Zwanziger: "Löw muss unbedingt bleiben"

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Jogi Löw (l.) stößt mit Theo Zwanziger an

Frankfurt/Main - Der scheidende DFB-Boss Theo Zwanziger will unbedingt, dass Jogi Löw Bundestrainer bleibt. Er selbst verzichtet derweil auf ein prestigeträchtiges Amt und wird von der Nationalelf verabschiedet.

Theo Zwanziger kehrt dem DFB am Freitag nach mehr als 20 Jahren den Rücken, verzichtet dabei auf das Amt des Ehrenpräsidenten und will sich in Zukunft ganz auf seine Rolle beim Weltverband FIFA konzentrieren. „Ich fühle mich mit Sicherheit nicht aus dem Amt gedrängt. Dass es auch Diskussionen gab, will ich nicht verhehlen. Aber die Entscheidung war doch klar: entweder ich höre als DFB-Boss auf, oder ich trete bei der FIFA zurück. Nun werde ich meine Arbeit beim Weltverband bis 2015 fortführen“, sagte der am Freitag beim Außerordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt scheidende Präsident Zwanziger dem sid.

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

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Gleichzeitig forderte der 66-Jährige seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach dazu auf, unabhängig vom Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der EURO 2012 in Polen und der Ukraine noch lange an Bundestrainer Joachim Löw festzuhalten. „Eines muss ich ganz klar sagen: Selbst wenn mal was bei der EM sportlich nicht ganz funktioniert, muss Löw unbedingt Bundestrainer bleiben. Er ist ein absoluter Glücksfall für den DFB“, sagte Zwanziger auch mit Blick auf die schwere EM-Endrundengruppe der deutschen Mannschaft mit den Niederlanden, Portugal und Dänemark.

Löw und seine Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Oliver Bierhoff haben beim DFB noch Kontrakte bis zur WM 2014 in Brasilien. Als seinen „größten Fehler“ seiner achtjährigen Amtszeit bezeichnete Zwanziger noch einmal die vor der WM 2010 in Südafrika zunächst geplatzte Vertragsverlängerung mit Löw. „Dieser Vorfall beruhte nur auf einigen wenigen Missverständnissen. Ich habe erst nach drei Tagen zum Telefonhörer gegriffen. Das hat mir sehr leid getan. Aber wir sind gestärkt aus dieser Situation herausgegangen“, sagte Zwanziger.

Doch nicht nur der missratene „Handschlagvertrag“, auch der fehlgeschlagene Nationalmannschafts-Abschied von Ex-Kapitän Michael Ballack liegt Zwanziger noch immer schwer im Magen: „Michael konnte leider nicht über seinen Schatten springen. Das tut mir persönlich sehr leid, aber wir können es nicht ändern. Und wir können es uns auch nicht erlauben, den Verband in eine Schieflage zu bringen und Entscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw unterwandern. Es ist klug von uns, auf Löws Wort zu hören.“

Für eine weise Entscheidung scheint Zwanziger auch den kompletten Rückzug aus dem DFB-Präsidium zu halten. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Egidius Braun und Gerhard Mayer-Vorfelder verzichtet Zwanziger überraschend auf das Amt des DFB-Ehrenpräsidenten.

„Einen dritten Ehrenpräsidenten kann es nicht geben. Das schließen die DFB-Statuten aus, die ich selbst entwickelt habe. Wolfgang Niersbach hat mir zwar angeboten, die Statuten zu ändern, aber das kommt für mich nicht infrage. Es ist mir auch nicht wichtig. Zudem gehe ich nie in ein Gremium, in dem ich schon mal den Vorsitz hatte“, sagte Zwanziger.

Überraschend enthüllte Zwanziger, dass er bereits einige Monate vor seiner offiziellen Rücktrittserklärung Anfang Dezember 2011 entschieden habe, sein Amt vorzeitig aufzugeben. „Das war schon im vergangenen Sommer. Und es hing vor allem mit meiner Wahl in die Exekutive der FIFA und der daraus resultierenden Belastung zusammen. Damit habe ich ja nie gerechnet. Nicht nur, weil ich dachte, dass Franz Beckenbauer weitermacht. Ich war nach Beckenbauers Rücktritt der festen Überzeugung, dass es jemand aus der Liga macht. Aber beispielsweise ein Uli Hoeneß betrachtet die Dinge lieber von außen als von innen“, sagte Zwanziger.

Nach Gesprächen mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter am Rande der Frauen-WM sei ihm klar geworden, dass er sich ab 2012 alleine seinen zahlreichen Aufgaben beim Weltverband widmen will. „Wir arbeiten daran, eine Altersgrenze von 72 Jahren bei der FIFA durchzusetzen“, sagte Zwanziger, der mit Blick auf die Zukunft des DFB schmunzelnd anfügte: „Auch Wolfgang Niersbach muss den Fußball nicht neu erfinden. Aber er muss etwas ändern, sonst hätte ich ja auch bleiben können. Vielleicht müssen im Breitensport neue Akzente gesetzt werden. Zudem wird der Kampf gegen die Gewalt und den Rechtsradikalismus den DFB weiter begleiten, auch wenn es eine heile Welt im Fußball nie geben wird.“

Nationalmannschaft verabschiedet Präsident Zwanziger

Die deutsche Nationalmannschaft verabschiedet sich am Dienstagnachmittag von dem scheidenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Der Verbandsboss, der am Freitag auf dem Außerordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt/Main den Stab an seinen designierten Nachfolger Wolfgang Niersbach übergeben wird, erhält bei Kaffee und Kuchen im DFB-Mannschaftsquartier Parkhotel in Bremen eine Geschenk aus dem Kreis der Mannschaft sowie vom Trainer- und Betreuerstab. Zwanziger führt beim Länderspiel der DFB-Auswahl am Mittwoch im Weserstadion gegen Frankreich (20.45 Uhr/ZDF) letztmals eine Delegation der deutschen Nationalmannschaft an. „Er war ein sehr guter Präsident, mit dem wir immer vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Aber Veränderungen sind im Fußball normal. Mit Wolfgang Niersbach bekommen wir ebenfalls einen sehr guten Präsidenten“, sagte Joachim Löws Co-Trainer Hansi Flick. Und Nationalspieler Mesut Özil äußerte: „Ich bin sehr traurig, dass er aufhört.“

sid

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