Der Himmel weint bei Neuners Abschied

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Der Himmel vergoss Tränen, doch Magdalena Neuner strahlte trotzdem vor ihrem letzten WM-Rennen.

Ruhpolding - Die Neuner-Festspiele in Ruhpolding sind zu Ende. Die 25-Jährige aus Wallgau hat den letzten Titelkämpfen ihrer Karriere den Stempel aufgedrückt und unvergessliche Momente hinterlassen.

Der Himmel weinte, als Magdalena Neuner bei ihren WM-Abschied leer ausging. Noch einmal hatten sich knapp 30. 000 Zuschauer in der Ruhpoldinger Chiemgau Arena eingefunden, um die Rekordweltmeisterin live in der Loipe zu erleben. Mit den Gold-Triumphen im Sprint und mit der Staffel hatte die 25-Jährige aus Wallgau die Titelkämpfe wie von allen erhofft und vielen erwartet in Neuner-Festspiele verwandelte. Die Doppel-Olympiasiegerin war nicht immer überragend, musste auch Rückschläge einstecken wie Platz elf zum Abschluss im Massenstart, doch der Faszination Neuner konnte sich in den Tagen von Ruhpolding niemand entziehen.

Neuner selbst hatte „immer ein Gänsehaut-Feeling“ auf der Strecke und sagte, „dass es etwas ganz Besonderes ist, hier in Deutschland Gold zu gewinnen. Ich bin happy, weil jetzt der ganze Druck abfällt. Es war eine tolle WM von mir.“ Tausende strömten am Abend zu den Medaillenzeremonien und rührten Neuner und Co. mit ihrer offenen bekundeten Zuneigung. „Ihr seid die Besten und ich werde euch vermissen“, schrieb Neuner auf ihrer Facebook-Seite.

Bei den letzten Titelkämpfen ihrer unvergleichlichen Karriere waren alle Augen auf Neuner gerichtet, die Erwartungshaltung hatte sie mit der Ankündigung, sechs Medaillen gewinnen zu wollen, in neue Höhen getrieben. Doch Neuner wäre nicht Neuner, wenn sie nicht einmal mehr unter Beweis gestellt hätte, wie sie mit Druck umgehen kann.

Neuner sprintet zu WM-Gold

Neuner sprintet zu WM-Gold

Die überragende Vorstellung beim Sprintsieg vor der größten Konkurrentin Darja Domratschewa aus Weißrussland war eine Demonstration ihrer ganzen Stärke, der Kombination aus perfektem Schießen und schnellen Beinen. Dass es in der Verfolgung „nur“ zu Silber reichte und es im Einzel mit Platz 23 einen so nicht erwarteten Rückschlag gab, lag vor allem daran, dass Neuner auch Schwächen zeigte.

In einem Winter, „in dem ich alles noch mal mitgenommen habe, was ich bisher nicht hatte“, mit einem Blackout in der Weltcup-Staffel von Oberhof oder dem Crossfire von Nove Mesto, leistete sich Neuner ungewöhnlich viele Fehler am Schießstand. „Ich habe einfach technische Probleme“, sagte Neuner. Auch im Massenstart musste sie sechsmal in die Strafrunde.

Doch vor allem in der Staffel war das Team für sie da. Zimmerkollegin Miriam Gössner, mit der Neuner Fön, Wasserkocher und den Eierlikör teilt, wuchs über sich hinaus und verhalf der schwächelnden Königin zusammen mit Tina Bachmann und Andrea Henkel zum 12. Gold ihrer Karriere. „Jetzt steht es 1:1“, freute sich Neuner, die vor einem Jahr bei der WM in Chanty-Mansijsk als Schlussläuferin die Kohlen aus dem Feuer geholt und in Gold verwandelt hatte.

Trotz all des Trubels, den vielen Terminen rund um eine Handvoll Wettkämpfe, blieb Neuner sich selbst treu. Meistens lächelnd, immer freundlich, aber auch bestimmt, wenn Grenzen erreicht waren, manövrierte sich die Blondine durch ihre Festspiele. Sie nahm sich ihre Auszeiten, ging auch mal in den Wald zu einer Runde mit den Klassik-Ski.

Schon legendär ist ihr Auftritt als Rockstar an der Seite von Gössner beim Familienabend im deutschen Haus. Zusammen mit der Band Gaudi Harmonie schmetterte sie Hits wie „Country Roads“ oder „Skifoan“. „Ich versuche, alles im mich aufzusaugen, die ganzen Eindrücke. Das ist phantastisch“, sagte Neuner. Das neue Biathlon-Mekka Ruhpolding erlebte eine Magdalena Neuner in Bestform.

Beim Weltcup am nächsten Wochenende in Chanty-Mansijsk wird Magdalena Neuner die letzten drei Weltcup-Rennen ihrer Laufbahn bestreiten. „Es wird traurig, wenn sie nicht mehr da ist“, weiß Gössner. Und so vergoss auch der Himmel über Ruhpolding ein paar Tränen.

sid

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