Wird Ballack jetzt Trainer?

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Michael Ballack bei Uli Hoeneß' 60. Geburtstag

Berlin - Fünf Monate nach seinem letzten Bundesliga-Spiel hat Michael Ballack sein Karriereende offiziell verkündet. Was Ballack künftig macht, ist offen. Manche raten ihm zu einer Trainerkarriere.

Der Capitano geht endgültig von Bord, Michael Ballack soll dem Fußball aber als Trainer erhalten bleiben. „Ich kann ihm nur den Ratschlag geben, den Trainerschein zu machen“, sagte Rudi Völler, Sportchef von Bayer Leverkusen. Der 52-Jährige legt seinem langjährigen Schützling, den er unter anderem bei der Vize-Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan als DFB-Teamchef betreut hatte, eine Trainerkarriere ans Herz. „Die Fähigkeit und den Intellekt für den Trainerjob hat er“, hatte Völler bereits in der Sport Bild geäußert.

Per achtzeiliger Pressemitteilung seiner Anwaltskanzlei hatte sich der 36-jährige Ballack, langjähriger Kapitän der Nationalmannschaft, am Dienstag still und heimlich als „Unvollendeter“ in den Ruhestand verabschiedet und seine aktive Karriere beendet. Ballack geht als einer der besten Spieler in die deutsche Fußball-Geschichte ein, der nie einen internationalen Titel gewonnen hat.

Ein bisschen Wehmut konnte die legendäre Nummer 13 dann auch in den Zeilen zum Abschied nicht verbergen. „Mit 36 Jahren blicke ich auf eine lange und wunderbare Zeit im Profifußball zurück, von der ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte“, teilte Ballack mit: „Sicher wird es mir fehlen, nicht mehr vor 80.000 Fans zu spielen oder ein Tor zu schießen. Die letzten Monate ohne aktiven Fußball haben mir aber gezeigt, dass die Zeit reif ist, aufzuhören.“

Im Sommer war sein Vertrag bei Bayer Leverkusen nicht mehr verlängert worden. Vergeblich hatte sich „Balle“ in den letzten Wochen auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber gemacht. „Eine ganz, ganz große Karriere ist zu Ende gegangen“, betonte Völler.

98 Länderspiele hat der Capitano bestritten, den Eintritt in den Hunderter-Klub verhinderte der Streit mit Bundestrainer Joachim Löw um seinen Stellenwert in der Nationalmannschaft. Seinen letzten Auftritt mit dem Adler auf der Brust absolvierte er am 3. März 2010 in München gegen Argentinien (0:1). „Ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel in meinem Leben und danke meiner Familie und all den großartigen Menschen, die mich gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt haben. Sie alle haben großen Anteil an meinem Erfolg“, ließ Ballack mitteilen.

Was er beruflich nun anstrebt, ließ er offen. Während der EM in Polen und der Ukraine hatte er beim US-Sender ESPN als TV-Experte, eloquenter Analyst und Insider überzeugt. „Fußball war mein Leben lang ein wichtiger Bestandteil. Es ist daher unwahrscheinlich, dass ich dem Fußball komplett den Rücken kehren werde“, hatte Ballack kurz vor der EM erklärt.

Er gab sich keine Mühe, zu verbergen, dass ihm die Fußballwelt schon da fremd geworden war. Nicht zuletzt die Entmachtung in der Nationalmannschaft, in der ihn Philipp Lahm als Kapitän ablöste, machte dem „Alphatier“ Ballack schwer zu schaffen. „Zu Beginn meiner Profikarriere waren manche Dinge einfach selbstverständlich. Da gab es feste Hierarchien, auf dem Platz, aber auch im Alltag. Das gilt heutzutage nicht mehr als zeitgemäß“, sagte er.

Mit dem 1. FC Kaiserslautern (1998) und Bayern München (2003, 2005, 2006) wurde er deutscher Meister, 2010 holte er mit dem FC Chelsea seine letzten Titel (Meisterschaft und FA Cup). Doch es sind vor allem die bitteren Stunden, die hängenbleiben. Bei der WM 2002 schoss der überragende Ballack die DFB-Elf mit seinem Treffer zum 1:0 im Halbfinale gegen Co-Gastgeber Südkorea ins Finale, das er wegen einer Gelbsperre verpasste. Bei einem Konter der Asiaten hatte er sich geopfert und ein taktisches Foul begangen. Nach dem Sommermärchen 2006 verhinderte eine Verletzung 2010 seine dritte WM-Teilnahme. Kevin-Prince Boateng hatte ihn im FA-Cup-Finale gegen den FC Portsmouth brutal umgetreten.

Die Führungsriege des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) würdigte Ballacks Verdienste für die Nationalmannschaft und den Fußball allgemein. „Er war ein außergewöhnlicher Spieler, der für den DFB und den Stellenwert des gesamten deutschen Fußballs enorm viel geleistet hat“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Bundestrainer Löw nannte Ballack einen „großen Fußballer, der auf der ganzen Welt bekannt ist“. In der Nationalmannschaft habe er „Michael stets als Stütze und sehr guten Spieler mit überragenden Qualitäten schätzen gelernt“.

Davon profitierte auch der FC Chelsea. Am 21. Mai 2008 gingen Bilder des weinenden Michael Ballack um die Welt. Mit den Blues verlor er das Finale in der Königsklasse in Moskau gegen Manchester United im Elfmeterschießen und kauerte danach fassungslos im strömendem Regen auf dem Rasen im Luschniki-Stadion. Schon 2002 hatte Ballack mit Bayer Leverkusen in Glasgow gegen die Königlichen von Real Madrid ein Champions-League-Finale verloren (1:2). Im Jahr 2000 hatte sein Eigentor in Unterhaching am letzten Bundesliga-Spieltag die 0:2-Niederlage gegen die Münchner Vorstädter eingeleitet - der Werksklub verspielte damit den Titel.

Auch privat verließ ihn das Glück. Im August 2011 trennte er sich von seiner Frau Simone, mit der er die gemeinsamen Kinder Louis (11), Emilio (10) und Jordi (7) hat.

sid

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