DFL-Newcomer Rettig als Hoffnungsträger in der Not

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Andreas Rettig.

Augsburg - Das Thema Gewalt wird für die Deutsche Fußball Liga (DFL) zu einer der größten Herausforderungen ihres Bestehens. Zum Hoffnungsträger in der Krise könnte Andreas Rettig werden.

Hier ein Schwätzchen mit den Fans, da ein Interview fürs Fernsehen, am Ende klare Aussagen vom Podium: Andreas Rettig gab beim Fan-Gipfel in Berlin eine gute Figur ab. Der designierte Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) vermittelte geschickt zwischen den Fronten. Nach den jüngsten Krawallen der Dresdner Fans und dem neuerlichen Nein der Fan-Vertreter zum Sicherheitskonzept wird der 49-Jährige demnächst als Krisenmanager sehr gefragt sein.

„Als ich die Einladung zum Gipfel bekam, habe ich nicht lange gezögert“, sagte Rettig. Eigentlich hat der ehemalige Manager des FC Augsburg (2006 bis 2012) noch zwei Monate Urlaub, ehe er sich seiner neuen Aufgabe beim Ligaverband widmen wollte. Doch angesichts der Brisanz des Themas beendete der gebürtige Leverkusener seine Ferien und eilte gleich an die Front. In die Höhle des Löwen. Mit viel Verve und geschickter Rhetorik verhinderte Rettig ein weiteres Auseinanderdriften. Gipfel-Gastgeber Christian Arbeit: „Seine Worte gaben Hoffnung.“

Nachdem der Dialog zwischen Verbänden und Fan-Vertretern zwischenzeitlich ausgesetzt worden war, bemühte sich der DFL-Newcomer zunächst um eine moderate Annäherung und betonte clever die Übereinstimmungen beider Lager. „Es darf doch nicht so schwer sein, dass wir grundsätzlich sagen: keine Gewalt, kein Rassimus und keine Pyrotechnik“, sagte der neue Geschäftsführer, um aber auch einzuschränken: „Was der einzelne Verein dann daraus macht, liegt im Ermessen des Klubs. Was beim 1. FC Köln gelingt, muss nicht auch beim FC Augsburg etwas bringen.“

Die DFL bekräftige am Freitag erneut ihre Position zum Thema Pyrotechnik und schob jeglichen Gesprächen über die Anwendung dieser einen Riegel vor: „Angesichts der gesundheitlichen Gefahren werden Liga wie DFB nicht von der getroffenen Entscheidung abweichen“, hieß es in einer Pressemitteilung: „Wir bedauern daher ausdrücklich, dass es in dieser Frage kein Umdenken gegeben hat.“ Dem Dialog „mit den aktiven friedlichen Fans“ werde aber auch „künftig eine Bedeutung zukommen“ - er diene der „gemeinsamen Sache“.

Nachdem die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet waren, attackierte Rettig einen Gegner, der in der Debatte auch bei den Fans für Unmut sorgte - die Politik. „Ich habe in der letzten Zeit sehr viel zu diesem Thema von den Politikern in der Zeitung gelesen. Mir ist lieber, wenn sie nicht so oft in den Sportteilen auftauchen“, sagte Rettig. Die 250 Fan-Vertreter applaudierten.

Dass die Fans am Ende ihrer sechsstündigen Diskussion dann doch nicht ganz auf die Linie der Verbände einschwenkten und in ihrem Abschlussbericht das jetzige Konzept ablehnten, dürfte auch Rettig missfallen haben. Doch so weit reichte der neue Frieden dann doch nicht. In ihrer Abschlusserklärung setzten die Anhänger die DFL sogar unter Druck: „Wir erwarten von den Verbänden und Vereinen die Einbindung von Fans in den Meinungs- und Entscheidungsprozess. Diesem Prozess ist die erforderliche Zeit einzuräumen, der 12. Dezember ist aus unserer Sicht nicht einzuhalten.“

Starker Tobak für die DFL, die eigentlich bis zum 12. Dezember eine Lösung präsentieren wollte, die auf möglichst breiter Grundlage steht. Dann nämlich soll auf ihrer Mitgliederversammlung der neue Maßnahmenkatalog verabschiedet werden, um das Heft des Handelns nicht an die Politik zu verlieren. Ein schwieriges Unterfangen auch für Rettig, auf den viel Arbeit wartet.

sid

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