2 Handys gegen 1 Kronkorken - und 1 Handy gegen die Flanke

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Ståle Solbakken

Köln - Zwei Handys gegen einen Kronkorken - wer da nur Bahnhof versteht, der sollte sich an Ståle Solbakken wenden. Der Köln-Coach hat eine merkwürdige Art, Taktik zu erklären.

Ståle Solbakken schnappte sich Handys und Kronkorken, um vor dem Kellerduell am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern (17.30 Uhr/Sky und Liga total!) ein für alle Mal mit der Mär von Schwäche des 1. FC Köln bei Flanken aufzuräumen. Zwei Handys, also Innenverteidiger, gegen einen Kronkorken, also Stürmer, so stellt sich der Norweger seine Abwehr vor. Und kein Handy zusätzlich auf der Außenbahn, um die Flanke zu verhindern. Überhaupt würden in der Statistik auch hohe Flanken aus dem Halbfeld auftauchen. „Idiotenbälle“, wie Solbakken sie nennt.

 

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Die Flankenstatistik birgt in der Domstadt seit dem 0:1 zum Rückrundenauftakt beim VfL Wolfsburg jede Menge Zündstoff. Sportdirektor Volker hatte süffisant darauf hingewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch sei, „dass bei 26 Flanken irgendwann mal ein Gegentor fällt“.

Weil auch bei der 1:4-Heimpleite gegen Schalke der Gegner nach Flanken traf und Finke seinem Trainer zum Abschluss der Wechselperiode Chong Tese vom VfL Bochum als Neuzugang präsentierte, einen Stürmer, den Solbakken weder kannte noch auf der Rechnung hatte („Ich muss darauf vertrauen, dass das eine gute Lösung ist“), köchelt in Köln langsam die Gerüchteküche.

Das Verhältnis zwischen Sportdirektor Finke und dem von ihm verpflichteten Solbakken hat deutliche Risse. Finkes Flankenspruch aus Wolfsburg entschuldigte Solbakken mit der Kürze der Zeit nach der Niederlage: „Alle können einen Fehler machen.“ Sein Verhältnis zu Finke nennt Solbakken „professionell“.

Und auch wenn Solbakken findet, „dass kleine Dinge plötzlich ganz groß werden“, und er jeden Tag seine „Arbeit mache und nicht über Konsequenzen nachdenke“, weiß der Norweger um die Brisanz der Situation nach den beiden Auftaktniederlagen und vor dem „engen Spiel“ auf dem Betzenberg. Dort hat der FC seit mehr als 22 Jahren nicht mehr gewonnen. Auch so eine Statistik, die Solbakken nicht hören mag.

Natürlich fehlt der verletzte Nationalspieler Lukas Podolski an allen Ecken und Enden, doch in der Mannschaft „gibt es keine Unruhe“. Dass Solbakken bei der Beschreibung seines Verhältnisses zur Mannschaft sagt, sein „Tor“ sei „immer offen“, ist angesichts der mit 40 Gegentoren schlechtesten Defensive der Bundesliga fast schon mehr als nur ein lustiger Versprecher.

Die bereits zu Saisonbeginn aufgekommene Kritik am Konzept des Trainers („Da war ich verantwortlich für die Fehler“), die zwischenzeitlich verstummt war, kehrt zurück. Spieler murren hinter vorgehaltener Hand, machen leise Andeutungen, dass etwas geändert werden müsse. Vielleicht sollte Solbakken bei der nächsten Taktikbesprechung einfach mal ein paar Handys und Kronkorken auf den Tisch packen. So schwer ist sein Konzept nämlich wirklich nicht zu verstehen.

sid

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