Zwanziger: Rücktritt schon im Frühjahr 2012

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Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger (l) und sein designierter Nachfolger, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Köln - Theo Zwanziger will sein Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereits im Frühjahr 2012 aufgeben: "Ich halte einen Termin Ende Februar oder Anfang März durchaus für realistisch."

DFB-Präsident Theo Zwanziger wird voraussichtlich bereits im Frühjahr 2012 seinen Stuhl für seinen designierten Nachfolger Wolfgang Niersbach räumen und verabschiedet sich mit verbalen Attacken gegen DFL-Chef Christian Seifert aus dem Amt. „Ich halte einen Termin Ende Februar oder Anfang März durchaus für realistisch“, sagte der 66-Jährige, der eigentlich erst im Oktober 2012 seinen Posten aufgeben wollte, im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt (Montag-Ausgabe).

Gleichzeitig nutzte Zwanziger die Gelegenheit für verbale Seitenhiebe gegen Seifert, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga, der aufgrund der zunächst angedachten langen Übergangsphase vor einem Machtvakuum gewarnt hatte.

„Herr Seifert ist ein kluger Mensch. Was ihm aber noch fehlt, ist der Respekt vor der Erfahrung und der Lebensleistung anderer, älterer Menschen. Seinen Ratschlag in dieser Sache brauchen wir nun wirklich nicht. Nicht Herr Seifert entscheidet, wann beim DFB der Wechsel erfolgt, sondern ganz allein die Amateur-Fußballverbände“, sagte Zwanziger dem Nachrichten-Magazin Focus. Von verschiedenen Seiten war der Jurist aus Altendiez als „lame duck“ (lahme Ente) bezeichnet worden.

Am 22. Dezember wird es laut Zwanziger eine Zusammenkunft mit den Vertretern der Mitgliedsverbände in Frankfurt/Main geben. „Wenn diese mit einer früheren Amtsübergabe einverstanden sind, dann können wir auch einen früheren Termin für meinen Abschied festlegen. Zumal zwischenzeitlich auch die notwendigen Gespräche mit den internationalen Verbänden geführt sind. Sie sehen, wir arbeiten auch ohne Herrn Seifert ganz unaufgeregt daran - von lahmer Ente kann also nicht die Rede sein“, äußerte der Noch-DFB-Boss.

Die Regionalverbände des Deutschen Fußball-Bundes hatten sich Anfang des Monats für DFB-Generalsekretär Niersbach (61) als neuen DFB-Boss ausgesprochen. Der von Zwanziger für das Präsidenten-Amt ins Gespräch gebrachte ehemalige Chef des Bundesligisten VfB Stuttgart, Erwin Staudt, verzichtete auf eine Kandidatur, nachdem Niersbach seine Bereitschaft signalisiert hatte.

Er habe den Oktober-Termin nur für den Fall genannt, so Zwanziger in der Welt, dass Niersbach sich nach reiflicher Überlegung erneut nicht zu einer Kandidatur durchringen könne: „Dann hätten wir eine längere Zeit gebraucht, um einen anderen Kandidaten zu bestimmen und den Landesverbänden nahezubringen. Das ist nun nach Niersbachs Zusage aber nicht mehr nötig.“

Zwanziger dementierte, dass Niersbach als DFB-Generalsekretär etwa eine halbe Million Euro im Jahr verdiene, bestätigte aber, es werde keine monetäre Aufstockung der „Aufwands-Pauschale“ für seinen Amtsnachfolger geben. „Anders geht es auch gar nicht“, sagte er dem Focus: „Der DFB wird gemeinnützig und ehrenamtlich geführt, daraus ergeben sich klare gesetzliche Regeln, die jeder einhalten muss.“ Niersbach, langjähriger Mediendirektor des DFB und zuvor SID-Fußballchef, hatte zuletzt auf der Pressekonferenz zu seiner Präsidentschaftskandidatur erklärt, er werde ehrenamtlich zur Verfügung stehen.

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Zwanziger glaubt, dass er trotz vorhandener Probleme in punkto Fan-Gewalt und Schiedsrichter-Steuer-Affäre sowie im Fall Manfred Amerell ein geordnetes DFB-Haus hinterlässt. Er scheide „mit guten Gefühlen. Weil ich den Zeitpunkt, diesen wichtigen Lebensabschnitt abzuschließen, selbst bestimme. Dieses Amt war die Krönung meiner Laufbahn“, sagte der ehemalige DFB-Schatzmeister.

Weiter ausüben möchte der DFB-Chef seine Aufgaben in den Exekutivkomitees des Weltverbandes FIFA (Amtszeit bis 2015) und der Europäischen Fußball-Union UEFA (Amtszeit bis 2013). „Mein Mandat bei der UEFA endet im Frühjahr 2013, auch deshalb ist der Wechsel im Amt des DFB-Präsidenten zeitlich richtig“, betonte Zwanziger, „bei der FIFA ist meine Aufgabe als Vorsitzender der Statutenkommission ja sowieso projektbezogen. Es geht um die Modernisierung des Weltverbandes. Dieses Projekt ist zunächst ebenfalls bis 2013 angelegt. Bis dahin will ich auf jeden Fall weitermachen.“

Eine Fortsetzung der Tätigkeit könne er sich zwar vorstellen, doch wenn gewünscht werde, „dass dann der amtierende DFB-Präsident dieses Amt übernimmt, habe ich dafür auch Verständnis“. Der Staffelwechsel zu Niersbach scheint auch in diesem Bereich programmiert.

sid

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