Geduldsprobe für Jan Ullrich

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Jan Ullrich.

Lausanne - Jan Ullrich muss weiter warten. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat die Entscheidung über eine Dopingsperre des einstigen Radstars am Mittwoch erneut verschoben.

 Das in Lausanne ansässige Gericht will nun Mitte Januar entscheiden, ob Ullrich für seine Verwicklung in die spanische Dopingaffäre als Wiederholungstäter lebenslang gesperrt oder freigesprochen wird.

“Das bringt uns nicht weiter. Jan möchte nun erstmal nichts weiter dazu sagen. Er ist in erster Linie enttäuscht, dass er weitere sechs Wochen warten muss“, sagte Ullrichs Berater Falk Nier der Nachrichtenagentur dapd.

Immerhin kann Ullrich einen Punktsieg feiern. Der CAS erklärte sich im Rechtsstreit zwischen Ullrich und Antidoping Schweiz für nicht zuständig, sodass dem gebürtigen Rostocker von dieser Seite wohl keine Konsequenzen drohen. “Jan wertet das als positives Zeichen für das endgültige Urteil“, sagte Nier.

UCI-Prozess nicht betroffen

Der CAS begründete seinen Spruch damit, dass zwischen Ullrich und Antidoping Schweiz keine Schiedsvereinbarung existiert. Diese Vereinbarung musste der damals wie heute in der Schweiz lebende Ullrich beim Antrag auf eine Rennlizenz im Jahr 2005 unterschreiben. Damals gab es Antidoping Schweiz allerdings nicht, weshalb der Forderung auf eine Entscheidung des CAS die Grundlage fehlt.

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Allerdings war neben Antidoping Schweiz auch der Weltverband UCI gegen Ullrichs Freispruch durch Swiss Olympic vom Januar 2010 vor den CAS gezogen. “Der CAS habe seine Zuständigkeit für diesen Fall bereits offiziell anerkannt und wird seine finale Entscheidung in etwa sechs Wochen bekanntgeben“, hieß es in der Pressemitteilung. Die Entscheidung sollte ursprünglich im September gefällt werden, war jedoch seitdem bereits zweimal verschoben worden.

Viel Lärm um nichts dürfte die Bilanz der vergangenen Wochen lauten. Immer wieder war mit Blick auf den 30. November und die anstehende CAS-Entscheidung sogar über ein mögliches Geständnis von Ullrich spekuliert worden. Hat er juristisch nichts mehr zu befürchten, so die Rechnung, kann er sich gefahrlos zu den seit 2006 anhaltenden Dopinggerüchten äußern.

CAS wie Swiss Olympic

Der Fall Ullrich beschäftigt die Gerichte nun schon seit über fünf Jahren, was vor allem an der Trägheit der Schweizer Sportjustiz liegt. Die Eidgenossen hatten den Fall im - fast vier Jahre nach der Fuentes-Affäre - wegen fehlender Zuständigkeit zu den Akten gelegt. Gleiches tat nun der CAS.

Hintergrund ist Ullrichs Verwicklung in den Skandal um Dopingarzt Eufemiano Fuentes. 2006 waren bei dem Spanier unter anderem Blutbeutel sichergestellt worden, die Ullrich per DNA-Abgleich zugeordnet wurden. Der schon damals in der Schweiz lebende Rostocker gab seine Rennlizenz jedoch im Oktober 2006 zurück und entzog sich dadurch der Sportgerichtsbarkeit der Eidgenossen.

dapd

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