dopingvergangenheit eingeholt zu werden.

„Das ist ein Tag, den wir nicht erleben wollten. Wir sind keine Helden, doch Sauberkeit hat für uns eine absolute Priorität“, sagte Gianni Petrucci, Präsident des nationalen Olympischen Komitees CONI: „Wir hatten in diesem Fall keine Zweifel. Innerhalb von zwei Stunden haben wir den Ausschluss Schwazers beschlossen, obwohl die B-Probe noch aussteht.“

Schwazer, eine der größten Medaillenhoffnungen des Landes bei den Spielen in London, hatte sich am Montag schuldig bekannt. „Meine Karriere ist zu Ende. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich wollte für diese Olympischen Spiele stärker sein, das war falsch“, sagte der 27-Jährige.

Schwazer hatte 2008 in Peking als einziger italienischer Leichtathlet Gold gewonnen. Über 50 Kilometer, die Königsdisziplin der Geher, wollte er am Samstag erneut triumphieren.

Der ehemalige Geher Sandro Damilano, der Schwazer jahrelang trainiert hat, ist ratlos. „Alex war seit jeher gegen jegliche Form des Dopings. Als Jugendlicher hatte er auf eine Karriere im Radsport verzichtet, weil es dort seiner Ansicht nach nicht sauber zuging. Zusammen haben wir viel gewonnen. Ich bin zutiefst erschüttert“, sagte Damilano.

Nach Angaben der Gazzetta dello Sport geriet Schwazer nicht zufällig ins Visier der Kontrolleure. Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA initiierte Zielkontrolle in Schwazers Trainingslager in Oberstdorf soll nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Padua erfolgt sein, die seit Monaten wegen Dopings im italienischen Radsport ermittelt.

Nach Erkenntnissen der Fahnder soll Schwazer Kontakt zum skandalumwitterten Dopingarzt Michele Ferrari. Der Geher hat sich vor seiner Reise nach Oberstdorf, wo er mit Epo gedopt haben soll, angeblich länger in St. Moritz aufgehalten. Dort soll er Ferrari getroffen haben.

Der umstrittene Arzt, der 2004 wegen Sportbetrugs eine Bewährungsstrafe erhalten hatte, war 2006 vom italienischen Radsportverband mit einem lebenslangen Betätigungsverbot belegt worden. Schon seit 2002 ist es allen italienischen Radprofis verboten, sich an Ferrari zu wenden. Sportlern, die auch nur telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufnehmen, droht eine sechsmonatige Sperre.

Ferrari trägt in der Radsportszene den Spitznamen „Dottore Epo“. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme 2004 gehörten zwei Dutzend hoch dekorierte Radsportler zu seinen Kunden, darunter auch Lance Armstrong.

Schwazer wird das Dopingvergehen nun wohl auch seine Stelle bei den Carabinieri kosten. Die italienische Militärpolizei will ihn angeblich suspendieren.

SID

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