Gauck in London: "Alle waren euphorisiert"

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Begeistert von Olympia: Bundespräsident Joachim Gauck am Samstag in London.

London - Joachim Gauck in London: Der Bundespräsident hielt nach seinem ersten Auftritt auf olympischem Boden und vielen positiven Kontakten mit den Athleten im Dorf ein Plädoyer für den Sport:

Joachim Gauck trat vor die Fernsehkamera. „Frisur und Schlips okay?“, fragte der Bundespräsident mit einem Blick auf seinen Referenten. Der nickte Sekunden später zustimmend, dann wurde das Staatsoberhaupt wieder präsidial.

„Die Stimmung in der Mannschaft ist ganz toll, auch wenn am ersten Wettkampftag nicht alle Wunschträume in Erfüllung gegangen sind. Es gibt eine unglaubliche Erwartungshaltung“, sagte der Bundespräsident. Wenig später, nach Schnappschüssen mit Fahnenträgerin Natascha Keller und anderen Athleten, verkündete er, er werde auch die Paralympischen Spiele (28. August bis 9. September) besuchen. Und im November gebe es dann eine offizielle politische Visite in London.

Der Bundespräsident hielt nach seinem ersten Auftritt auf olympischem Boden und den vielen positiven Kontakten mit der Olympischen Sportjugend und den Athleten im Dorf ein Plädoyer für den Sport: „Der Sport gehört in die Mitte der Gesellschaft. Die, die sich anstrengen, sind nicht depressiv. Selbstvertrauen erlaubt ihnen, ein erfolgreicher und lebenslustiger Mensch zu sein.“ Michael Vesper, Chef de Mission, meinte: „Der Bundespräsident war begeistert von vielen Athleten, und viele Athleten beeindruckt von ihm.“

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Gauck, der sich im Olympischen Dorf mit beiden Hockeyteams sowie den Tischtennisfrauen ablichten ließ, vor dem Rückflug am Samstagabend statt der geplanten Schwimmfinals nur das Turnen besuchte und am deutschen Team sichtlich Spaß hatte, stellte fest: „Ja, auch ich schaue auf den Medaillenspiegel. Ich lese regelmäßig Sportseiten und wünsche mir, in den elektronischen Medien andere Sportarten neben dem Fußball öfter zu sehen. Das ist ein dringender Wunsch in mir“.

Begeistert war Gauck schon von Begegnungen zu früher Stunde auf dem Kreuzfahrtschiff MS Deutschland in den Docklands gewesen. „Ich habe heute morgen mit 60 jungen Leuten Frühstück gegessen. Wenn sie diesen Optimismus erleben und auf der anderen Seite dann den Verdruss in Teilen der Gesellschaft sehen ...“, sagte Gauck. Und er ergänzte: „Sportler müssen auch lernen, mit Niederlagen umzugehen und fair zu sein - sonst sind sie draußen. Das hat auch seine Bedeutung in der Politik.“

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Ob er selbst sportlich sei? „Als junger Mensch habe ich Handball gespielt. Im Urlaub schwimme ich jeden Tag in der 17 Grad kalten Ostsee. Ich bin 72, da hält sich der Sport in Grenzen. Dabei waren meine Amtsvorgänger von Weizsäcker und Köhler Vorbilder“, meinte Gauck. Richard von Weizsäcker machte mehrfach das Sportabzeichen, Hörst Köhler joggte.

Im Fernsehen war Olympia vor Jahrzehnten für Gauck ein sehenswertes Erlebnis. „Es muss 1968 oder 1964 gewesen sein, da haben wir mit der Familie vor dem Fernseher gesessen - mit zusätzlichem Westanschluss“, sagte Gauck, der sich im Olympischen Dorf aber auch an seine DDR-Vergangenheit erinnert fühlte. „Wenn man die Betontreppenhäuser hochgeht, denkt man an sozialistische Neubaugebiete, in denen ich manchmal gelebt habe.“

Doch nun erstmals Olmypia live. Eingeflogen war der Mecklenburger am Vortag zur Eröffnungsfeier, er war verwundert über die ins Stadion gezauberte Agrar-Idylle und deren Verwandlung in eine Industrielandschaft. „Ich habe eine ganze Reihe von Präsidenten und gekrönten Häuptern getroffen. Alle waren euphorisiert von dem wunderbaren Erlebnis.“ Eine davon war Königin Elizabeth II. „Faszinierend, dieser Frau zu begegnen, einer Repräsentantin des Commonwealth, für die ganze Welt sichtbar“, sagte der Bundespräsident.

sid

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