Zwanziger bleibt EM-Finale fern

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Theo Zwanziger

Warschau - Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger setzt ein klares Zeichen und verzichtet auf einen Besuch des EM-Endspiels am Sonntag in Kiew.

Er bleibt fern, obwohl er noch bis Samstag als Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) an Sitzungen in der ukrainischen Hauptstadt teilnimmt. Er möchte auf Missstände im EM-Co-Gastgeberland Ukraine hinweisen. „Ich mache das auf meine Weise, indem ich mich an einer Inszenierung für den Präsidenten der Ukraine, wie es sich beim Finale zwangsläufig ergeben wird, nicht beteilige. Dies ist der Grund, warum ich auf den Finalbesuch verzichte“, sagte der Jurist im kicker-Interview.

„Vor dem Hintergrund der Vergangenheit und des aktuellen Geschehens in der Ukraine würde mir ein ungezwungener Jubel auf der Ehrentribüne doch ein wenig schwerfallen. Dies ist meine ganz persönliche Haltung, die ich niemandem aufzwingen will, aber ich wünsche mir, dass sie respektiert wird“, betonte der 67-Jährige. Am Donnerstag war Zwanziger beim EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien in Warschau Zuschauer auf der Tribüne. „Nach dem Halbfinale gegen Italien fliege ich noch in der Nacht mit der UEFA nach Kiew. Dort finden am Freitag und Samstag Sitzungen der Finanzkommission und des Exekutivkomitees statt. Dann geht es zurück nach Deutschland, und ich werde beim Finale vor dem Fernseher mitfiebern“, sagte der einstige DFB-Boss.

Zwanziger setzte sich außerdem erneut für technische Hilfsmittel im Fußball („Wenn es technische Hilfsmittel gibt, die dem Schiedsrichter helfen, eine gerechte Entscheidung zu treffen, sollte man sie zulassen“) ein und sieht weiteren Reformbedarf beim International Board des Weltverbandes FIFA. „FIFA und UEFA sind sich darin einig. Das IFAB muss transparenter werden, eine andere Zusammensetzung erfahren, die Mehrheitsbildung muss anders werden und die Öffentlichkeit schneller informiert werden über das, was dort entschieden wird. Über diese Umstrukturierung wird der FIFA-Kongress 2012 entscheiden.“

UEFA-Präsident Michel Platini favorisiert eine Torrichterlösung statt der Torlinien-Technik. Zwanziger hat einen konträren Standpunkt: „Ich vertrete die Auffassung, dass der Weg zu einer Innovation nicht mehr allzu lange blockiert werden soll. Aber mich interessiert genauso brennend, ob der Antrag der FIFA-Fußball-Kommission unter dem Vorsitz von Franz Beckenbauer Gehör findet und die Dreifachbestrafung bei Vergehen im Strafraum endlich abgeschafft wird.“

sid

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