Trainer beschwichtigt: "Keine Panik"

Italien lachenden Auges ins Verderben?

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Andrea Pirlo, Mattia Perin und Mario Balotelli waren am Samstag im Training zum Scherzen aufgelegt, trotz der ernsten Tabellenkonstellation.

Recife/Natal - Nach dem 0:1 gegen das Sensationsteam aus Costa Rica hat Italien sein erstes Finale: Gegen Uruguay geht es um alles.

Titelverteidiger Spanien raus, Altmeister England raus - und auch dem viermaligen Champion Italien droht bei der WM in Brasilien die Katastrophe. Nach dem 0:1 gegen das Sensationsteam aus Costa Rica kommen im Land des Calcio die bösen Erinnerungen an das WM-Trauma von 2010 wieder hoch.

„Keine Panik“, sagte Italiens Trainer Cesare Prandelli nach der kraftlosen Vorstellung seiner Squadra Azzurra in der Hitzeschlacht von Recife und versuchte, die aufgebrachten Tifosi zu beruhigen: „Wir werden die Scharte gegen Uruguay auswetzen. Da bin ich mir sicher.“

Auch der frühere Weltmeister Alessandro del Piero ist weiterhin vom Weiterkommen überzeugt. „Wir hatten 2006 genau die gleiche Situation“, sagte del Piero bei Radio Deejay und erinnerte an den späteren WM-Triumph seines Teams. Italien habe „fast immer im zweiten Spiel einen Durchhänger“ gehabt.

Im Vorrunden-Finale gegen die feurigen Südamerikaner um Super-Stürmer Luis Suarez stehen die Azzurri am Dienstag (18.00 Uhr MESZ/ZDF) in Natal aber mächtig unter Druck: Nur bei einem Punktgewinn bleibt den Italienern die vorzeitige Heimreise erspart. Allerdings steht ein Fragezeichen hinter Daniele de Rossi. Der Mittelfeldspieler vom AS Rom laboriert an einer Wadenverletzung und musste sich einer MRT-Untersuchung unterziehen.

„Jetzt muss die Mannschaft durchstarten und es richtig machen“, forderte die große italienische Tageszeitung La Stampa am Wochenende: „Die Frage ist nur: Wie?“ Selbst die Spieler der einst so stolzen Azzurri zweifeln plötzlich an den eigenen Qualitäten. „Es wird nicht einfach“, sagte Thiago Motta mit sorgenvoller Miene, „in Natal spielen wir schließlich wieder um diese Zeit. Das kommt den südamerikanischen Teams natürlich zugute.“

Zudem beschwerte sich der Mittelfeldspieler indirekt über die Spielansetzungen. „Wir haben einen Tag weniger als Uruguay, um uns auf die Partie am Dienstag vorzubereiten.“ Zumindest der Vorteil der besseren Tordifferenz liegt bei den Italienern, ihnen würde ein Remis gegen den punktgleichen Rivalen zum Einzug ins Achtelfinale reichen.

Doch selbst das dürfte nach dem Gruselkick von Recife schwierig werden. Im Gegensatz zum Auftaktsieg im Klassiker gegen England (2: 1) fielen die Italiener in alte Muster zurück und fanden mit ihrem statischen Spiel - meist durch die Mitte, und meist über den mit zunehmender Spieldauer immer ratloser wirkenden Andrea Pirlo - einfach keine Mittel, um die Fünferkette der Ticos in Verlegenheit zu bringen. Zudem kreierten sie nach dem Kopfball-Treffer von Bryan Ruiz (44.) keine einzige Chance zum Ausgleich.

„Es geht jetzt vor allem darum, unsere Akkus schnell wieder aufzuladen und unsere Probleme in den Griff zu bekommen“, sagte Prandelli. Die Mittagshitze von Recife wollte der „Commissario tecnico“ zwar nicht als Ausrede für den ernüchternden Auftritt seiner Elf gelten lassen, den alternden Stars um Keeper Gianluigi Buffon (36) und Spielmacher Pirlo (35) - das konnte auch Prandelli nicht von der Hand weisen - war der hohe Kräfteverschleiß aber deutlich anzumerken. Als es drauf ankam, waren die Italiener mental und körperlich platt. „Die Hitze war schlimmer als in Manaus“, stöhnte Pirlo.

In der Heimat hagelte es nach der „nicht eingeplanten Niederlage“ (Prandelli) denn auch reichlich Kritik. „Albtraum-Italien“, titelte die Gazzetta dello Sport am Wochenende. Repubblica nannte das Spiel einen „Knock-out“: „Es gibt keine Entschuldigung für das langsame und zögerliche Spiel. Die Niederlage ist mehr als verdient und bezeugt die Probleme der Prandelli-Truppe gegen nichteuropäische Teams.“ Und der Corriere dello Sport schrieb: „Italien, du Dummkopf“

Dumm auch, dass die Italiener gegen Uruguay schon wieder zur Mittagszeit ran müssen. Und die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes: Auch in Natal dürften es wieder bis zu 30 Grad geben - schlechte Voraussetzungen für ein Finale.

sid

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