Ribérys Équipe kämpferisch - Giroud:

"Wir sind bereit, auf dem Platz zu sterben"

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Olivier Giroud

Paris - Franck Ribéry und seine Kollegen haben die WM-Playoffs noch nicht aufgegeben. Während der Bayern-Star auf Tauchstation ist, gibt es von Olivier Giroud und Didier Deschamps deutliche Worte.

Rien ne va plus? Von wegen! Franck Ribéry und seine gedemütigten Kollegen arbeiten im nationalen Trainingszentrum Clairefontaine vor den Toren von Paris intensiv an ihrem Plan zur Last-Minute-Rettung des WM-Tickets. Der Schock des 0:2-Desasters von Kiew ist bei Frankreichs Fußball-Nationalspielern dem Trotz gewichen. Entgegen aller Untergangsszenarien und Kritik von allen Seiten soll im Rückspiel am Dienstag gegen die Ukraine das scheinbar Unmögliche geschafft und die WM-Teilnahme in Brasilien doch noch gesichert werden.

„Wir sind bereit, auf dem Platz zu sterben, um die Leute stolz zu machen, die uns unterstützen“, kündigte Arsenal-Stürmer Olivier Giroud am Sonntag bei der Pressekonferenz martialisch an. Auch der am Freitag noch ratlos wirkende Trainer Didier Deschamps gab sich wieder kämpferisch: „Wir haben die Fähigkeit, es umzudrehen. Wir müssen es machen.“

Ribéry blieb auch am Wochenende auf Tauchstation. Ein Scheitern am Dienstag im Stade de France könnte nicht nur seinen Traum von der Zuckerhut-WM zerstören, sondern sogar das Ende seiner Karriere im Trikot der Équipe tricolore bedeuten, wird in Frankreich spekuliert. Dazu darf es nicht kommen, meinen auch Alt-Internationale wie sein Ex-Kollege im Nationaltrikot und Vorgänger beim FC Bayern München, Bixente Lizarazu. Per Twitter zählte der Weltmeister von 1998 auf, was im Rückspiel notwendig sei und bislang offenbar fehlte: 1. Körperlicher Einsatz, 2. emotionale Körpersprache, 3. intelligente Taktik.

Ribéry nach Pleite bedient! Bilder aus dem Frankreich-Lager

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Statistik und Zahlen sprechen aber gegen die Franzosen. Einen 0:2-Rückstand hat in den WM-Ausscheidungsspielen noch kein Team wettmachen können. Die Ukrainer, die im Playoff 2001 am DFB-Team und 2009 an Griechenland gescheitert waren, 2006 in Deutschland aber immerhin das Viertelfinale erreichten, haben allen Grund, optimistisch zu sein. Seit einem Jahr sind sie ungeschlagen. Und seit acht Spielen ohne Gegentor.

Wenn den Deschamps-Schützlingen im Stade de France kein Triumph mit mindestens drei Toren Unterschied gelingt, werden die „Bleus“ erstmals seit 20 Jahren eine WM-Endrunde verpassen. „Alarmstufe Rot“, titelte „L'Équipe“. Noch drastischer drückte sich Gary Lineker aus. „France are in la merde“, stellte der frühere englische Nationalelf-Goalgetter im Sprachenkauderwelsch auf Twitter fest - moderat übersetzt: „Frankreich steckt im Schlamassel.“

Deschamps setzt auf die Unterstützung der Fans. Die ist aber nach Medieneinschätzung mehr als fraglich. In einer Onlineumfrage der Zeitung „Le Parisien“ erklärten mehr als 85 Prozent der Leser, sie verweigerten Ribéry & Co. nun jede Hilfe.

Nach den vielen Affären und Pleiten der jüngsten Zeit haben die Blauen jeden Kredit verspielt. Sogar Politiker stimmten in den Kritiker-Chor ein. Die ehemalige Staatssekretärin für Sport, Rama Yade, nahm sich auf Twitter Patrice Evra vor und meinte, sie hätte in Kiew auf dem Posten des Linksverteidigers besser gespielt.

In Kiew habe es ein weiteres „Desaster“ gegeben, wie die Nationalmannschaft sie zuletzt in Serie geboten habe, schrieb die Renommierzeitung „Le Figaro“ in Anspielung unter anderem auf den Trainingsstreik und das Vorrundenaus von Ribéry & Co. bei der WM 2010 in Südafrika. Für „Le Parisien“ ist alles einfach nur „zum Weinen“.

Vor 67 800 Zuschauern hatten die Gäste am Freitag zwar mehr Ballbesitz und die eine oder andere gute Torchance, insgesamt zeigten die Franzosen jedoch eine schwache Leistung. Ribéry bemühte sich immer wieder, das Spiel seines Teams anzukurbeln, aber auch er blieb unter Normalform. Nun könnte er zwar im Januar zum Weltfußballer gekürt werden - im Sommer dann aber trauriger WM-Zuschauer sein. Der Sieg der Hausherren dank der Tore von Roman Zozulia (62.) und Andrej Jarmolenko (82./Foulelfmeter) war jedenfalls hochverdient.

Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch gratulierte den Spielern in der Kabine. „Ihr habt die Hoffnungen von Millionen Fans erfüllt“, sagte er. „Jetzt sind wir mit einem Bein in Brasilien“, titelte die Zeitung „Sport Express Ukraine“. Im Rückspiel wird man zwar auf Innenverteidiger Alexander Kutscher, der wegen einer Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wurde, sowie auf Ribéry-Bewacher Artjom Fedezki (Gelbsperre) verzichten müssen. Aber die Franzosen werden wegen des Fehlens von Laurent Koscielny, der in der Nachspielzeit die Rote Karte sah, auch nicht in Bestbesetzung antreten können.

dpa

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