Holt Deutschland den Tischfußball-Titel?

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Vizeweltmeister Ruben Heinrich im Herreneinzel

Nantes - Vor Beginn der Tischfußball-WM an diesem Donnerstag machen sich die deutschen Männer Hoffnungen auf den Titel. In Frankreich zieht der Sport die Massen an - in Deutschland bald auch?

Die deutsche Fußball-Nationalelf gehört schon lange zur Weltspitze auf dem grünen Rasen - aber nicht nur dort: Auch am Kickertisch ist Deutschland Titelanwärter. Ärgerlich nur, dass beim Kickern ausgerechnet Österreich gerne mal dazwischenfunkt. Zuletzt 2006, als der kleine Nachbar den großen im WM-Finale bezwang. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im französischen Nantes soll alles besser laufen: “Das Halbfinale ist Pflicht, eher wollen wir mehr“, sagt Thomas Przesdzink vom Deutschen Tischfußballverband (DTFB).

Tischfußball ist ein schnelles Spiel - und besonders rasant, wenn die weltbesten Spieler aufeinandertreffen. 16 Nationalteams streiten bei den Männern von Donnerstag bis zum Sonntag um den Titel, die deutsche Mannschaft um Teamkapitän Knuth Strecker gehört mit den USA, Belgien und Frankreich zu den Topfavoriten. Der 34 Jahre alte Hannoveraner, eigentlich Sales Marketing Manager von Beruf, ist optimistisch: “Wir wollen zum ersten Mal den Titel nach Hause holen.“

Kein leichtes Unterfangen. Belgien beispielsweise tritt mit dem Lionel Messi des Kickerns an: Frédéric Collignon, 36, ist seit Jahren der überragende Mann an den 120 mal 80 Zentimeter großen Tischen. “Im Einzel ist er praktisch unschlagbar, im Team aber kann er auch nur immer einen Punkt für Belgien machen“, verdeutlicht Przesdzink. Bei den Mannschaftswettbewerben - dem Höhepunkt eines jeden Turniers - werden drei Einzel und zwei Doppel ausgespielt. Zwei Gewinnsätze braucht eine Equipe, um sich durchzusetzen. Rund 20 000 Zuschauer werden die Shows in der Halle über Großleinwände verfolgen, auf den Fernsehschirmen werden die Entscheidungen auf Eurosport 2 übertragen.

Neben den Teamwettbewerben gibt es bei Frauen und Männern auch Einzel- und Doppel-Entscheidungen. Insgesamt schickt der DTFB 40 Akteure an die Atlantikküste - die meisten Teilnehmer einer einzelnen Nation. “Die Popularität des Tischfußballs hat hierzulande rasant zugenommen“, urteilt Przesdzink. In den vergangenen drei Jahren stieg die Mitgliederzahl von 5000 auf 7000, spätestens 2014 sollen es nach dem DTFB-Willen rund 10 000 sein. Der Ligabetrieb läuft bundesweit inzwischen in 13 Landesverbänden, jährlich melden sich mehr Clubs an.

Und wer in der Bundesliga oben mitmischt, kann es bis ins Nationalteam schaffen. Tischfußball also ist längst kein Spiel mehr nur für abendliche Trinkgelage in verräucherten Kneipen - und doch verdeutlicht gerade der Gastronomiebereich, dass der Handgelenkssport boomt: Auch in vielen Szenelokalen stehen mittlerweile Kickertische - das sorgt für Werbung, Aufmerksamkeit und verstärktes Interesse.

Tischfußball ist ein taktisches und ausdauerndes Spiel, “es kommt sehr auf die Schnellkraft im Arm an“, betont Przesdzink. Und auf die Antizipation. “Ich muss im Vorfeld ahnen, wohin der Ball geschossen wird.“ Auf dem Toplevel agieren die Cracks so schnell, dass der Gegner kaum noch reagieren kann, wenn er das nicht vorher schon antizipiert. Vor sechs Jahren bewies die österreichische Auswahl im entscheidenden Moment diese Fähigkeit - und schlug Deutschland pünktlich zum Fußball-Sommermärchen im eigenen Land im WM-Endspiel am Tisch 5:2. Nun soll Nantes nicht zum erneuten “Córdoba“ werden. Dort gab es bei der WM 1978 eine deutsche 2:3-Pleite - auf dem Rasen.

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