"Wir reisen nicht als Weltpolizei an"

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Joachim Löw

Rastatt - Bundestrainer Joachim Löw hat klar Stellung zur Menschenrechtsproblematik im EM-Gastgeberland Ukraine bezogen, sieht aber die deutsche Nationalmannchaft ausdrücklich „nicht als Weltpolizei“.

„Wenn sie mich als Bundestrainer fragen“, sagte Löw bei der Nominierung seines vorläufigen EM-Kaders in Rastatt, „sage ich, dass wir in Deutschland ein Bild geprägt haben, für was unser Fußball steht: Spaß, Freude, Integration - dafür, Menschen zusammenzubringen. Alle Spieler dürfen ihre Meinung sagen. Wir werden aber nicht als Weltpolizei in die Ukraine zur EM reisen. Wir streben vorrangig den sportlichen Erfolg an, legen den vollen Fokus auf die EM.“

Diese Aussage trennte Löw ausdrücklich von seiner persönlichen Meinung. „Wenn sie mich als Mensch fragen: Ich bin viel rumgekommen. Ich habe die tiefste Überzeugung, dass Menschenrechte eines der höchsten Güter sind. Ich identifiziere mich mit Werten wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Schutz von Minderheiten, auch einem humanitären Umgang mit Julia Timoschenko. Es ist egal, ob so etwas in Nordkorea, China oder der Ukraine passiert.“

Einen EM-Boykott hält Löw „ganz klar nicht für sinnvoll. Das Turnier ist aber eine gute Möglichkeit, dass Dinge in eine positive Richtung gelenkt werden.“

Als erster Nationalspieler hatte sich Kapitän Philipp Lahm positioniert. „Meine Ansichten zu demokratischen Grundrechten, zu Menschenrechten, zu Fragen wie persönlicher Freiheit oder Pressefreiheit finde ich in der derzeitigen politischen Situation in der Ukraine nicht wieder. Wenn ich sehe, wie das Regime Julia Timoschenko behandelt, dann hat das nichts mit meinen Vorstellungen von Demokratie zu tun“, sagte Lahm in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin Der Spiegel.

sid

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