Ist er irre? Triathlet schafft Einzigartiges

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Scott Ragsdale läuft am 28.11.2011 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er hat binnen sieben Tagen, sieben Triathlons absolviert.

Dubai - Ist der Mann noch zu retten? Sieben Ironman-Wettkämpfe in sieben Tagen - der US-Amerikaner Scott Ragsdale hat Wahnwitziges vollbracht. Sehen Sie sein Video zu dieser Herausforderung.

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Der Extremsportler Scott Ragsdale sagt, er habe schlichtweg eine “neue Herausforderung“ gesucht, wenn er über seinen siebentägigen Ironman-Marathon spricht. Sieben Wettkämpfe in sieben Tagen - 26,6 Kilometer Schwimmen, 1260 Kilometer Radfahren, nahezu 300 Kilometer Laufen. Im Dezember schaffte der in Dubai lebende US-Amerikaner dieses einzigartige Kunststück, quälte sich und seinen Körper eine Woche lang, ganz aus eigenem Antrieb. Ragsdales Motto ist schlicht. “Sitze nicht herum und warte drauf, dass dein Leben beginnt - sondern geh nach draußen und lebe einfach“, meint er.

Ragsdales Story ist die Geschichte einer Selbstverwirklichung. Die eines außergewöhnlichen Unternehmers, eines Draufgängers. 39 Jahre alt war der Modellathlet gerade geworden, als ihm die wahnwitzige Triathlon-Idee kam. “Ich habe etwas gesucht, dass mehr Konzentration von mir verlangt als alles andere jemals zuvor“, sagt der inzwischen 40-Jährige. Neun Monate lang drehte sich sein Leben nur um die Vorbereitung auf jene Extrem-Mutprobe, für die er die Vereinigten Arabischen Emirate ausgesucht hatte. Der erste Triathlon in der Küstenstadt Fudschaira, der letzte in Abu Dhabi.

“Triathlon war das Einzige, worüber ich in dieser Zeit nachgedacht, worüber ich gesprochen habe“, verdeutlicht Ragsdale. Der Amerikaner ist ein Bär von Mann, vor Kraft strotzend, hoch aufgeschossen, kahlköpfig, durchtrainiert bis ins Letzte. Er sagt: “Ich mag Herausforderungen, weil die Willenskraft im Fokus steht, etwas Außergewöhnliches zu erreichen.“ Als Chef des weltweit operierenden Dienstleistungs-Unternehmens Naseba sollte er eigentlich genug um die Ohren haben - eine Fehlannahme. Er hält nichts von Auszeiten und Entspannung, seine Maxime ist das Maximum, jederzeit.

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“Zu viele Menschen wollen ein schönes, leichtes und bequemes Leben“, urteilt er - und gibt den Gesellschaftskritiker. “Das Leben ist nicht dafür da, um schön und bequem zu sein“, behauptet Ragsdale. Für ihn selber war es das auch deshalb nie, weil er sich immer an sein Credo gehalten hat. Wahrhaftig ist der Modellathlet ein Vorbild an Beharrlichkeit, Disziplin, an Unnachgiebigkeit. Am Ende der quälenden Woche bewegte er sich vor lauter Schmerzen zeitweise nur noch mit dem Tempo einer lahmen Ente - aber er hielt durch.

Ein Vorbild will er sein, nicht zuletzt für seine Mitarbeiter. Hunderte von ihnen standen bei Ragsdales letzter Etappe des Triathlon-Wahnsinns in Abu Dhabi an der Strecke, feuerten ihren Vorgesetzten unnachgiebig an. “Ich weiß nicht mehr viel von den letzten drei Tagen. Zum Schluss habe ich vor mehr als 2000 Leuten noch eine Rede gehalten, selbst daran kann ich mich kaum noch erinnern“, sagt der in Nebraska geborene Ausnahmesportler.

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Drei Tage lang habe er danach mit hohem Fieber im Bett gelegen - das alles hatte selbst seinen Körper heillos überfordert. Egal, meint Ragsdale. Er ist das Leiden gewöhnt, vielleicht ist er verrückt danach. Mitten in der Vorbereitung musste er sich an beiden Knien operieren lassen, im April am linken, im Juni am rechten, dennoch ließ er sich nicht von seinem Weg abbringen. “So ist es auch eine großartige Geschichte darüber, Hindernisse zu überwinden, fokussiert zu bleiben, einfach weiterzumachen“, betont er.

Vergangenes Jahr schwamm er durch den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien, zuletzt trainierte er sich neun Monate lang mit dem Trainerveteranen Mario Huys wund. Nun hat er neue Ziele: einen Ironman in weniger als zehn Stunden schaffen, den höchsten Berg in Südamerika erklimmen. “Die am härtesten zu erreichenden Dinge im Leben sind die schönsten“, sagt Ragsdale. Er wird das nach all den freiwilligen Entbehrungen beurteilen können, das ist sicher.

dpa

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