Hammerwerfen wird zur Farce

Erst Eklat - dann Happy End: Bronze für Heidler

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Betty Heidler bekommt am Ende Bronze zugesprochen.

London - Weltrekordlerin Betty Heidler ist bei Olympia wegen eines Fehlers in der elektronischen Weitenmessung zunächst um eine Medaille gebracht worden, bekommt nachträglich aber doch Bronze.

Eine unvorstellbare Panne hätte Betty Heidler beinahe Olympia-Bronze im Hammerwurf gekostet. Der starke fünfte Versuch der einzigen deutschen Leichtathletik-Weltrekordlerin schlug im Olympiastadion in London an der 77-m-Marke ein, die Weite wurde aber nicht von der elektronischen Weitenmessung erfasst. Nach Ende des Wettkampfs holte das Kampfgericht ein Maßband - nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle war Heidler mit 77,13 m Dritte und strahlte vor Glück, Kathrin Klaas (ebenfalls Frankfurt) rutschte auf Rang fünf zurück.

„Das ist ein Skandal, das darf bei Olympia nicht passieren“, ereiferte sich Thomas Kurschilgen, der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Nach ihrem fünften Versuch redete Heidler minutenlang mit dem Kampfgericht, als für sie eine Weite von 72,34 m angezeigt wurde, die aber von der gleich nach ihr werfenden Moldauerin Salina Marghieva stammte. Daher beschwerte sich Heidler beim Kampfgericht: „That“s not possible„, sagte sie in erstaunlich ruhigem Ton. Heidler durfte den fünften Versuch wiederholen - er war kürzer, sie machte ihn ungültig. Ehe die Umwertung erfolgte, lag die Weltranglistendritte mit 73,90 m auf Rang acht, Dritte war Zhang Wenxiu mit 76,34. Die Chinesin fiel dann auf Rang vier zurück. Keine Diskussionen gab es um Rang eins und zwei: Tatjana Lysenko, ehemalige Dopingsünderin aus Russland, gewann mit ihren gemessenen 78,18 m Gold, Silber die Polin Anita Wlodarczyk mit gemessenen 77, 60 m.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

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Als der Wettbewerb vorüber war, saß Heidler immer noch ruhig und im Vertrauen auf ein Happy End auf der Bank neben dem Wurfring, sie lächelte, stand auf, setzte sich wieder hin, redete mit einer kaum zu glaubenden Ruhe und Freundlichkeit mit einer Kampfrichterin, die ihr versicherte: Wir tun, was wir können. Ähnlich war es ein paar Tage zuvor Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf ergangen, nach einem peinlichen Fehler des Kampfgerichts hatte sie zunächst Silber verloren. Dann, 28 Minuten nach Ende des Wettkampfs, reckte Heidler beide Daumen hoch: Bronze!

Die Dritte der Weltrangliste 2012 mit 78,07 m knüpfte mit dem wohl verrücktesten Wettkampf ihrer Karriere an ihre zwischendurch abgerissene Erfolgsserie an. Die gebürtige Berlinerin Heider hatte 2007 bei der WM in Osaka/Japan Gold gewonnen, ein Jahr später war sie bei den Sommerspielen in Peking Opfer ihrer Nerven geworden (9.). 2009 in Berlin holte der Rotschopf ebenso Silber bei der WM wie 2011 in Daegu nach einem nervlichen Drahtseilakt. Dazwischen war Betty Heidler 2010 in Barcelona Europameisterin geworden.

sid

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