Wollitz-Rücktritt: Jetzt ist die Ursache klar

+
Claus-Dieter Wollitz

Cottbus - Die Fußball-Fans hatten gerätselt, wieso Claus-Dieter Wollitz am Donnerstag bei Energie Cottbus seinen Cheftrainer-Job hingeworfen hat. Jetzt kommt Licht ins Dunkel.

Neues Jahr, neues Glück, heim nach Osnabrück. Lange beschäftigungslos wird Fußballtrainer Claus-Dieter Wollitz nicht bleiben, er kehrt zurück zur Familie und zum VfL Osnabrück. Der 46-Jährige soll als Nachfolger von Uwe Fuchs in der kommenden Woche den Drittligisten übernehmen. Und er hat das schon gewusst, als er am Donnerstag für die Vereinsführung offenbar überraschend den Zweitligisten Energie Cottbus um seine Vertragsauflösung bat. Die Geschichte von Trainer-Rochaden, Heuern, Feuern und Verträgen, die so wertlos sind wie griechische Staatsanleihen, ist um ein Kapitel reicher.

“Es hat am Mittwoch wohl ein Gespräch mit Wollitz stattgefunden“, bestätigte VfL-Sprecherin Ivonne Lehnfeld mit der gebotenen Zurückhaltung der Nachrichtenagentur dapd, “die Gespräche werden am Wochenende intensiviert.“ Dann wird man sich schon einig werden. “Wenn er sich für uns entscheiden sollte, könnte Montag Vollzug gemeldet werden“, sagte Klubchef Dirk Rasch. Der Trainer selbst erklärte am Freitag der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ seine Bereitschaft: “Wenn wir uns einigen, dann könnte ich mir den 1. Januar als Dienstbeginn vorstellen.“ Er brauche noch zwei, drei Wochen Abstand.

Schon 2004 bis 2009 in Osnabrück

Der 46-Jährige war bereits zwischen 2004 und 2009 für den VfL tätig. Er ist ein Volksheld an der Bremer Brücke, schaffte 2007 mit dem Klub den Aufstieg in die Zweite Liga. Er wird sich nun freuen, “wieder Zuhause“ zu sein. Im Auswärtsspiel am Samstag bei Arminia Bielefeld werden noch die Co-Trainer Alexander Ukrow und Rolf Meyer das Team betreuen.

Die Parallelität der Ereignisse am Donnerstag in den 528 Kilometer voneinander entfernt liegenden Städten Osnabrück und Cottbus ist schon erstaunlich. Praktisch zeitgleich verkündete Wollitz in der Lausitz seinen Abschied und wurde Fuchs in Süd-Niedersachsen nach einem Gespräch mit Klubchef Rasch “freigestellt“. “Die Platzierung im unteren Mittelfeld, das unnötige Ausscheiden im NFV-Pokal, das entspricht nicht unserem Anspruch. Wir sehen keinen positiven Trend“, begründete Rasch.

In Cottbus ging die Initiative zur Trennung von Wollitz aus. Der hatte Präsident Ulrich Lepsch am Mittwochabend von seiner Absicht informiert, man darf annehmen, nach seinem Gespräch mit dem VfL. Lepsch kämpfte noch, erfolglos. “Die vergangenen Monate haben in meiner Funktion als Cheftrainer mit Managementfunktion viel Kraft gekostet“, begründete Wollitz seinen Entschluss. Außerdem sei er unzufrieden mit der Entwicklung der Mannschaft: “Für die schlechten Ergebnisse übernehme ich ganz klar die Verantwortung.“

“Kontakt zum VfL nie abgerissen“

Seit 2009 war der ehemalige Bundesligaspieler Wollitz in Cottbus tätig. Er baute das Team von einer osteuropäischen “Legionärstruppe“ zu einer jungen Mannschaft mit deutschen Talenten um. Versuchte Leidenschaft und Emotionen auch in Cottbus zu leben. Andererseits blieb der Lebensmittelpunkt der Familie mit einer behinderten Tochter immer in Osnabrück. “Der Kontakt zum VfL ist nie abgebrochen“, bestätigte Lehnfeld. Längerfristige Trennungen können auch zu Versuchungen und familiären Verwerfungen führen, da wurde möglicherweise eine Notbremse gezogen.

Platz neun belegt Energie, weit weg von den Spitzenplätzen. Doch in Cottbus führte die Suche nach einem neuen Trainer schnell zum Ziel. Nicht einmal 24 Stunden nach dem Abschied von Wollitz stand Rudi Bommer als Nachfolger fest. Der sagt dafür bei Drittligist Wacker Burghausen Ende des Jahres vorzeitig Tschüs. Bis dahin muss Co-Trainer Markus Feldhoff das Team bei den Spielen in Dresden und gegen den MSV Duisburg nach dem Schock wieder aufrichten. Nicht Wollitz' Problem - der ist dann mal weg.

dapd

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare