Höfl-Riesch: Frustrierte Flucht

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Glücklos, erfolglos: Marie Höfl-Riesch in Beaver Creek

Beaver Creek - Enttäuscht, frustriert, geknickt: Nach ihrem schwächsten Weltcup-Super-G seit fast zwei Jahren verließ Maria Höfl-Riesch fluchtartig den Ort des Rennens.

Die Doppel-Olympiasiegerin musste zum Flughafen, wie sie eilig versicherte, mehr war ihr zunächst nicht zu ihrem 21. Rang in Beaver Creek zu entlocken. Ein längerer Aufenthalt am Fuße der erstmals von Frauen befahrenen „Raubvogel“-Piste hätte sich aus Höfl-Rieschs Sicht auch kaum gelohnt - sie hätte nur wieder Lindsey Vonn beim Jubeln zusehen müssen.

Ihre alte und neue Freundin feierte am Mittwoch ihren fünften Saisonsieg - beim erst sechsten Start. Aus Sicht der Konkurrenz eine besorgniserregende Bilanz. „Lindseys derzeitige Form ist wirklich beeindruckend. Wenn sie diese so beibehalten kann, wird sie wohl im Gesamtweltcup von niemandem zu schlagen sein“, ließ Höfl-Riesch eine knappe Stunde nach dem Rennen über ihren Ehemann und Manager Marcus Höfl ausrichten.

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Das war insofern bemerkenswert, dass Höfl-Riesch wie die meisten anderen Ski-Rennläuferinnen derartige Prognosen zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison (nach sieben von 39 Wettbewerben) für gewöhnlich vermeidet. Wobei: In der Gesamtwertung hat die jetzt siebtplatzierte Titelverteidigerin schon 331 Punkte Rückstand auf Vonn (522), die das Klassement souverän vor Viktoria Rebensburg (Kreuth/286) anführt. Weil Rebensburg in Beaver Creek bereits nach 14 Fahrsekunden ausschied, meinte Sportdirektor Wolfgang Maier: „Das Rennen ist aus unserer Sicht in die Hose gegangen.“

Über Gründe dafür konnte und wollte sich Maier nicht äußern, er hatte den Super-G nur über Live-Ticker verfolgen können, weil er eine wichtige Sitzung hatte. Höfl-Riesch selbst ließ verlauten, es habe nicht am Material gelegen. Sie sei vielmehr „einfach vom Start weg nicht gut in den Lauf reingekommen, das Timing und die Linie haben nicht gepasst.“ Was Skifahrer halt so sagen, wenn es mal nicht läuft. Über tiefer liegende Ursachen wie mangelnde Form, Kraft oder Pfunde kann einstweilen höchstens spekuliert werden. Seriöse Aufschlüsse werden für die Rückkehr des Weltcup nach Europa erwartet.

Wegen der Absage der Rennen in Val d'Isere hat Höfl-Riesch erst am 17./18. Dezember im französischen Courchevel bei Riesenslalom und Slalom die nächste Chance. Das letzte Rennen vor Weihnachten ist ein Slalom am 20. Dezember in der Flachau/Österreich. Maria Höfl-Riesch ließ versichern, dass sie nicht glaube, dass der enttäuschende Abschluss der Nordamerika-Tournee nachwirkt. „Das Ergebnis ist für mich bereits abgehakt.“ Immerhin nahm sie aus Übersee nach Slalom-Rang drei in Aspen auch die Gewissheit mit, dass sie zumindest noch im dichten Stangenwald den Durchblick hat.

Vor Courchevel will sie in der kommenden Woche in Österreich Slalom und Riesenslalom trainieren - und wie die Konkurrenz wird sie dabei wohl grübeln, wie Vonn vielleicht doch zu bezwingen ist. „Sie ist nicht unschlagbar. Gerade, wenn es steiler ist, ist sie zu knacken“, versicherte die Österreicherin Anna Fenninger, die in den Super-G Zweite und Dritte war.

Vonn allerdings schwebt derzeit auf Wolke sieben - nur wenige Tage nach der Ankündigung ihrer Scheidung von Ehemann Thomas. „Es ist wie ein Traum“, sagte sie nach ihrem ersten Heimsieg. Dass sie diesen in ihrem „Wohnzimmer“ holte, verlieh ihrem 46. Weltcup-Erfolg ebenso eine besondere Note wie Vonns Geste vor der Siegerehrung.

Sie kniete vor dem „Stockerl“ nieder und senkte das Haupt zum sogenannten „Te-Bowing“. Auf diese Art pflegt der Quarterback der Denver Broncos, Tim Tebow, sich zu freuen. Vonn wird eine Affäre mit dem Footballer nachgesagt. „Es gibt keinen anderen Mann“, sagte sie dieser Tage - in der gleichen locker-souveränen Art, mit der sie den Ski-Zirkus dominiert.

sid

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