Handball-Aufgebot im Überblick

Heuberger fährt ohne Kraus zur WM

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Mimi Kraus fehlt bei der WM

Hamburg - Handball-Bundestrainer Martin Heuberger hat seinen 17-köpfigen Kader für die Weltmeisterschaft im Januar in Spanien bekannt gegeben. Die Überraschung: Mimi Kraus fehlt.

Mit Nobodys gegen die Besten der Welt: Handball-Bundestrainer Martin Heuberger setzt den Umbruch in der Nationalmannschaft konsequent fort und fährt unter anderem ohne Michael Kraus zur WM nach Spanien (11. bis 27. Januar).

Nach den verletzungsbedingten Absagen zahlreicher Leistungsträger wie Uwe Gensheimer, Holger Glandorf und Lars Kaufmann lässt Heuberger damit einen weiteren turniererfahrenen Spieler zu Hause. Auch die jüngsten Auftritte des Weltmeisters von 2007 konnten den 48-Jährigen nicht davon überzeugen, Kraus erstmals in sein Team zu berufen.

„Ich weiß um Mimis Möglichkeiten, aber ich vertraue auf der Position Rückraum Mitte auf die in der aktuellen Formation eingespielten Michael Haaß und Martin Strobel“, sagte der Bundestrainer.

Dabei ist ihm klar, dass die Personalie Kraus bei einem schlechten Abschneiden schnell zum Bumerang werden könnte. Dennoch holte er sich vor der Nominierung keine Rückendeckung seitens des Deutschen Handballbundes ein, wie Heuberger im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) betonte: „Ich bin für den sportlichen Bereich verantwortlich und habe nur mit meinem Co-Trainer Frank Carstens gesprochen. Ich wurde 2011 als Cheftrainer eingestellt, weil ein Umbruch vonnöten ist.“

Kraus zeigte sich „enttäuscht, aber nicht sauer. Ich wünsche den Jungs auf jeden Fall den größtmöglichen Erfolg“, sagte der 29-Jährige der Hamburger Morgenpost.

Heuberger entschied sich für einen Kader mit vielen internationalen Greenhorns, die ihre Klasse auf dem WM-Parkett noch nachweisen müssen. „Ich bin da nicht unoptimistisch. Einfach wird es aber nicht“, sagte der frühere Weltklasse-Linksaußen Stefan Kretzschmar dem SID: „Man fährt mit einer jungen Mannschaft nach Spanien, die ihre Aushängeschilder der vergangenen Turniere auch noch verloren hat. Es gilt, einen extremen Mannschaftsgeist zu entwickeln.“

Insbesondere der Ausfall Glandorfs wiegt schwer, nicht nur für Kretzschmar gilt der Flensburger aktuell als bester deutscher Handballer. Nach seiner Fersenoperation entschied sich der Rückraumspieler gegen eine WM-Teilnahme, obwohl er in der Bundesliga wieder in aller Regelmäßigkeit Galaauftritte hinlegt. „Wenn es medizinische Einwände gibt, dann muss man das verstehen, aber trotzdem bleibt insgesamt ein fader Beigeschmack“, sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan dem SID: „Den Adler zu tragen, muss jeden Spieler mit Stolz erfüllen.“

So blieb Heuberger nur die Wahl, ob er einen wie Kraus mitnimmt, der abseits des Platzes auch mal über die Stränge schlägt. Der aber, wenn auch zuletzt deutlich seltener, für jenen Schuss Genialität, Kreativität und Unbekümmertheit steht, den man im deutschen Spiel häufig vermisst. „Ich habe bis zuletzt überlegt“, sagte Heuberger zu der Entscheidung, die auch Kretzschmar als schwierig einstuft: „Kraus ist auf der Position des Spielmachers ohne Frage eines der größten Talente, die wir je hatten. Aber er steht sich selbst im Weg.“

Der Bundestrainer macht es sich konsequent zur Aufgabe, die nächste Generation, laut Heuberger ein Kader mit Perspektive, an die internationale Spitze heranzuführen. Dies birgt Chancen für die Zukunft, aber auch Risiken für die Gegenwart. Denn nach zuletzt schwachen Auftritten wie in der EM-Qualifikation im November gegen Montenegro (27:30) ist die Mannschaft des Nachfolgers von Heiner Brand in der Bringschuld.

„Man kann nicht nur auf “Jugend forscht' setzen„, sagt Stephan, `wir können es uns nicht erlauben, bei der WM schlecht abzuschneiden. Der Bundestrainer ist sicherlich unter Druck nach den zuletzt eher schwachen Ergebnissen.“ Heuburger nimmt es gelassen: „Damit muss man in meiner Position leben.“

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

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Das deutsche Aufgebot für die WM-Vorbereitung:

Tor: Martin Ziemer (TSV Hannover-Burgdorf, 10 Länderspiele/kein Tor), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin, 81/-), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo, 155/1), Rückraum Mitte: Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen, 95/145), Martin Strobel (TBV Lemgo, 66/80)

Rückraum links: Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin, 80/135), Stefan Kneer (SC Magdeburg, 25/39), Steffen Fäth (HSG Wetzlar, 2/2)

Rückraum rechts: Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt, 31/53), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach, 42/118)

Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel, 153/289), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar, -/-)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen, 38/80), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar, 6/20) Kreis: Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen, 180/35), Patrick Wiencek (THW Kiel, 27/41), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten, 41/85)

sid

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