Höfl-Riesch vor Team-Wettbewerb

"Das hat eine ganz andere Zugkraft"

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Maria Höfl-Riesch bei der Feier im Deutschen Haus am Sonntag

Schladming - Zwei ihrer WM-Medaillenchancen haben die deutschen genutzt - für die ausstehenden fünf Rennen sind die Aussichten glänzend. Maria Höfl-Riesch will weiter jubeln, Felix Neureuther erstmals.

Maria Höfl-Riesch präsentierte am Tag nach ihrer zweiten WM-Party stolz die zwei Medaillen - zusammen mit Felix Neureuther will sie die Mannschaft nun zur nächsten Feier bei den Titelkämpfen führen. „Wenn man in so eine Weltmeisterschaft reinkommt als Team, dann kann man sich gegenseitig hochpushen und gegenseitig motivieren. Das hat eine ganz andere Zugkraft als ein Einzelwettbewerb“, betonte Neureuther vor seinem ersten Renn-Auftritt beim Team-Wettbewerb an diesem Dienstag in Schladming. „So ein Einstieg ist schon sehr wichtig für eine Weltmeisterschaft.“

Auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem ersten WM-Start, als er als kecker Sonnyboy in St. Moritz die Lacher auf seiner Seite hatte, führt Neureuther nun als gestandener Athlet ein größtenteils junges Team an. Höfl-Riesch ist ein gutes halbes Jahr jünger als der 28-jährige Neureuther und auch Lena Dürr (21), Veronique Hronek (21), Fritz Dopfer (25) und Stefan Luitz (20) haben weitaus weniger Weltcup-Rennen in ihren Statistiken stehen.

„Früher war ich das Chicken jetzt bin ich der Älteste. Man kann vergleichen, dass ich heute die Martina Ertl der damaligen Zeit bin“, sagte Neureuther mit Blick auf die Premiere des Team-Events im Jahr 2005. Damals holte die Mannschaft, allerdings noch im alten Format, überraschend Gold. Auch diesmal will man sich im Reigen der Medaillenkandidaten mit Topfavorit Österreich behaupten. Bei aller Reife - an Witzigkeit hat Neureuther nichts verloren. Mit dem Ertl-Vergleich habe er nicht sagen wollen, dass er jetzt „die alte Schachtel des Teams“ ist, betonte er vor seinem ersten von drei Rennen schnell.

Gold! Höfl-Riesch triumphiert bei Ski-WM

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Der K.o.-König des Weltcup will „intern“ im Team Tipps geben, „dass wir uns alle gescheit rausjagen“. In den Duellen Mann gegen Mann ist Neureuther Extra-Klasse. „Wenn man gegen einen aus Brasilien fährt, dann wird man mit Sicherheit nicht das Risiko nehmen, als wenn man gegen einen Marcel Hirscher fährt“, beschrieb der 28-Jährige das Risikokalkül. Perfekt setzte das kurz vor der WM auch Lena Dürr bei ihrem Sieg auf der Stahlrampe in Moskau um. „Ich glaube, wir haben ganz gute Chancen, es ist alles möglich wie man bei mir in Moskau gesehen hat“, sagte Dürr. „Wir werden probieren, dass wir einfach Spaß haben, Gas geben und schauen, wie weit es geht.“

Mit viel Spaß nimmt auch Neureuther seine sechsten Weltmeisterschaften in Angriff. Anders als Maria Höfl-Riesch, die fünf WM-Medaillen und zweimal Olympia-Gold ihr eigen nennt, wartet Neureuther noch auf seine Plakette nach einem WM-Einzelrennen. Gemeinsam mit den Teamkollegen will er in dieser Woche die seit 2001 anhaltende Durststrecke ohne Edelmetall eines deutschen Alpin-Herren beenden.

„Wir haben es geschafft, dass wir als deutsche Herren mittlerweile ganz anders wahrgenommen werden, auch im Ausland. Die Jungs wissen sehr wohl, dass da nicht mehr irgendwelche Haubentaucher daherkommen, sondern dass es um die Wurst geht“, erklärte der viermalige Weltcup-Sieger. Im Riesenslalom hat er eine Außenseiterchance, im Torlauf ist er Mitfavorit.

Neureuthers Saisonbilanz ist mit zwei Weltcup-Siegen und insgesamt sechs Podestplätzen besser als die von Höfl-Riesch, die am Montag ein Bild ihrer zwei Medaillen im Internet präsentierte. Und für den zweiten Coup in der Steiermark auch großes Lob von Franz Beckenbauer bekam. „Das macht so einen super Sportler aus. Dass er sich in so wichtigen Momenten auch so konzentrieren kann. Davon gibt es nicht viele“, sagte Beckenbauer.

Zur Weltmeisterschafts-Halbzeit liegt der Verband bestens auf Kurs. „Wir freuen uns, dass wir schon zwei Medaillen haben und auch einen Titel. Es ist entspannend, dass wir keinen Medaillen mehr nachlaufen müssen“, erklärte Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der bei der Super-Kombination am Montag keinen deutschen Starter hatte. Vom ehemaligen Slalom-Weltmeister Frank Wörndl habe er gesagt bekommen, dass man nach den Erfolgen in der ersten Woche aufs „Relaxen“ und auf „Wellness“ machen könne. Doch bei aller Entspannung: Neureuther, Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg & Co. haben große Ziele - und Maier will mit dem Team „auch in der zweiten Woche maximal guten Sport liefern“.

dpa

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