"Die Menschen werden ihm vergeben“

Hamilton rechnet mit Armstrong-Geständnis

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Tyler Hamilton (re.) rechnet mit einem Geständnis von Lance Armstrong.

Berlin - Lance Armstrongs früherer Teamgefährte Tyler Hamilton rechnet mit einem Doping-Bekenntnis des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers. Andre Greipel fordert harte Bandagen gegen Doper.

Tyler Hamilton erwartet ein Geständnis von Lance Armstrong, Andre Greipel fordert harte Bandagen gegen „ergaunerten Betrug“: Die Doping-Enthüllungen der USADA beschäftigen ehemalige Weggefährten und Kontrahenten Armstrongs nach wie vor sehr.

„Ich wäre überrascht, wenn er es nicht eines Tages zugeben würde“, sagte Armstrongs US-Landsmann Hamilton, dem wegen Dopings das Olympiagold von 2004 aberkannt worden war: „Es weiterhin zu leugnen, ist eine sehr schwere Last.“ Die Wahrheit werde zwar Konsequenzen für seinen ehemaligen Teamkollegen haben, aber langfristig werde er davon profitieren. „Die Menschen werden ihm vergeben“, sagte Hamilton.

Insgesamt müsse das „Schweigegebot“ zum Thema Doping schnellstens aufgehoben werden, um den Radsport zu retten. „Ob die Fahrer noch aktiv sind oder als Sportdirektor arbeiten - sie müssen einige Fragen beantworten. Sie sind immer noch Teil des Problems“, sagte Hamilton. Der 41-Jährige fuhr von 1998 bis 2001 mit Armstrong für das US-Postal-Team, gerade in dieser Zeit sei der Radsport von Doping durchsetzt gewesen.

„Der Sport war damals so schmutzig, was wir taten, war an der Tagesordnung“, sagte Hamilton: „Armstrong entschied sich für Doping, aber es war nicht allein seine Schuld. Eine Menge Leute waren involviert.“ Hamilton gehört zu den ehemaligen Wegbegleitern, die Armstrong mit ihren Aussagen schwer belastet haben.

Der deutsche Topsprinter Greipel (Rostock) distanzierte sich derweil in einem offenen Brief von Dopingpraktiken. „Sportliche Höchstleistung und Erfolge mit unlauteren Mitteln zu erreichen, ist nicht nur ein Tabu, sondern Betrug“, schrieb Greipel am Mittwoch. Der Kampf „gegen den ergaunerten Erfolg“ müsse daher mit harten Mitteln unbedingt fortgesetzt werden. „Es gibt klare Regeln und Gesetze, und wer sich daran nicht hält, ist ein Betrüger und gehört den Regeln entsprechend sanktioniert“, so der 30-Jährige.

In welchem Ausmaß und wie systematisch betrogen wurde, sei „erschreckend“. Ein großes Problem seien aber auch die schleppenden Ermittlungen. „Ich finde es sehr schade, dass diese so lange angedauert haben, denn sonst wäre der neue Radsport heute vielleicht schon einen großen Schritt weiter“, schrieb Greipel.

Der Rostocker selbst will sich „auch abseits der Rennstrecke für einen neuen und sauberen Radsport einsetzen“, sich „den Betrügern nicht geschlagen geben und der Jugend und den Menschen da draußen weiterhin zeigen, dass es auch anders geht“.

Die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) hatte in der vergangenen Woche umfangreiches Beweismaterial und Zeugenaussagen gegen Armstrong vorgelegt, die dessen jahrelanges systematisches Doping belegen sollen. Dem Texaner droht die Aberkennung seiner sieben Tour-Titel durch den Weltverband UCI.

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SID

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