Yah man!

Winnie Schäfer trainiert jetzt die Jamaikaner

+
Winfried Schäfer ist neuer Nationaltrainer auf Jamaika.

Kingston - Winnie Schäfer wird ein „Reggae Boy“. Der Fußball-Weltenbummler übernimmt die Nationalmannschaft Jamaikas - auf seinem ersten Foto steht er vor dem Bob-Marley-Museum.

An Volksheld Bob Marley führte für Winnie Schäfer kein Weg vorbei. Mit blauem Hemd und betont lässig posiert der 63-Jährige auf seinem ersten Foto als Nationaltrainer Jamaikas, im Hintergrund scheint die karibische Sonne auf das rot-gelb-grüne Museum der 1981 verstorbenen Reggae-Legende. „Exodus“ heißt Marleys vielleicht bestes Album, und genau das wagt nun auch Weltenbummler Schäfer. Gerade noch in Thailand, ist die Trainer-Ikone ausgezogen, um Jamaikas Fußballer noch zur WM zu führen.

Angepasst hat Schäfer sich in Windeseile, Jamaikas Flagge ist das neue Titelbild seines Facebook-Profils. „Yah man!“ kommentiert ein Fan namens „Rastafa“art BadHippie„ im typischen Jamaika-Sprech, ein anderer glaubt: `Jetzt wird Jamaika nie mehr einen Elfmeter verschießen.“ Die Erwartungen an den blonden Mann aus Deutschland, sie sind groß auf der nicht gerade für geschmeidigen Fußball bekannten Insel. Und Schäfer gibt der Hoffnung Nahrung. „Wir können die WM noch erreichen“, sagt er am Donnerstag bei seiner Vorstellung in der Hauptstadt Kingston.

Wirklich? „Ich bin nach Jamaika gekommen, weil ich glaube, dass wir es schaffen können. Alles ist möglich, also lasst es uns angehen“, sagt der Fußball-Reisende, der vom Verband zunächst als „Mr. Wilfried Schafer from Mayen“, angekündigt wurde. Sein Erfolgsrezept: „Was wir brauchen, sind 100 Prozent Fitness, taktische Disziplin und 100 Prozent Motivation. Ich werde Spieler auswählen, die stolz sind, für Jamaika zu spielen. Diese Spieler müssen glücklich sein, das Trikot ihres Landes zu tragen.“

Schwierig wird es dennoch. Nach sechs von zehn Spielen sind die „Reggae Boyz“ mit nur zwei Punkten Tabellenletzter, Honduras auf Relegationsplatz vier hat fünf Punkte Vorsprung. „Wir haben dennoch eine gute Chance, zumindest die Play-offs zu erreichen“, sagt Schäfer, der als erster deutscher Trainer den Weg nach Kingston wagt. Erst im Juni hatte er seinen Vertrag als Thailands Nationaltrainer aufgelöst und war zum Erstligisten Muangthong United aus Bangkok gewechselt, wo er nun mit einem „Thailand su su!" seinen Abschied verkündete.

An alle Fußballer: Diese Jubel müsst Ihr beherrschen!

An alle Fußballer: Diese Jubel müsst Ihr beherrschen!

Schäfers Vertrag auf Jamaika läuft allerdings zunächst nur bis November. `Danach schauen wir weiter“, sagt Verbandschef Horace Burrell, der von seinem Trainer-Coup überzeugt ist: „Wir haben ihn ausgewählt, weil er Erfahrung auf dem höchsten Level hat. Diese Erfahrung brauchen wir jetzt.“ Schäfers Gehalt übernimmt zum Teil die brasilianische Marketingagentur Traffic Sports. „Wir hätten Herrn Schäfer nicht das zahlen können, was er verdient und was er wollte. Daher bin ich froh, dass wir uns einigen konnten“, sagt Burrell.

Schäfers Pflichtspiel-Premiere steht am 6. September in Panama an, am 11. Oktober geht es gegen die USA mit Trainer Jürgen Klinsmann. Mit welchen Spielern? Mit welchem System? All das steht noch in den Sternen. „Ich kann noch nicht sagen, ob wir 4-4-2 oder 4-3-3 spielen werden. Ich muss erst die Mannschaft sehen“, so Schäfer bei seiner Vorstellung. Sein einziges Versprechen: „Ich würde nie versuchen, die jamaikanische Spielweise durch die deutsche zu ersetzen. Aber wir wollen die Mentalität ändern.“

Und wer weiß, vielleicht schafft Schäfer zwischen Reggae und Rastafari ja tatsächlich das Wunder der WM-Qualifikation. Einmal erst nahm Jamaika an einer Endrunde teil, 1998 in Frankreich schied das Team trotz eines 2:1-Sieges gegen Japan nach der Vorrunde aus. Zweifacher Torschütze damals: Theodore Whitmore, Schäfers Vorgänger als Nationaltrainer, nach dem später sogar eine Apfelsorte benannt wurde.

So viel Ehre muss es für Winfried Schäfer gar nicht sein. Wenn sein „Exodus“ erfolgreich endet, werden sie ihm auf Jamaika vielleicht einen anderen Namen geben, frei nach Bob Marleys zweitem großen Album: „Legend“.

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare