Der VfL Wolfsburg und die Magath-Methoden

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Felix Magath

Wolfsburg - Der VfL Wolfsburg hat schon wieder zugeschlagen und zwei spektakuläre Neuzugänge verpflichtet - doch diesmal hatte Felix Magath seine Finger nicht im Spiel.

Der VfL startet auch bei seiner Frauenfußball-Abteilung eine Transferoffensive, um in Zukunft um Titel mitzuspielen. Nach der Verpflichtung der großen Talente Alexandra Popp und Luisa Wensing vom Ligarivalen FCR Duisburg ist die Liga gespalten: Ist die „Magath-Methode“, wenn auch in weitaus kleinerem Maßstab, gut für den Frauenfußball?

„Sie sollten lieber Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs holen, statt andere Vereine zu schwächen“, sagte Bernd Schröder im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Der Trainer des Meisters Turbine Potsdam, seit 40 Jahren im Frauenfußball tätig, warnte vor Transferverhältnissen wie bei den Männern: „Die kleinen Vereine dürfen nicht zu sehr geschwächt werden, ansonsten wird es zu einseitig.“

Diese Neuzugänge würden in Felix Magaths Profil passen

Diese Neuzugänge würden in Felix Magaths Profil passen

Schröders Dauer-Rivale Siegfried Dietrich, der als Manager des 1. FFC Frankfurt ebenfalls den Ruf hat, der Konkurrenz für viel Geld die besten Spielerinnen abzuwerben, ist anderer Meinung. „Für die Attraktivität der Liga ist es gut“, sagte Dietrich: „Nach der Heim-WM gab es viele Lippenbekenntnisse, mehr in Frauenfußball zu investieren. Wolfsburg hält sich daran.“

Auch Bundestrainerin Silvia Neid begrüßt die Wolfsburger Offensive. „Wir wollen professioneller werden. Dafür braucht man nunmal ein bisschen Geld“, sagte Neid. Der größere Konkurrenzkampf werde sich auch positiv auf die Nationalmannschaft auswirken. „Am liebsten wäre es mir, wenn acht Teams um die Meisterschaft spielen“, sagte Neid.

Der Titel ist das mittelfristige Ziel der „Wölfinnen“, die schon im Sommer sieben Spielerinnen verpflichtet hatten, darunter Nationalspielerin Lena Goeßling. Ralf Kellermann, Trainer und sportlicher Leiter des Tabellenvierten, kann die Aufregung nicht verstehen. „Es ist ein ganz normaler Prozess, wenn solche Spielerinnen auf dem Markt sind“, sagte er. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, die beiden Spielerinnen Popp und Wensing von unserem Konzept zu überzeugen und unter Vertrag zu nehmen.“

Duisburg-Chef Thomas Hückels deutete jedoch an, dass weniger das Wolfsburger Konzept, sondern das Gehalt den Ausschlag gegeben hat: „Mit unserem Angebot sind wir an die Grenze des Machbaren gegangen. Die Spielerinnen haben aber mitgeteilt, dass Wolfsburg ein noch attraktiveres Gesamtangebot gemacht hat.“ Duisburgs Cheftrainer Marco Ketelaer bezeichnete die Entwicklung als „extrem bedauerlich und bedenklich“.

Wolfsburg wird die Kritik egal sein. Dank der beiden Neuzugänge könnte der Klub in Zukunft tatsächlich Potsdam, Frankfurt und Duisburg überflügeln. Vor allem die Verpflichtung der Stürmerin Popp ist ein Coup. Die 20-Jährige hat in 21 Länderspielen 14 Tore geschossen und gilt nach dem Rücktritt von Birgit Prinz als kommende Angriffsführerin in der Nationalmannschaft.

So sexy war die Frauen-WM

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Wolfsburgs Transferoffensive ist ein weiteres Zeichen der Professionalisierung. Sorgen, dass kleinere Vereine da nicht mehr Schritt halten können, hat Bundestrainerin Neid nicht: „Jeder Verein muss schauen, dass er sich weiterentwickelt und besonders im Management mit den richtigen Menschen zusammenarbeitet.“

sid

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