Handballer und Schwimmer müssen Bekleidung ändern

+
Die Logos, hier bei Sebastian Preiß, machen Probleme

Leipzig - Damit hätten die Stars nicht gerehnet: Die Nationalmannschaften im Handball und Schwimmen müssen ihre Wettkampfkleidung verändern.

Die Handballer sind verärgert, die Schwimmer verschnupft, die Volleyballer verunsichert: Nach dpa-Informationen drängt das Bundesministerium des Innern (BMI) die Verbände unter Androhung von Sanktionen, ihre Wettkampfkleidung zu verändern. Künftig dürfen auf den Trikots und Anzügen nicht mehr die bisherigen Verbandslogos mit Adler und Schriftzug abgebildet werden. Laut einer Vereinbarung zwischen BMI und dem DOSB aus dem Jahr 2006 ist der Adler als Hoheitszeichen “von Verbandsemblemen deutlich zu trennen“.

Nur die Fußballer sind fein raus: Wegen Bestandsschutzes muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Gegensatz zum Deutschen Handballbund (DHB) und dem Deutschen Schwimmverband (DSV) sein Logo nicht ändern. “Mir ist nichts bekannt. Wir haben kein Problem mit dem Adler“, sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. “Der DFB benutzt nicht den Bundesadler, sondern ein Wappen, das bereits vor Einführung des Bundeswappens verwendet wurde und genießt deswegen Bestandsschutz“, erklärte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Ganz anders sieht es im Handball aus: Das Verbandslogo mit dem Adler, dem doppelten Kreis und dem Schriftzug, das schon Heiner Brand beim Gewinn des WM-Titels 1978 getragen hat, gehört der Vergangenheit an. “Wenn Ihr nicht nur diesen nackten Adler nutzt wie er ist, sondern wie bisher mit der doppelten Umkreisung, wo Deutscher Handballbund drinsteht, dann drohen wir an, die Beträge Unterstützung für Jugend und Trainerausbildung zurückzuhalten oder gar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten“, gab DHB-Präsident Ulrich Strombach in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa sinngemäß den Inhalt eines BMI-Schreibens wieder. Die Bestimmungen sehen zudem vor, die Verwendung eines Hoheitszeichens sei “bei nationalen und internationalen Sportveranstaltungen grundsätzlich verpflichtend“.

Der DHB hatte sein Emblem nach dem Vorbild des DFB entworfen. Das Logo des Schwimmverbandes ähnelt diesem ebenfalls - und steht auch vor dem Aus. “Wenn das BMI das fordert, kommt das Logo weg, das wäre kein großes Ding. Wir müssen uns da mit dem BMI noch abstimmen“, sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel. Für die zwei Großveranstaltungen Kurzbahn-EM im Dezember in Stettin und Langbahn-EM im Mai in Antwerpen würde sie gern noch die alte Kollektion auftragen lassen. Für Olympia in London gibt es ohnehin eine einheitliche Kleiderordnung und anschließend eine neue Kollektion.

Die Handballer sind schneller mit dem Umrüsten - wenngleich unter Protest. “In einem Zustand der spontanen Verärgerung habe ich zurückgeschrieben, dass das für uns nicht infrage kommt“, sagte DHB-Chef Strombach, der zudem auf die gleichgestalteten Embleme von DFB und DSV verwies und damit unabsichtlich die Schwimmer ins Blickfeld des BMI schob. “Inzwischen sind wir da aber etwas gemäßigter“, gestand Jurist Strombach, monierte aber, dass der DFB nicht mit den Forderungen konfrontiert ist: “Im Sinne der Gleichbehandlung ist nicht erkennbar, warum das so sein soll.“

Vesper sieht die erforderlichen Nachjustierungen gelassen. “Man muss sich an die Regeln halten. Wir sind im Gespräch mit den Fachverbänden. In den allermeisten Fällen gibt es überhaupt kein Problem“ sagte der Spitzenfunktionär und ergänzte diplomatisch: “Wo es Missverständnisse gibt, helfen wir diese aufzuklären.“

Vorbehaltlich letzter Abstimmungen auf der kommenden Präsidiumssitzung wird die Nationalmannschaft der Handball-Frauen bei der WM vom 2. bis 18. Dezember in Brasilien mit modifizierten Trikots auflaufen: Das Bundeswappen, wie es auch auf den Olympia-Jerseys verwendet wird, ersetzt das Verbandsemblem. Nach und nach sollen dann auch die anderen Auswahlteams die veränderten Sachen bekommen, ehe zu Olympia eine neue Kollektion verteilt wird. Billig wird das Ganze nicht: Die Umrüstung von Trikots, Trainingsanzügen und Aufwärmanzügen soll für die acht DHB-Nationalmannschaften rund 60 000 Euro kosten.

In einer Zwickmühle steckt der Deutsche Volleyball-Verband (DVV). Die Frauen haben jüngst EM-Silber gewonnen in Trikots, die weder Verbandslogo noch Bundesadler zeigten, sondern ein Abbild der deutschen Fahne. Dies verlange der Weltverband so, sagte ein DVV-Sprecher. Das Wappentier ist nur auf den Aufwärmtrikots.

“Da kreuzen sich Rechte und Ansprüche, das ist aber seit Jahren bekannt. Wir sind darüber auch nicht glücklich. Im Grunde müsste es eine Einigung zwischen Innenministerium und Volleyball-Weltverband geben. Wir können auch nicht gegen Regelungen des Weltverbandes verstoßen, dann bekämen wir bei keinem Turnier mehr die Trikots abgenommen“, verdeutlichte der Verbandssprecher das Dilemma.

dpa

Nackte Haut bei Sportlerinnen: Die knappsten Outfits

Nackte Haut bei Sportlerinnen: Die knappsten Outfits

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare