Zwei DFB-Frauen hören sicher auf - Wer folgt?

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Ariane Hingst (r.) und Birgit Prinz (3.v.r.) hören sicher auf

Köln - Zwei DFB-Frauen haben ihre Karriere im deutschen Trikot beendet. Bis zur EM 2013 wird es weitere personelle Veränderungen geben.

Raus aus dem Titeltraum, hinein in die Realität: Von einem anstehenden „großen Neuaufbau“ wollte Silvia Neid nach dem WM-Aus im Viertelfinale zwar nicht sprechen, doch die Frauenfußball-Bundestrainerin muss in naher Zukunft wohl mehr als zwei Positionen in der Nationalmannschaft nachbesetzen. Denn neben Birgit Prinz und Ariane Hingst, die das Ende ihrer internationalen Karriere bereits vor der WM angekündigt hatten, werden wohl noch weitere Spielerinnen vor der EM 2013 in Schweden aus Altersgründen ihren Hut nehmen.

„Unsere Mannschaft ist relativ jung, das Durchschnittsalter rund 26“, hatte Neid am Tag nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen Japan erklärt. Doch vor allem in der Offensive drohen sich Lücken aufzutun. Große Fragezeichen stehen hinter der Zukunft von Torjägerin Inka Grings (32 Jahre), Ersatz-Spielführerin Kerstin Garefrekes (31) und Sturm-Joker Martina Müller (31).

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Im Tor neigt sich die Ära von Nadine Angerer (32) dem Ende entgegen. Die deutsche Nummer eins hatte vor der WM gesagt, dass sie „auf jeden Fall noch Olympia mitnehmen“ wolle. Die Qualifikation hat Deutschland nun verspielt. Ob Angerer im Alter von 34 Jahren in Schweden noch immer zwischen den deutschen Pfosten stehen wird, erscheint fraglich.

Die eineinhalb Jahre Zeit, sich auf die EM vorzubereiten, will und muss Neid entsprechend nutzen: „Natürlich werden wir es wie immer machen, dass wir junge Spielerinnen integrieren werden. Da denke ich zum Beispiel an Dzsenifer Marozsan.“ Die 19-Jährige vom 1. FFC Frankfurt gehörte zum erweiterten WM-Kader, bis in ihrem Knie in der Vorbereitung das Innenband riss.

Marozsan ist eine der Hoffnungsträgerinnen, die mit der U20-Auswahl bei der Heim-WM im vergangenen Sommer den WM-Titel gewannen. Drei Spielerinnen - Kim Kulig, Alexandra Popp und Bianca Schmidt - hat Neid in die Frauen-Auswahl integriert. Während die 21 Jahre alte Kulig, die im Viertelfinale einen Kreuzbandriss erlitten hat und dadurch für das nächste halbe Jahr ausfällt, bereits fester Bestandteil der ersten Elf ist, wird vor allem auf Popp in Zukunft mehr Verantwortung zukommen.

Die athletische, kopfballstarke 20-Jährige, die bei der U20-WM mit zehn Toren zur besten Torjägerin und besten Spielerin aufgestiegen war, soll die Fußstapfen füllen, die Prinz und eventuell auch Grings im Sturm hinterlassen werden. Neids Aufgabe wird es sein, Popp behutsam auf diese tragende Rolle im Sturmzentrum vorzubereiten.

Marozsan ist mit ihrer Technik und Übersicht eher eine Kandidatin für die Position in der Offensivzentrale, außerdem gehören Standards zu den Stärken der Frankfurterin. Daneben hat Neid noch zwei defensive U20-Spielerinnen auf ihrem Zettel: Außenverteidigerin Tabea Kemme (Turbine Potsdam) und Marina Hegering (Bayer Leverkusen), die auf der Sechserposition überzeugte. Bei Hegering muss sich jedoch erst noch zeigen, ob die 21-Jährige ihre Fersenverletzung, wegen der sie die vergangene Bundesliga-Saison verpasste, endlich überstanden hat.

Im Tor käme als Angerer-Nachfolgerin naturgemäß zunächst die Nummer zwei Ursula Holl in Frage. Die derzeit noch vereinslose Torfrau ist allerdings auch bereits 29 Jahre alt. Almuth Schult (SC Bad Neuenahr), dritte Torhüterin bei der WM, scheint Neids Kandidatin für die Zukunft zu sein. Ob die talentierte Torfrau Anna Felicitas Sarholz (Turbine Potsdam) noch einmal eine Chance erhält, wie es ihr Trainer Bernd Schröder fordert, erscheint dagegen fraglich.

Ob noch mit Grings und Co. oder nicht: Die EM-Qualifikation und damit die Findungsphase für die Titelverteidigung der kontinentalen Krone beginnt am 17. September mit dem Qualifikationsspiel gegen die Schweiz.

sid

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