Wir blicken zurück

Heiner Brand wird 60: Tragik & Triumphe

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Heiner Brand trägt den berühmtesten Bart Deutschlands

Gummersbach - Heiner Brand, der Franz Beckenbauer des deutschen Handballs, wird 60 Jahre alt. Seine Karriere ist eine Mischung aus Tragik und Triumphen. Wir blicken zurück.

Ein rauschendes Fest mit viel Tamtam wird es am Donnerstag nicht geben. Heiner Brand begeht seinen Ehrentag auf seine ihm eigene, bodenständige Art, im „kleinen Kreis“. Mit seiner Frau Christel, den vier Enkelkindern und seinen engsten Freunden wird der deutsche „Handball-Kaiser“ an seinem 60. Geburtstag in den Rückspiegel seines Lebens schauen und auf eine der großen Karrieren des deutschen Sports zurückblicken. Auf magische Momente wie jenen am 4. Februar 2007, als Handball-Deutschland nach dem WM-Titel im eigenen Land im kollektiven Freudentaumel versank.

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

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Doch auch die Erinnerungen an eine Tragödie sind allgegenwärtig. Es sind die fürchterlichen Ereignisse vom 30. März 1979, die in Heiner Brands Gedächtnis gebrannt haben und ihn bis heute prägen. Als Kreisläufer des VfL Gummersbach musste Brand mit ansehen, wie sein Freund und Mitspieler Joachim Deckarm im ungarischen Tatabanya auf dem Feld verunglückte und seither an einen Rollstuhl gebunden ist. „Das war das Schlimmste, was ich in meiner Karriere erlebt habe. Den Unfall habe ich bis heute eigentlich nie so richtig verdaut“, sagte Brand im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Noch im Jahr zuvor hatte er zusammen mit Deckarm bei der WM in Dänemark triumphiert.

Der Handball war Brand quasi in die Wiege gelegt worden. Weil auch seine beiden älteren Brüder für Gummersbach auf Torejagd gingen, blieb dem jungen Heiner keine Wahl. Bereits mit sieben Jahren trat er den VfL-Handballern bei. „Ich wäre bestimmt auch ein ganz guter Fußballer geworden. Aber in Gummersbach und in meiner Familie hatte man keine andere Chance“, erinnert sich Brand.

Als er Jahre später in der Bundesliga-Mannschaft des VfL debütierte, bekam er zunächst kein Gehalt, sondern einen Kredit für ein Auto in Höhe von 1500 Mark. Den musste er mit den monatlich 100 Mark Fahrgeld abstottern. Es war eine gute Investition des Vereins: Brand holte mit „seinem“ VfL als Spieler sechsmal die deutsche Meisterschaft, viermal den DHB-Pokal und wurde fünfmal Europacup-Sieger.

Die harte Schule der Niederlage durchschritt Brand in seiner zweiten Karriere. Als Bundestrainer scheiterte er sowohl im EM-Endspiel 2002 als auch im Finale der WM 2003, bevor er bei der EM 2004 seinen ersten Titel einfuhr.

Der Höhepunkt seiner Trainerkarriere folgte bei der WM 2007 im eigenen Land. Die ganze Nation saß gebannt am Fernsehschirm, als die deutsche Mannschaft das Wintermärchen verwirklichte und Brand als erster Handballer nach dem WM-Titel als Spieler auch als Trainer triumphierte. „Obwohl ich immer gesagt habe, die Erfahrungen als Spieler sind intensiver, hatte der WM-Titel direkt vor meiner Haustür in Köln schon einen besonders hohen Stellenwert für mich“, sagt Brand: „Vor allem die ganze Euphorie, die wir mit dieser Veranstaltung ausgelöst haben.“

Unvergessen bleibt auch Brands Wutanfall bei der WM 2009, als er nach der Niederlage gegen Norwegen mit erhobener Faust auf die slowenischen Schiedsrichter losging und in der Öffentlichkeit dafür sogar Verständnis erntete. Ob er damals wirklich zuschlagen wollte? „Nein“, sagt Brand heute: „Auch privat habe ich mich nie in meinem Leben geschlagen. Die Situation war voll unter Kontrolle.“

Nach dem elften Platz bei der WM 2011 trat Brand im vergangenen Sommer nach über 14 Jahren als Bundestrainer zurück und wechselte ins Management des Verbands. Dort kümmert er sich nun vor allem um den Nachwuchsbereich und verbuchte mit dem Gewinn der A-Jugend-Europameisterschaft am vergangenen Wochenende seinen ersten großen Titel auf neuem Terrain.

Eine Rückkehr auf die Trainerbank schließt Brand aus. „Es war ein wohl überlegter Entschluss. Im Normalfall wird es den Trainer Heiner Brand nicht mehr geben.“ Auch die Nachfolge von DHB-Präsident Ulrich Strombach kommt für den Familienmenschen nicht infrage. „Das wäre nicht mein Ding“, sagt Brand: „Ich bin da jetzt schon auf die Funktionärsebene gerutscht, obwohl ich mich ja eigentlich immer noch näher am Sport fühle.“

Wenn 2015 sein Vertrag als Manager des DHB endet und endgültig Schluss ist, sind andere Dinge dran. Dann wird der Mann mit dem legendären Walrossbart die Hügel des oberbergischen Landes auf dem Rennrad erkunden. Und viel Zeit mit seiner Familie verbringen.

sid

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