Fehlstart für La Celeste

Jetzt muss Luis Suarez die "Urus" retten

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Auf Luis Suarez (ganz rechts) ruhen nun die Hoffnungen einer ganzen Nation.

Fortaleza - Nach der Auftakt-Pleite gegen Costa Rica steht Uruguay in der Hammergruppe D bereits mit dem Rücken zur Wand. Die Hoffnungen ruhen auf dem noch immer angeschlagenen Stürmerstar Luis Suarez.

Ein fast schon aufreizend lässiger Luis Suarez stolzierte mit dem Kulturtäschchen unterm Arm durch die Interview-Zone, zwinkerte den hektischen Journalisten zu und zeigte immer wieder den Daumen nach oben. Die „Alles-okay“-Geste des Stürmerstars a.D. wirkte reichlich deplatziert, denn nach der 1:3 (1:0)-Pleite der Uruguayer zum WM-Start gegen Costa Rica war beim zweimaligen Weltmeister überhaupt nichts in Ordnung.

Während die Costa Ricaner den völlig verdienten ersten Außenseiter-Sieg dieser WM ausgelassen feierten, erlebte La Celeste in Fortaleza ihr blaues Wunder. Die Hoffnung des fußballverrückten Landes heißt nun Suarez. Der Torschützenkönig der Premier League soll es im zweiten Gruppenspiel am Donnerstag ausgerechnet gegen England richten. Denn eines bewies der pomadige und ideenlose Auftritt deutlich: Ohne Suarez läuft bei Uruguay so gut wie nichts.

„Er ist ein exzellenter Spieler und sehr wichtig für uns“, sagte selbst Altmeister Diego Forlan: „Hoffentlich wird er zum nächsten Spiel rechtzeitig fit.“ Auch Suarez' kongenialer Sturmpartner Edinson Cavani, der nur vom Elfmeterpunkt zur 1:0-Führung (24.) traf, flehte die Rückkehr des vor drei Wochen am Knie operierten Liverpoolers herbei: „Er fehlt uns. Mit ihm sind wir alle stärker.“

Die Frage aber ist: Wie fit ist Suarez? Dass der 27-Jährige gegen Costa Rica nach dem Gegentreffer zum 1:2 nicht eingewechselt wurde, um wenigsten das Unentschieden zu retten, lässt Böses erahnen. Uruguays Trainer Oscar Tabarez mauerte: „Wenn er zeigt, dass er fit ist, dann wird er auch spielen.“

Wenn es irgendwie geht, dann wird der Rekordtorschütze gegen England auflaufen. Denn noch mehr Schonzeit für seinen Star kann sich Uruguay nicht erlauben, sonst ist es im letzten Gruppenspiel gegen Italien vielleicht schon zu spät. „Gegen England spielen wir vielleicht schon um unsere letzte Chance“, sagte Kapitän Diego Lugano.

Doch Coach Tabarez wollte nicht alles auf die Abwesenheit des „Kannibalen“ schieben. Außerdem wehrte sich der 67-Jährige gegen Kritik an seinem Defensivsystem: „In Südafrika hatte auch immer jeder Gegner mehr Ballbesitz.“ Vor vier Jahren erreichte ein enorm effektives Uruguay sogar das WM-Halbfinale - ein solcher Erfolg scheint in Brasilien außer Reichweite.

Costa Rica dagegen könnte die große Überraschung dieser WM werden. Das Team, das in der Gruppe D zuvor kaum jemand auf der Rechnung hatte, träumt nun vom zweiten Coup am Freitag gegen Italien. „Von so einem Auftakt haben wir alle geträumt“, sagte Junior Diaz. Der Mainzer Bundesliga-Profi, der den 0:1-Rückstand mit einem plumpen Foul im Strafraum eingeleitet hatte, wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: „Joel Campbell hat vielleicht sein bestes Spiel für Costa Rica gemacht.“

Der Stürmer war neben dem fehlerfreien deutschen Schiedsrichter Felix Brych (München) der besten Mann auf dem Platz. Der 21-Jährige erzielte das 1:1 selbst, legte das 3:1 mustergültig auf und war ein ständiger Unruheherd.

Seinen Treffer feierte der bullige Angreifer mit dem Ball unterm Trikot und mit dem Daumen im Mund - ein Gruß an seine schwangere Freundin. „Meine Familie ist in Brasilien, alles ist so schön“, sagte der zum „Man of the Match“ gewählte Profi des FC Arsenal.

sid

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