Zieht Schiedsrichter-Affäre noch weitere Kreise?

Berlin - Bei den Steuerermittlungen gegen Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) könnte neben dem Weltverband FIFA nun auch die UEFA ins Zwielicht geraten. Die Vrowürfe:

Spiegel online veröffentlichte am Freitag einen Beitrag, in dem von Überweisungen der UEFA an deutsche Unparteiische auf Konten im Ausland die Rede ist. Dies gehe aus einer Notiz süddeutscher Steuerfahnder hervor, die dem Online-Portal vorliegt. Erst am vergangenen Mittwoch hatte der “Spiegel“ über Honorarzahlungen der FIFA an deutsche Schiedsrichter auf ausländische Konten berichtet.

Laut Spiegel Online hätten die Fahnder konstatiert, “dass beide Fußball-Dachorganisationen die Idee, den deutschen Schiedsrichtern Honorare auf Konten im Ausland zu zahlen, verbreitet und aktiv gefördert“ hätten. Nach Einschätzung der Ermittler sei diese Praxis ein “eindeutiger Verstoß gegen die eigenen Ethik- und Compliance-Richtlinien“ der Verbände.

Die UEFA habe laut Spiegel Online die Zahlung von Honoraren auf ausländische Konten bestätigt, widerspreche aber der Deutung der Ermittler: “Kein Reglement der UEFA erwähnt, dass Schiedsrichter, die im Auftrag der UEFA tätig sind, ihr Honorar auf Konten in Ländern gezahlt bekommen sollten, in denen sie ihren Wohnsitz haben. Dennoch ist allen Schiedsrichtern sehr deutlich gemacht worden, dass sie ihre Einnahmen durch die UEFA gemäß der Regelungen in ihren jeweiligen Ländern versteuern müssen.“

Verband hält sich zu Details bedeckt

Auslöser der Ermittlungen, die am Montag in ganz Deutschland zu einer Razzia bei Schiedsrichtern führten, ist der frühere Unparteiische Manfred Amerell. Über sieben Monate belieferte Amerell Steuerfahnder mit selbstrecherchierten Daten und Hintergrund-Informationen zu internationalen Spielen seiner früheren Kollegen. Das bestätigte Amerell der Nachrichtenagentur dapd.

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Während sich der DFB in den Medien mit immer neuen Vorwürfen gegen seine Schiedsrichter konfrontiert sieht, hält sich der Verband weiter zu den Details bedeckt. Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Kontrollausschusses, Herbert Fandel, kündigte jedoch eine “vollumfängliche Aufklärung“ an. “Die Fakten werden am Ende herauskommen, das heißt, wir werden unter dem Strich alles zusammenziehen, wenn die Antworten auf die steuerlichen Fragen gegeben sind“, sagte er am Freitagnachmittag in Frankfurt am Main.

Wie die “Stuttgarter Nachrichten“ am Freitag berichteten, ist bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart eine weitere Anzeige gegen drei Schiedsrichter eingegangen. Die Namen sind der Zeitung nicht bekannt. Der DFB-Vertreter Fandel wollte sich nicht zu Details äußern, weder zur Art und der Anzahl der Vergehen, noch zum Umfang der möglichen steuerlichen Verfehlungen der Schiedsrichter. Man werde in den kommenden Wochen gemeinsam alle Dinge genau untersuchen und dann veröffentlichen.

Amerell offen für Mediationsverfahren

Eine überraschende Annäherung zeichnet sich unterdessen im Streit zwischen Amerell und dem DFB ab. Amerell hat nach einem Treffen zwischen seinen Anwälten und Bischof Wolfgang Huber am Freitag in München seine Bereitschaft signalisiert, an einem Mediationsverfahren unter der Leitung von Huber teilzunehmen. Dieser soll als Vermittler zwischen Amerell, dem DFB und Schiedsrichter Michael Kempter fungieren. Amerell und Kempter liefern sich seit Monaten gerichtliche Auseinandersetzungen.

In dem Gespräch sei “kritisch das Konfliktpotenzial in der schwelenden öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Manfred Amerell und dem Deutschen Fußball-Bund“ beleuchtet worden. Der DFB begrüßte in einer Stellungnahme, “dass Herr Amerell nun an dem von Dr. Zwanziger auf den Weg gebrachten Mediationsverfahren teilnehmen möchte“. Seinen Anwälten zufolge legt Amerell aber Wert auf die Feststellung, dass das Treffen in München “auf die Initiative des DFB-Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch sowie auf das letzte Woche geführte Sondierungsgespräch“ zurückzuführen sei.

Der Verband geht davon aus, dass “das heutige Treffen von Prof. Huber mit den Anwälten Amerells auch durch die offensichtliche Nähe von Herrn Koch zu Herrn Amerell begünstigt“ worden sei. DFB-Präsident Zwanziger hatte sich bei Koch beschwert, dass er erst über die Medien von dessen Treffen mit Amerell erfahren habe. “Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung ist es umso unverständlicher, warum Herr Koch den DFB in dieser sensiblen Angelegenheit nicht über seine Rolle informiert hat“, heißt es in der DFB-Stellungnahme weiter.

dapd

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