"Habe mich immer gegen Doping ausgesprochen"

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Alberto Contador (li.) und sein Teamchef Bjarne Riis müssen viele Fragen zum Thema Doping beantworten.

Les Herbiers - Kurz vor dem Start zur Tour de France dreht sich wieder einmal alles um das Thema Doping. Contador reagiert auf Nachfragen dünnhäutig. Andy Schleck will den Favoriten "auf der Straße" schlagen.

Alberto Contador lächelte gequält, als er im Blitzlichtgewitter die große Bühne betrat. Doch wenige Minuten später hatte der kleine Spanier bei seinem ersten Auftritt im Vorfeld der 98. Tour de France auch schon kurz die Contenance verloren. “Sie sind nicht gut informiert. Ich habe mich immer gegen Doping ausgesprochen. Ich bin für null Toleranz, aber Sie können glauben, was Sie wollen“, raunzte Contador den früheren Tour-Teilnehmer und heutigen Enthüllungsjournalisten Paul Kimmage an und erlebte 340 Tage nach seinem dritten Tour-Triumph schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was ihm auf Frankreichs Landstraßen blühen könnte.

“Ich habe das ganze Jahr mit diesen Diskussionen zu tun, aber ich werde mich auf das Rennen konzentrieren und mich nicht durch diesen Druck von außen aus der Ruhe bringen lassen“, kündigte der Vorjahressieger an. Zu einer möglichen CAS- Verurteilung sagte der Spanier: “Wenn sie mir den Sieg abnehmen, wäre das komplett lächerlich. Ich bin der am meisten getestete Fahrer und habe trotzdem fast jedes Rennen gewonnen.“

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Das Endlos-Thema Doping hat die Tour jedenfalls schon vor dem Grand Départ wieder fest im Griff. Wenn am Samstag auf der Passage du Gois an der französischen Atlantikküste der Startschuss erfolgt, wirft die Causa Contador einen großen Schatten auf die 3.430 Kilometer lange Grand Boucle. Denn bei einem Sieg Contadors müssten womöglich Anfang August bei einem Schuldspruch des Madrilenen vor dem Internationalen Sportgerichtshof zwei Toursiege am Grünen Tisch vergeben werden, was die Frankreich-Rundfahrt endgültig zur Tour de Farce verkommen lassen würde.

Contador-Verzicht kein Thema

Ein freiwilliger Startverzicht um des Friedens Willens war und ist für das Contador-Lager jedenfalls kein Thema. “Jeder wollte eine Lösung vor der Tour. Leider ist dies nicht geschehen. Das sind die Regeln. Das System funktioniert so. Alberto hat jedes Recht zu fahren. Er erhielt vom System die Starterlaubnis. Warum sollten wir ihn bestrafen, wenn er starten darf?“, fragte Saxo-Bank-Teamchef Bjarne Riis in die Runde und erwartete nicht wirklich Widerspruch.

Der Druck nehme zu, aber er konzentriere sich ganz auf das Rennen, ergänzte Contador. Und da muss er sich wohl auf heftige Gegenwehr von seinem großen Widersacher Andy Schleck einstellen. Der Luxemburger sagte dem Kletterkönig bereits den Kampf an. “Ich bin froh, dass er hier ist. Ich will ihn auf der Straße schlagen. Ich will einen Zweikampf Mann gegen Mann“, sagte der Vorjahreszweite im Interview mit der französischen Sporttageszeitung “L'Équipe“.

Schleck will Rechnung begleichen

Schleck hat noch eine Rechnung offen. 2010 hatte Contador mit nur 39 Sekunden vor Schleck triumphiert - ein Sieg mit Beigeschmack. Denn der 28-Jährige hatte exakt jene 39 Sekunden bei einer Attacke auf der 15. Etappe herausgeholt, als Schleck die Kette heruntergefallen war. “Ich hätte das nie gemacht. Ein großer Champion macht so etwas nicht. Als Jan Ullrich damals in eine Schlucht gestürzt war, hat Lance Armstrong gewartet. Und als Armstrong auf dem Weg nach Luz-Ardiden stürzte, warteten die anderen Fahrer. Das ist es, was Champions ausmacht. Ich war enttäuscht über sein Verhalten“, meint Schleck rückblickend.

Alles läuft auf ein Duell Contador gegen Schleck hinaus. Dahinter werden dem früheren Tour-Zweiten Cadel Evans (Australien) und dem zweimaligen Giro-Sieger Ivan Basso (Italien) am ehesten noch Podiumschancen zugetraut. Ein Platz unter den ersten Drei ist auch der heimlich Traum des deutschen Hoffnungsträgers Tony Martin. Ziel ist aber vornehmlich eine Top-Ten-Platzierung. Das gilt auch für Oldie Andreas Klöden, dem nach dem Rücktritt von Lance Armstrong beim Team RadioShack die Kapitänsrolle zufallen könnte.

Zwölf deutsche Fahrer, aber kein deutsches Team

Insgesamt zwölf deutsche Fahrer werden am Samstag die Tour in Angriff nehmen, erstmals seit 1992 ist aber kein deutsches Team vertreten. Trotzdem wollen die deutschen Akteure keine Nebenrolle einnehmen. So hofft André Greipel bei seiner Premiere auf Etappensiege im Sprint, wo er es mit seinem verfeindeten Ex-Teamkollegen Mark Cavendish zu tun bekommt.

Unterdessen steigt Oldie Jens Voigt mit seiner 14. Tour-Teilnahme zum alleinigen deutschen Rekordhalter auf. Zum Tour-Rekord fehlen ihm aber noch zwei Starts. Der Niederländer Joop Zoetemelk hat es auf 16 Teilnahmen gebracht. Eine Bestmarke, die der Amerikaner George Hincapie am Samstag einstellen will.

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Auf Hincapie und Co. wartet dann ein beschwerlicher Weg. Vier Bergankünfte, ein Mannschaftszeitfahren und ein alleiniger Kampf gegen die Uhr stehen unter anderem an. Die Königsetappe findet am 21. Juli mit dem Etappenziel auf dem Col du Galibier in 2645 m Höhe, der höchsten Bergankunft der Tour-Geschichte statt. Drei Tage später darf der Tour-Sieger dann seine Ehrenrunde auf den Pariser Champs Élysées drehen. Und wenn der CAS Anfang August entschieden hat, dürfen auch die Siegerlisten geschrieben werden.

dapd/dpa

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