Die Ruhe vor dem Giganten-Gipfel

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Um die Bayern und den BVB ist es ruhig

München - Vor dem Giganten-Gipfel herrscht zwischen Borussia Dortmund und Bayern München lange nicht mehr erlebte Ruhe. Die Kampfansagen halten sich stark in Grenzen. Der Grund für die Ruhe ist nicht wirklich zu finden.

Die Ruhe vor dem Sturm? Anstatt das mit Spannung erwartete Duell am Mittwoch (20.00 Uhr/Sky und Liga total!) mit großen Sprüchen oder emotionalen Kampfansagen zusätzlich noch anzuheizen, halten sich Meister und Rekordmeister trotz aller Brisanz bisher vornehm zurück.
„Ich bin jetzt so lange im Geschäft, ich habe verstanden, dass man am Mikrofon keine Punkte holt. Und dass man auch durch wiederholtes Aufblähen der Backen nicht viel glaubwürdiger wird, wenn es hinterher nicht eintrifft“, sagte Dortmunds Präsident Reinhard Rauball nach dem 3:1 des BVB beim VfL Wolfsburg und brachte damit die Stimmungslage auf beiden Seiten auf den Punkt.

Luxus pur: Das Trainingszentrum des FC Bayern

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Zwar ist sowohl beim BVB als auch bei den Bayern nach zuletzt erfolgreichen Wochen und den gelungenen Generalproben das Selbstvertrauen sehr groß - dennoch lassen sich selbst die sonst so (vor)lauten Münchner nicht locken. „Wir haben ein großes Spiel vor uns, in dem die beiden besten deutschen Mannschaften aufeinandertreffen. Da ist alles möglich. Beide werden motiviert sein. Ich bin sicher, dass wir alles in die Waagschale werfen werden - und das ist einiges“, sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vorsichtig.

Bei derzeit drei Punkten Rückstand auf Dortmund stehe der FC Bayern, am Samstag 2:1-Sieger gegen den FC Augsburg, „unter größerem Druck“, führte Rummenigge weiter aus: „Bei einer Niederlage ist die Meisterschaft abgehakt. Wir haben Respekt, aber wir brauchen keine Angst zu haben.“

Bei diesem Satz hat er sich wohl mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke abgesprochen. „Wir haben extremen Respekt vor den Bayern, aber nicht im Ansatz Angst“, sagte Watzke, den die üblichen Medien-Scharmützel vor dem Schlagerspiel ebenfalls kalt lassen: „Die Spiele werden durch die Spieler gewonnen, vielleicht noch ein bisschen durch die Trainer. Mit Psychostrategien gewinnst du kein Spiel. An uns prallt es definitiv ab.“

Deshalb gefiel es Dortmunds Coach Jürgen Klopp auch nicht, dass sein Abwehrchef Mats Hummels von einer Vorentscheidung im Titelkampf sprach, sollte Dortmund auch das vierte Bundesligaspiel gegen die Bayern in Serie gewinnen. „Wir sind nicht blöd. Das ist keine Vorentscheidung. Eine Vorentscheidung hat noch nirgends im Sport eine Relevanz gehabt. Natürlich hätte ich nach dem Spiel lieber sechs Punkte Vorsprung. Aber auch dann hätte ich nicht im Ansatz das Gefühl, durch zu sein“, meinte Klopp.

Das schwere Restprogramm, die engagierten kommenden Gegner, das bevorstehende Derby gegen Schalke 04 - Klopp führte einige Gründe an. Was er allerdings nicht anführte, ist die Statistik: Noch nie hat eine Mannschaft in der Bundesliga nach dem 30. Spieltag einen Sechs-Punkte-Vorsprung verspielt.

Das wissen auch die Bayern. „Wir müssen verhindern, dass wir verlieren“, sagte Rummenigge entsprechend. Man dürfe sich deshalb in diesem „Gigantengipfel keinen Fehler erlauben, weil es sein kann, dass das dieser eine Fehler zu viel ist und du als Verlierer vom Platz gehst“.

Auch Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger wollte vor dem „Fußballfest“ von einer „Kampfansage“ nichts wissen, als er erklärte, dass die Bayern die letzten neun Spiele „in einer beeindruckenden Art und Weise“ gewonnen hätten. Dies sei nur eine „Feststellung“. Aber immer fügte er an, dass der FC Bayern „auf der Titelgeraden“ schon so selbstbewusst sei, „um zu sagen, dass wir diesen Titelendspurt für uns entscheiden“.

Dafür müsste in Dortmund aber „jeder Spieler über sich hinauswachsen“, wie Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger verdeutlichte. „Die letzten fünf Spiele werden alle verdammt schwer, und wir müssen sie alle gewinnen, nur dann werden wir Meister“, ergänzte Torjäger Mario Gomez.

Um sich konzentriert auf das Spiel der Spiele vorzubereiten, trainierten die Bayern, aber auch die Dortmunder am Ostermontag hinter verschlossenen Türen. Nur keine Ablenkung, das war die klare Botschaft - wie auch Münchens Nationalspieler Thomas Müller am Wochenende mit einem kleinen Scherz unterstrich: „Wir denken jetzt Tag für Tag. Manche wissen nicht einmal, dass gerade Ostern ist.“

sid

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