Bayern vs. Real: Mit Besessenheit ins Finale

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Am 19. Mai steigt in der Allianz Arena das CL-Finale.

München - „Der Druck könnte nicht größer sein“, sagt Trainer Jupp Heynckes. Im Duell der Rekordmeister mit Real Madrid muss der FC Bayern im Halbfinale der Champions League seine Saison retten - und das Heim-Endspiel erreichen.

Das letzte kleine Fünkchen Hoffnung auf die Meisterschaft ist erloschen, jetzt muss im „europäischen Clasico“ gegen Real Madrid der Traum vom Heim-Endspiel am Leben erhalten werden: Der Druck auf Fußball-Rekordmeister Bayern München könnte laut Trainer Jupp Heynckes vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/Sky und Sat.1) „nicht größer sein“. Jeder einzelne Spieler, ergänzte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, müsse vom Glauben an den Sieg „besessen sein, sonst reicht es nicht“. Der verlorene Zweikampf um den Bundesliga-Titel, er wirkt noch nach an der Säbener Straße. Wie groß die Ohnmacht angesichts der Dortmunder Dominanz ist, machten die seltsamen Angriffen von Uli Hoeneß auf BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Sonntagabend bei Sky deutlich. Doch der Präsident betonte auch: „Sollten wir ins Champions-League-Finale kommen, werde ich mit Zähnen und Klauen sagen, wir haben eine super Saison gespielt - auch, wenn wir es verlieren sollten.“ Dieser Traum vom „Finale dahoam“, er bestimmt jetzt alles Tun beim FC Bayern.

Hoeneß träumt von diesem Tag, seit die UEFA München als Ausrichter bestimmt hat. Für den langjährigen Manager wäre der Triumph die Krönung seiner Zeit bei den Bayern. Anlass, die nach der jüngsten Enttäuschung geknickten Stars erneut an die Bedeutung dieses Moments zu erinnern, sieht er gleichwohl nicht. „Unsere Spieler haben im Hinterkopf: 19. Mai, Allianz Arena, da braucht man denen nicht viel zu erzählen. Ein Spieler kann nur einmal im Leben in seiner Heimatstadt in das Endspiel kommen, das ist wie bei uns mit dem WM-Finale 1974“, sagte er.

Diese Botschaft ist vor dem Duell mit der „Angriffsmaschine“ Real (Heynckes) um Weltstar Cristiano Ronaldo (53 Tore in 48 Saisonspielen) sowie die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira im Team angekommen. „Wer Angst hat, ist fehl am Platze“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Mario Gomez, mit elf Treffern zweitbester Torschütze im laufenden Wettbewerb, nennt den Traum „realisierbar“. Wie genau, darüber hat sich Heynckes vor dem Treffen mit dem Klub, den er 1998 zum siebten von neun Champions-League-Titeln geführt hatte, intensiv Gedanken gemacht. „Ich habe einen Plan, um Real zu stoppen“, versicherte er.

Sein exzentrischer Kollege Jose Mourinho verfüge zwar über einen Kader, den man „luxuriös“ nennen dürfe, „aber ich habe auch Schwachstellen entdeckt“. Die Offensive um Ronaldo, Karim Benzema und Gonzalo Higuain (107 Pflichtspieltore) wird er nicht gemeint haben. Vielmehr gilt die Abwehr auf den Außenpositionen ebenso als verwundbar wie im Zentrum. Für viele Experten liegt der Schlüssel zu Hoeneß' Wunschergebnis (2:0) aber im defensiven Mittelfeld. Auf Schweinsteiger und Luiz Gustavo käme gegen Khedira und Xabi Alonso einiges zu. Heynckes möchte „selbstbewusst nach vorne spielen. Priorität hat aber das zu null“.

Im „Clasico de Europa“, wie das Sportblatt Marca die 19. Begegnung zwischen der „Schwarzen Bestie“ (Angstgegner) und Los Merengues (Die Weißen) in Europa nannte, sieht Franz Beckenbauer indes einen leichten Vorteil beim FC Bayern. „Real Madrid ist eine fast normale Spitzenmannschaft. Die spielen Fußball wie jeder andere auch. Kompakt, aber nicht mit dieser Leichtigkeit von Barcelona“, sagte er. Eben die Leichtigkeit ging auch den Bayern zuletzt ab. Zusätzliche Schwere lastet auf den Fünf, die bei einer Gelben Karte fürs Rückspiel am 25. April gesperrt wären (Alaba, Boateng, Gustavo, Kroos und Müller).

Real kommt nach 20 Pflichtspielen ohne Niederlage mit breitester Brust nach München - aber auch mit gehörigem Respekt. „Bayern wird sehr kompliziert, sehr schwierig. Sie haben eine Mannschaft, die die Champions League gewinnen kann“, sagte Ronaldo. Auch Coach Mourinho, der den Bayern vor zwei Jahren im Endspiel in Madrid mit Inter Mailand den Titel entrissen hatte, hätte „einen leichteren Gegner bevorzugt“, wie er meinte: „Bayern hat eine große Mannschaft, sie gehört zu den besten der Welt“, sagte er.

Und auch Mourinho kennt die Geschichte: Bereits viermal traf Madrid den FC Bayern im Halbfinale der Königsklasse (1976, 1987, 2000, 2001) - dreimal kam für Real das Aus. Der Gewinner des Duells gewann übrigens mit einer Ausnahme (Bayern 1987) das anschließende Endspiel. Und wie sich der Pokal anfühlt, das könnten die Bayern ab Freitag testen. Dann bringt UEFA-Präsident Michel Platini den Henkelpott nach München. - Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Robben, Kroos, Ribery - Gomez. - Trainer: Heynckes

Madrid: Casillas - Arbeloa, Pepe, Ramos, Marcelo - Khedira, Xabi Alonso - di Maria, Özil, Ronaldo - Benzema. - Trainer: Mourinho

Schiedsrichter: Howard Webb (England)

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