WM-Finale: Steinhaus als heimliche Heldin

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Bibiana Steinhaus zeigte im WM-Finale eine souveräne Leistung.

Frankfurt - Eigentlich war für Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beim WM-Finale nur eine unscheinbare Rolle vorgesehen. Doch nach dem Abpfiff wurde sie zum Mittelpunkt stehender Ovationen.

Eine Umarmung von Steffi Jones, ein kurzer Small Talk mit dem Bundespräsidenten - und dann raus mit Applaus: Für Bibiana Steinhaus und ihr Team waren nach dem Finale der Frauenfußball-WM eigentlich Nebenrollen eingeplant, doch die Zuschauer im ausverkauften Frankfurter WM-Stadion ließen die Schiedsrichterin bei der Siegerehrung nicht zur Statistin verkommen.

Noch bevor die Japanerinnen für ihren Triumph im Elfmeterschießen gegen die USA mit viel Brimborium gefeiert wurden, genoss die Polizeibeamtin aus Hannover den Beifall. Nach ihrer souveränen, wenn auch nicht ganz fehlerfreien Vorstellung strahlte Steinhaus mit ihren insgeamt vier Assistentinnen auf dem Podium um die Wette.

Kurz vor dem Anpfiff war das noch völlig anders gewesen. Bei Steinhaus war nur ein konzentrierter Tunnelblick zu erkennen - und auch während des Endspiels hatte die große Blonde mit den schwarzen Stutzen ihre Augen nicht überall. Steinhaus lag bei einer wichtigen Abseitsentscheidung falsch. Dennoch vertrat die 32-Jährige würdig die deutschen Farben anstelle der eigentlich im Finale erwarteten Titelverteidigerinnen.

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Die Spielerinnen machten es Steinhaus, die von Katrin Rafalski und Marina Wozniak an den Seitenlinien unterstützt wurde, in der ersten Hälfte aber auch nicht schwer. Die Unparteiische musste lediglich sieben harmlose Fouls vor der Pause ahnden. In der 64. Minute leistete sich das deutsche Trio dann aber einen Fehler: Steinhaus pfiff die Japanerin Shinubo Ohno zu Unrecht wegen einer angeblicher Abseitsstellung zurück. Vier Minuten später ging die USA in Führung. Doch die Fehlentscheidung von Steinhaus, die in der Nachspielzeit der Verlängerung der Japanerin Azusa Iwashimizu nach einer Notbremse zurecht die Rote Karte zeigte, blieb dank des japanischen Erfolgs ohne Folgen.

Für die Zweitliga-Schiedsrichterin Steinhaus war der Final-Einsatz der absolute Karrierehöhepunkt. „Wir Schiedsrichter sind Sportler. Und natürlich ist es immer unser Ziel, in einem Turnier so weit wie möglich zu kommen“, hatte sie vor Turnierbeginn gesagt. Damals rechnete die 32-Jährige aber nicht damit, dass die deutsche Auswahl bereits im Viertelfinale scheitern könnte. Erst das 0:1 der Deutschen gegen Japan machte den Weg für Steinhaus ins Endspiel frei.

Zuvor hatte die Unparteiische bei ihren beiden Vorrunden-Auftritten bewiesen, dass sie zu den internationalen Spitzenschiedsrichterinnen zählt. Beim Spiel zwischen den USA und Nordkorea (2:0) zeigte Steinhaus eine tadellose Vorstellung und erhielt anschließend Lob von höchster Stelle. Auch bei der Partie Brasilien gegen Äquatorial-Guinea (3:0) überzeugte Steinhaus. „Das ist ein riesiger Erfolg für sie und das deutsche Schiedsrichterwesen“, hatte Lutz Michael Fröhlich, der Leiter der Schiedsrichter-Abteilung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nach der Final-Berufung von Steinhaus gesagt. Steinhaus hat laut Fröhlich schon bei ihren internationalen Einsätzen in den Frauenwettbewerben der abgelaufenen Saison einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Die Berufung zum Endspiel-Referee dürfte die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in die Männer-Bundesliga etwas gemindert haben. Diese Entscheidung hatte die Schiedsrichter-Kommission des DFB noch vor der Frauen-WM getroffen. Zuletzt hatten sich prominente Fürsprecher für einen Einsatz der Niedersächsin in der Eliteklasse stark gemacht, setzten sich aber mit ihrer Meinung nicht durch. Steinhaus hatte gelassen auf den Verbleib im Unterhaus reagiert. Ihren Fokus wollte sie auf die WM in Deutschland legen - mit Erfolg.

SID

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