WM-Aus für Deutschland - die Stimmen zum Spiel

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Inka Grings (L-R), Bianca Schmidt und Birgit Prinz nach der Niederlage gegen Japan

Wolfsburg - Der Traum vom dritten WM-Titel ist im Viertelfinale zu Ende. Nach dem 0:1 gegen Japan sanken viele deutsche Spielerinnen unter Tränen zu Boden. Lesen Sie hier die Stimmen zum Spiel:

Konsterniert lagen und saßen die Spielerinnen auf dem Rasen, Bundestrainerin Silvia Neid blickte wie versteinert ins weite Rund: Für Deutschlands Fußball-Frauen ist der Traum vom Titel-Hattrick bei der Heim-Weltmeisterschaft geplatzt. Mit dem 0:1 (0:0) nach Verlängerung gegen Japan schied der Titelverteidiger am Samstag vor 26 067 Zuschauern in der ausverkauften Wolfsburger WM-Arena bereits im Viertelfinale aus dem Turnier aus. Karina Maruyama besiegelte mit ihrem Tor in der 108. Minute die erste deutsche WM-Niederlage seit dem 1. Juli 1999. Nach dem Spiel sagte sie: „Ich bin total glücklich. Es war lange ein zähes Spiel, am Ende haben wir aber gewonnen. Wir haben gewusst, dass es ein K.o.-Spiel ist und haben uns deshalb besonders angesterngt.“

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WM-OK-Chefin Steffi Jones fasste ihre Gefühle folgendermaßen in Worte: “Ich bin wahnsinnig traurig. Das kann man kaum in Worte fassen. Morgen sieht die Welt vielleicht schon besser aus. Als OK-Präsidentin wünsche ich mir natürlich, noch weitere tolle Spiele zu sehen - leider ohne Deutschland." Dann ergänzte sie: “Wir haben heute keine Mittel und Wege gefunden, Japan zu bezwingen. Dafür muss man Japan auch gratulieren, denn sie haben ein tolles Spiel gemacht. Ich habe keine Sorgen, dass die Stimmung kippt.“

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Auch Neid war bitter enttäuscht. “Wir haben es einfach nicht geschafft, ein Tor zu machen. Dann muss man immer mit einem Konter rechnen, und das ist heute passiert. Das ist sehr schade und sehr traurig bei einer Heim-WM“, bilanzierte die 47-Jährige, die ihren Spielerinnen wie auch DFB-Präsident Theo Zwanziger noch auf dem Rasen Trost spendete. Letzterer bilanzierte: “Das tut weh, ändert aber nichts an unserem Respekt für die Spielerinnen und für das Turnier. Das war eine große Enttäuschung, besonders für die älteren Spielerinnen, die zum letzten Mal bei einer WM waren.“

Torhüterin Nadine Angerer hatte die Niederlage auch Minuten nach dem Spiel noch nicht richtig realisiert: “Ich kann es noch gar nicht wirklich fassen. Für mich ist das alles noch surreal, was da gerade geschehen ist. Die Japanerinnen haben das ganz geschickt gemacht. Natürlich hatten sie auch Glück. Wir haben gekämpft ohne Ende, aber immer ein Bein dazwischen gehabt.“

“Ich bin saumäßig enttäuscht. An diesem Abend ist meine Karriere im DFB-Trikot geendet. Es gibt auch keine Chance, mich umzustimmen“, sagte Rekordnationalspielerin Birgit Prinz nach dem 0:1 im Viertelfinale gegen Japan im ZDF. “Ich hätte nicht gedacht, dass es heute endet und dass es auf diese Weise endet“, sagte die deutschen Rekordnationalspielerin, die das Ende ihrer Nationalmannschaftskarriere auf der Bank erlebte. Während für die Deutschen jetzt Koffer packen angesagt ist, treffen die Asiatinnen am Mittwoch in Frankfurt in der Vorschlussrunde auf den Sieger des Duells zwischen Schweden und Australien. Gewinnen die Schwedinnen, ist für die DFB-Auswahl auch der Zug zu den Olympischen Spielen 2012 in London abgefahren.

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Die flinken Asiatinnen erwiesen sich als äußerst unbequemer Gegner für die deutsche Mannschaft, die es einfach nicht verstand, aus ihrer spielerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen und die Geduld ihrer Fans damit auf eine harte Probe stellte. An mangelnder Unterstützung lag es indes nicht: Die Anhänger feuerten ihr Team bis zum Schluss leidenschaftlich an.

Häufig stellten sich die deutschen Angreiferinnen einfach auch nur ungeschickt an. In der Schlussphase der zweiten 45 Minuten zogen die Hausherren ein regelrechtes Powerplay auf, doch ein Tor wollte nicht fallen. Ob Melanie Behringer, Celia Okoyino da Mbabi oder Inka Grings - immer fehlte es im Abschluss an Präzision und Entschlossenheit. Auch die in der Verlängerung für Grings ins Spiel gekommene Alexandra Popp fand den Schlüssel zum Erfolg nicht.

Für Kim Kulig verlief der Abend in Wolfsburg besonders bitter. Die künftige Frankfurterin, die nach ihrer Pause gegen Frankreich in die Startelf zurückgekehrt war, verletzte sich schon in der 4. Minute bei einem Kopfballduell. Wie eine Kernspintomographie später ergab, zog sich die 21-Jährige einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zu. Das bestätigte der deutsche Teamarzt Bernd Lasarzewski. Kulig muss mit einer Pause von rund sechs Monaten rechnen. “Das Aus von Kim war ein Schock, das ging durch die ganze Mannschaft. Sie hat uns gefehlt“, sagte Neid.

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Die DFB-Elf knüpfte mit ihrem schwungvollen Auftakt da an, wo sie in Mönchengladbach gegen Frankreich aufgehört hatte. In der 9. Minute rettete Yukari Kinga vor der einschussbereiten Behringer, die von Kerstin Garefrekes glänzend bedient worden war. Wenig später verpasste die zweifache Turnier-Torschützin Garefrekes nach Babett Peters Freistoßflanke die Gelegenheit zum Abschluss (23.).

Nachdem das erhoffte frühe Führungstor ausgeblieben war, machten auch die Japanerinnen in der Offensive erstmals auf sich aufmerksam. Ein leichtsinniger Ballverlust von Saskia Bartusiak eröffnete Yuki Nagasato die große Chance, doch die Stürmerin von Turbine Potsdam setzte ihren Schuss überhastet neben das Tor (30.). Ansonsten hatte die deutsche Abwehr den spielstarken Gegner um die dreifache WM-Torschützin Homare Sawa vor der Pause jedoch sicher im Griff.

Im zweiten Durchgang erhöhte das deutsche Team den Druck und erarbeitete sich weitere Möglichkeiten gegen die nun härter einsteigenden Asiatinnen - doch das erlösende 1:0 wollte nicht fallen. In der 56. Minute klärte Kinga bei Laudehrs Kopfball für ihre schon geschlagene Torhüterin Ayumi Kaihori auf der Linie.

Auch das Zusammenspiel zwischen Peter und Garefrekes, das gegen Frankreich zu einem Kopfballtor geführt hatte, klappte diesmal nicht. Die Freistoßflanken der Potsdamerin fanden in der Mitte keinen Abnehmer. Eine Koproduktion von Behringer und Garefrekes führte ebenso wenig zum Erfolg (77.).

dpa/sid/dapd

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