Hurrikan macht aus Tennisprofis Couchpotatoes

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Andrea Petkovic hat in New York nicht viel zu lachen

New York - Hurrikan „Irene“ hat auch die Vorbereitung der Tennisprofis auf die anstehenden US Open in New York kräftig durcheinandergewirbelt.

Hamsterkäufe, Zimmerpartys und Filmmarathons: Während die aus Sicherheitsgründen gesperrte Anlage in Flushing Meadows am Wochenende einer Geisterstadt glich, verbrachten Andrea Petkovic, Rafael Nadal und Co. den Tag vor dem geplanten Turnierstart quasi als „Couchpotatoes“.

Hoffnungsträgerin Petkovic kündigte angesichts der angespannten Lage im stellenweise evakuierten Big Apple einen DVD-Marathon auf ihrem Hotelzimmer an. Wimbledon-Halbfinalistin Sabine Lisicki geriet nach ihrem Endspielsieg in Dallas, ihrem zweiten Turniertriumph in diesem Jahr, sogar leicht in Panik. „Alle Flüge nach NYC in den nächsten Tagen wurden gestrichen... Wie sollen wir dort hinkommen?“, fragte sie nach dem 6:2, 6:1 gegen Aravane Rezai (Frankreich).

Der US-Verband ging trotz des Ausnahmezustandes am Wochenende davon aus, dass das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres wie vorgesehen am Montag (17.00 Uhr/MESZ) mit den ersten Auftaktpartien beginnen kann.

Die an einem Meniskuseinriss laborierende Petkovic hatte ihre Begegnung mit den Vorboten von „Irene“ bereits bei ihrer vorerst letzten Trainingseinheit am Samstag. Im hartnäckigen Nieselregen war dabei von ihrer Knieverletzung nichts mehr zu spüren. Trotzdem mahnte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner: „Ich habe natürlich Angst. So eine Knieblessur ist keine Zerrung“, sagte Rittner dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Die Weltranglistenelfte Petkovic, die noch um einen Platz für das Masters der besten acht Spielerinnen Ende Oktober in Istanbul kämpft, trifft in der ersten Runde der mit 23,7 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung auf die Qualifikantin Jekaterina Bytschkowa (Russland). Der formstarken Lisicki droht in der zweiten Runde bereits ein Duell mit Venus Williams (USA).

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Die deutschen Männer um den gesetzten Florian Mayer („Ich habe viele Getränke und genug Essen eingekauft“) suchten in Sachen „Irene“ indes Rat bei Tommy Haas. Der 33-Jährige mit Wahlheimat Florida konnte aber nur bedingt weiterhelfen. „Ich habe zwar schon ein paar tropische Stürme erlebt, aber noch keinen Hurrikan durchgemacht“, sagte Haas, der voraussichtlich zum letzten Mal in Flushing Meadows an den Start gehen wird.

Die Davis-Cup-Kollegen Philipp Petzschner und Philipp Kohlschreiber hatten vor dem Hurrikan bereits das Erdbeben in New York in der vergangenen Woche miterlebt. „Das sind auf jeden Fall die außergewöhnlichsten US Open meiner Karriere“, meinte Kohlschreiber, während „Petzsche“ erklärte: „Ich habe hier alles geboten bekommen.“ Insgesamt gehen 13 Deutsche an den Start - sieben Männer und sechs Frauen. Am Samstag war aus Sicherheitsgründen der traditionelle „Kinder-Tag“ mit Hunderten von Teilnehmern und Showteilen abgesagt worden.

Der früheren Weltranglistenersten Serena Williams war nicht zum Spaßen zumute. „Die Straßen sind verlassen. Ich habe New York noch nie so gesehen. Ich fürchte mich“, teilte die Mitfavoritin vor ihrem Heimspiel mit. Der spanische Titelverteidiger Rafael Nadal meinte besorgt: „Das wird keine spaßige Erfahrung. Ich werde im Hotel sitzen und Filme schauen.“ Andy Murray twitterte: „Wir stecken wegen des Hurrikans im Hotelzimmer fest.“ Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer sprach von einem „beängstigendem“ Gefühl. Für ein wenig Unverständnis sorgte eine Aussage von Wimbledon-Finalistin Maria Scharapowa, die die „Überreaktion“ der Menschen nicht verstehen konnte.

Bürgermeister Michael Bloomberg hatte allen Bürgern und Besuchern von New York empfohlen, ab Samstagabend die Häuser für 24 Stunden nicht zu verlassen. In New York wurde wird mit Sturmböen (bis zu 140 km/h), starken Niederschlägen und Überflutungen gerechnet. Am Samstagnachmittag war der öffentliche Nahverkehr erstmals in der Geschichte gestoppt worden. Die Tennisanlage war am Samstag um 17.00 Uhr bis auf weiteres geschlossen worden.

SID

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