Ski-Star veröffentlicht Buch

"Geradeaus": Höfl-Rieschs Abrechnung

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Maria Höfl-Riesch präsentierte ihr neues Buch

München - Zum zweiten Mal ist Maria Höfl-Riesch unter die Buchautoren gegangen. "Geradeaus" ist vor allem eine Generalabrechnung. Bei der Pressekonferenz kullerten auch noch Tränen - wegen eines Sturzes ihrer Großmutter.

Für die Fotografen setzt Maria Höfl-Riesch ein verhaltenes Lächeln auf. Sie hält auch zwei Bücher in einer Hand neben ihr Gesicht, als sie dazu aufgefordert wird. Hinter der Doppel-Olympiasiegerin steht ein Banner mit dem Cover ihrer Biografie „Geradeaus - Höhen und Tiefen meines Lebens“, die am 1. Oktober erscheint. Die Banner-Riesch schaut sehr ernst, fast böse. Das Buch ist eine Abrechnung und ein Versuch, sich zu erklären. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, alles Böse aus der Welt zu schaffen“, wird sie später dazu sagen.

Während der schier endlosen Kameraklicks gleicht sie mehr ihrem Foto-Ebenbild als einer lockeren Sportlerin. Und dann kullern auch noch Tränen. Ihre Großmutter, die „Ohlstadt-Oma“ (93), die mit Mutter und Schwester zuvor auf der Terrasse des Hotels Bayerischer Hof mitten in München Platz genommen hatte, sei gestürzt. Die sonst unnahbar wirkende Höfl-Riesch verliert für einen Moment die Fassung, als sie das ins Mikrofon sagt. Doch weil sie eben Kämpfergeist hat, wie ihr die Moderatorin aufmunternd zuspricht, geht es weiter im Programm.

Maria Höfl-Riesch trifft Papst Benedikt XVI.

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Maria Höfl-Riesch ist 27 Jahre alt. Seit über zehn Jahren ist sie Profisportlerin, und sie bleibt das auch in der Saison 2012/13. Trotzdem sollte ihre Biografie schon jetzt erscheinen. Hinter der jungen Frau liegt eine Saison, die mehr mental als körperlich an ihr genagt habe. „Nach der Saison war ich ausgezehrt. Vom Kopf her war ich am Ende“, sagt sie. Beim Saisonfinale in Schladming sei die Luft raus gewesen, und im anschließenden Urlaub habe sie tatsächlich darüber nachgedacht, aus dem Skirennzirkus auszusteigen.

„Ich habe alle meine Ziele und Wünsche erreicht“, sagt sie, „aber es gab auch viel Negatives.“ Wie den Streit mit ihrer Freundin und Konkurrentin Lindsey Vonn und die „Unwahrheiten“, die über sie vor allem in den Medien verbreitet worden seien. Es ging dabei auch um das angebliche Runterhungern zur Modepuppe. Um ihre Stilisierung zur perfekten Werbefrau ihres Ehemannes und Managers Marcus Höfl. Auch deshalb wollte sie dieses zweite Buch nach „Abgefahren“ (2008) jetzt veröffentlichen. Die acht Kilo weniger zu Beginn der letzten Saison hattten gesundheitliche Gründe, stellt sie darin erneut klar.

Höfl-Riesch steht nach einem kurzen Talk mit der Moderatorin an der Brüstung der Hotel-Terrasse. Sie trägt ein violettes Kleid und silberne High-Heels, die Journalisten kommen zu ihr. Die Ski-Königin gibt ihre Audienz, ohne erst dazu bitten zu müssen. Wie es denn nun mit Lindsey sei, wird sie gefragt. „Es ist alles aus der Welt geschafft. Wir haben uns ausgesprochen“, antwortet Höfl-Riesch. Aber das heiße nicht, dass alles sei wie vorher. So eine Geschichte hänge nach.

Angesprochen auf den von ihr im Buch so genannten „Pornozirkus“ Ski-Weltcup sagt sie: „Es gibt keine großen Enthüllungen.“ Sie habe nichts ausgeplaudert. Es habe sich noch kein Ski-Kollege bei ihr gemeldet wegen des Bild-Artikels, der samt Buch-Auszügen am Tag der Präsentation im Rahmen einer Serie erschienen war. Es stünde nichts im Buch, was nicht schon bekannt sei.

Nun steht Maria Höfl-Riesch also vor ihrer nächsten Saison als Profi-Skirennfahrerin. Sie sagt: „Der Biss ist da, weil ich so viel Spaß daran habe.“ Der sportliche Ruhestand, in dem sie sich eine Beschäftigung im Modebereich oder als Sportmoderatorin vorstellen kann, komme noch früh genug: „Ich weiß, dass es bald vorbei ist. Ich will die verbleibenden zwei bis drei Jahre nutzen.“

Ihre Ziele? „Ich fühle mich fit und gesund. Alles ist so, wie es sein soll Ende September. Ich möchte im Februar in Hochform sein.“ Dann findet die WM in Schladming statt.

Schon deutlich früher will Höfl-Riesch wieder mit ihrer Schwester Susanne, die noch an ihrer Knieverletzung laboriert, „wieder auf der Piste stehen - und auf dem Podium“. Maria und Susanne schauen sich an, lächeln kurz. Sie wissen den Moment besser einzuschätzen als die Menschen um sie herum. Vielleicht hilft das Buch zum Verständnis, inhaltlich wie bildlich: Vielleicht muss man erst über das ernste Gesicht wegblättern - und sich auf die Person einlassen.

sid

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