Einer der deutschen Hoffnungsträger

Müller: Zwischen Spaßvogel und Musterprofi

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Thomas Müller.

Santo Andre/Salvador - Bei der WM 2010 war Thomas Müller noch weitgehend unbekannt. Vier Jahre später startet er als amtierender Torschützenkönig in das Turnier. Gegen Portugal absolviert er bereits sein 50. Länderspiel.

Der Müller habe „auf alles, was ich mache, einen Spruch. Das ist schon anstrengend“, sagt Teammanager Oliver Bierhoff und grinst dabei breit. Gemeint ist Thomas Müller, 24, geboren im bayerischen Weilheim, wohnhaft in Pähl.

Vor vier Jahren war dieser Müller noch als weitgehend unbekannter Profi zur WM nach Südafrika gereist. Zurück war der damals 20-Jährige sensationell als Torschützenkönig mit fünf Treffern und bester junger Spieler gekommen. Seitdem ist der Profi von Bayern München nicht mehr nur den Experten ein Begriff. Beim Turnier in Brasilien gehört der Offensivspieler zu den großen Hoffnungsträgern von Bundestrainer Joachim Löw.

Mit seiner völlig unkonventionellen Spielweise ist Müller („Manchmal weiß ich selbst nicht, was ich als nächstes mache“) in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft längst eine feste Größe. Trotz der großen Konkurrenz scheint der Münchner auch im Auftaktspiel am Montag (18 Uhr MESZ/ARD) gegen Portugal - es ist bereits sein 50. Länderspiel - gesetzt zu sein: ob in vorderster Front oder im Mittelfeld auf der rechten Außenbahn.

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Er gehe auf dem Platz „immer voran. Auf ihn kann man sich immer verlassen“, lobte Löws Assistent Hansi Flick erst dieser Tage den 24-Jährigen. Müller sei selbstbewusst, gereift und präge viele Spiele. Dass der Ur-Bayer zudem „sehr extrovertiert und immer für einen Spaß zu haben ist“, musste Flick nicht besonders hervorheben. „Das passt zu unserer Philosophie“, meinte Bierhoff über den Vorzeigeprofi.

So sehr sich Müller auf dem Spielfeld auch für das Team einbringt und seinen Ehrgeiz auslebt, so locker und direkt gibt er sich außerhalb: hier ein Spruch, da ein Lachen, dort eine freundschaftliche Geste. Der 49-malige Nationalspieler (17 Tore) ist offen, sagt seine Meinung, geht auf die Menschen zu - ohne sich dabei verbiegen zu lassen.

Um den Kopf für die WM frei zu haben, beendete Müller mit seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung beim FC Bayern bis 2019 rechtzeitig auch jegliche Wechselspekulationen. Der FC Bayern habe ihm verdeutlicht, „dass ich hier am richtigen Ort bin“, sagte Müller, der es bisher auf 165 Bundesligaspiele und 58 Tore bringt: „Ich habe das Gefühl, ein wichtiger Bestandteil der Planungen zu sein.“

Dies hatte er zuvor kurz mal angezweifelt, da er mit seiner Stellung unter Trainer Pep Guardiola in der abgelaufenen Saison nicht immer glücklich war. Im Gegensatz zur DFB-Auswahl zählte er bei den Bayern, mit denen er in seinen jungen Jahren schon alles gewann, was es zu gewinnen gibt, nicht automatisch in allen Schlüsselspielen zur Startelf.

Er sei „nicht mehr der Typ, der sagt: Gut, jetzt habe ich hier und da eine gute Rolle gespielt, trotzdem halte ich meine Klappe, und jeder kann mit mir machen, was er will“, sagte er im Stern. Die Zeiten sind längst vorbei.

sid

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