Zieler der einzige Neue beim DFB

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Ron-Robert Zieler ist erstmals im Kreise der Nationalmannschaft.

Hannover - Joachim Löw setzt seinen Jugendkurs auch auf der Torhüterposition fort: Der erst 22 Jahre alte Ron-Robert Zieler ist den kommenden Tagen erstmals bei der Fußball-Nationalmannschaft.

Die Fragen zur Nationalmannschaft schienen Ron-Robert Zieler fast ein wenig unangenehm zu sein. Aber der einzige Neuling in Joachim Löws Kader meisterte auch diese Aufgabe - und zwar genauso wie er als Torwart von Hannover 96 im Strafraum spielt: unspektakulär und unaufgeregt, aber sehr sicher und sehr souverän.

“Wenn man so in dem Rhythmus drin ist, dann hat man gar nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken“, sagte Zieler am Tag vor seiner erstmalige Reise zur Fußball-Nationalmannschaft an diesem Montagabend. “Ich versuche einfach, mein Ding durchzuziehen und Woche für Woche Leistung zu bringen.“ Das gelang zuletzt nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in seinen ersten beiden Europapokal-Spielen gegen Sevilla.

Zielers Aussagen hören sich wirklich nicht aufregend an, sie stimmen aber und sie passen überdies zu dem ruhigen Torwart-Talent, mit dessen Berufung Joachim Löw seinen Jugendkurs unbeirrt fortsetzt. Markige Sprüche wie von BVB-Keeper Roman Weidenfeller, der nach Zielers Nominierung offensichtlich beleidigt war, sind seine Sache jedenfalls nicht.

Viele Fußballfans dürften wie Weidenfeller überrascht gewesen sein, als der Bundestrainer den erst 22 Jahre jungen Zieler für das EM-Qualifikationsspiel am 2. September gegen Österreich und den Test vier Tage später in Danzig gegen EM-Gastgeber Polen nominierte. Schließlich hat Zieler noch nicht einmal ein Jahr Bundesliga-Erfahrung. Vor zwölf Monaten galt er bei 96 lediglich als Nummer drei.

Unvergessene Torwart-Legenden

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“Klar ist mit bewusst, dass es sehr schnell gekommen ist“, sagte Zieler vor der Reise ins DFB-Quartier am Montagabend. “Aber ich nehme das natürlich gerne an.“ Der junge Mann genießt die Karriere im Sauseschritt, ohne dabei abzuheben.

Erst zur Halbzeit der zurückliegenden Saison verdrängte Zieler bei Hannover 96 die damalige Nummer eins Florian Fromlowitz, den Nachfolger des 2009 gestorbenen Nationaltorwarts Robert Enke. Zielers Interpretation der Torhüterposition erinnert viele Fans an Enkes Art, auf dem Platz aufzutreten. Mit gutem Stellungsspiel, umsichtiger Strafraumbeherrschung und starken Reflexen überzeugt der junge Mann und verzichtet dabei auf und neben dem Platz auf alle Schnörkel.

“Er gehört mit seinen 22 Jahren zu der jungen Generation, die das moderne Torwart-Spiel verkörpert, das wir beim DFB sehen wollen“, sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, als er eine Woche vor der offiziellen Nominierung die Berufung auf der DFB-Internetseite ankündigte. Durch die Verletzung von René Adler hat Zieler nun die unerwartete Möglichkeit, sich als dritte Kraft hinter Stammtorwart Manuel Neuer und Ersatzmann Tim Wiese zu etablieren.

“Ich glaub schon, dass mich mittlerweile mehr Leute kennen“, sagte Zieler über seine neue Bekanntheit in Hannover. Das war bis zum Januar ganz anders. Nur eingefleischte 96-Fans wussten bis dahin, dass der gebürtige Kölner als 16-Jähriger zu Manchester United gewechselt war und in den Jugendteams des englischen Rekordchampions ausgebildet worden ist.

Bei DFB haben sie Zieler indes schon länger im Auge. Zieler durchlief in Deutschland alle DFB-Jugendteams von der U 16 bis zur U 20. Nun hat er sich zumindest vorläufig gegen die anderen Kandidaten wie Marc-André ter Stegen (Borussia Mönchengladbach), Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern) und Oliver Baumann (SC Freiburg) durchgesetzt. Und gegen Weidenfeller auch.

dpa

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