Chaos-Tag beim Turnfest

Nach Ärger: Verbandsreue besänftigt Hambüchen

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Fabian Hambüchen

Mannheim - Der Deutsche Turner-Bund räumt Fehler ein, die Hambüchens sind vorerst besänftigt. Nach dem Chaos um die Bewertung der Bodenübung des ehemaligen Reck-Weltmeisters herrscht wieder Waffenstillstand - vorerst.

Erst kurz vor Mitternacht war die Boykott-Drohung wieder vom Tisch. „Ich muss jetzt ins Bett, ich muss weiterturnen“, sagte Fabian Hambüchen am Ende eines turbulenten Turnfesttages. Die Vernunft setzte sich wieder gegen die Emotionen durch, die den ehemaligen Reck-Weltmeister und vor allem dessen Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen zuvor mächtig in Rage gebracht hatten.

Durchaus nachvollziehbar, denn der Hambüchen-Clan wurde bei der Entscheidung um den deutschen Meistertitel am Boden Opfer einer falschen Berechnung der Kampfrichter. „Rein sportlich hat Fabian gewonnen. Aber das Kampfgericht hat Fehler gemacht, das ist natürlich immer unerfreulich“, musste Holger Albrecht, Supervisor des Technischen Komitees, zerknirscht einräumen.

Was war passiert? Albrecht hatte einen Protest des Athleten gegen den Schwierigkeitsgrad seiner Übung angenommen, positiv entschieden und ihn damit vor den bis dahin führenden Hallenser Matthias Fahrig gesetzt. Eine fatale Kette von Irrtümern, denn ein solcher Einspruch kann nur vom Trainer eingelegt werden. Zudem kam er erst nach Fahrigs Übung und damit gemäß den Regularien zu spät.

Halle konterte mit einem formalen Gegenprotest und hatte dem Reglement entsprechend auch Erfolg. Sportjuristische Feinheiten, von denen die tief enttäuschten Hambüchens zunächst nichts hören wollte. „Icn bin einfach nur wütend über die Dummheit anderer Menschen. Da kann man dann ja gleich zum Pokern gehen“, giftete der 25-Jährige, befeuert von Hambüchen senior: „Wir haben eine Klatsche mitten ins Gesicht bekommen.“

Für den streitbaren Coach war dieser verkorkste Abend nur ein weiteres Indiz für die Unfähigkeit des Deutschen Turner-Bundes (DTB), er zog verbal den schweren Säbel: „Das war klassischer Betrug, das war Schiebung, das hatte sportpolitische Gründe. Wir passen eben nicht ins DTB-System.“ Ein Dauerkonflikt, der die Karriere seines Sohnes seit mittlerweile zehn Jahren begleitet.

DTB-Präsident Rainer Brechtken wies diese Anschuldigungen zurück. „Ich kann verstehen, dass jemand in einer solchen Situation mal über Idioten schimpft und Dampf ablässt. Aber ich halte auch fest, dass niemand bewusst betrogen oder politisch verfolgt wurde. Daher gibt es auch keinen Grund, diese Sache verbandspolitisch aufzuladen“, sagte der Verbandsboss.

Immerhin: Das persönliche Verhältnis zwischen den beiden betroffenen Athleten hat durch den unschönen Vorfall keinen Schaden genommen. „Wir haben überhaupt kein Problem miteinander. Fabi kann nichts dafür, dass bei der Siegerehrung “Schiebung'-Rufe zu hören waren„, sagte Ex-Europameister Fahrig, und Hambüchen spielte den Ball zurück: `Gegen niemanden kann ich besser eine Niederlage akzeptieren als gegen “Matze'.„

sid

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