Heynckes schwärmt, Rummenigge mahnt

"Wiesn und unser Fußball - beides attraktiv"

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Vor Anpfiff gab es Musi in der Allianz Arena

München - Die Stimmung in der Münchner Arena war ausgelassen wie im Bierzelt auf dem Oktoberfest. Bayern-Trainer Jupp Heynckes sieht Parallelen. Doch Karl-Heinz Rummenigge gibt den Mahner.

Drei Tore schenkten die dominierenden Bayern dem überforderten VfL Wolfsburg ein, drei Dortmunder Gegentreffer beim 3:3 in Frankfurt wurden als besondere Schmankerl zur Wiesn-Zeit gefeiert.

„Ich denke, dass beides attraktiv ist, das Oktoberfest und unser Fußball“, erklärte Münchens Trainer Jupp Heynckes nach der Demonstration der Stärke beim 3:0 (1:0)-Erfolg. Nach der Blasmusik vor dem Anpfiff spielte danach der Fußball-Rekordmeister groß auf. „Wir hätten sicher noch mehr Tore erzielen können“, befand Heynckes.

Promi-Schaulaufen auf dem Oktoberfest

Promi-Schaulaufen auf dem Oktoberfest

25:4 Schüsse, 10:2 Ecken, 64:36 Prozent Ballbesitz - VfL-Trainer Felix Magath resignierte gleich („Die Bayern waren einfach zu stark“), die Münchner warnten sich selbst. „Wir sollten nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen“, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an seinem 57. Geburtstag. Zwar habe man einen „ordentlichen Punktevorsprung vor Borussia Dortmund“. Im Vorjahr aber waren es sogar statt der jetzt sieben Zähler schon einmal acht Punkte. „Wichtig ist, dass wir uns nicht einlullen lassen.“

„Fokussiert“, „gierig“, „unbeirrbar“ waren die Schlagworte nach dem 50. Wiesn-Heimsieg der Münchner gegen die wie bei einer Achterbahnfahrt durchgeschüttelten Wolfsburger. Bastian Schweinsteiger (24. Minute) traf zum dritten Mal in dieser Spielzeit, der Ex-Wolfsburger Mario Mandzukic (57./65.) schraubte seine Saison-Ausbeute auf fünf Liga-Tore hoch. „Egal wie viele Tore ich mache, Titel sind mir wichtiger“, sagte der Kroate. „Ich denke, das wird ein richtig gutes Jahr für die Bayern.“ Der für ihn eingewechselte Claudio Pizarro ist durch seinen 337. Einsatz nun alleiniger ausländischer Liga-Rekordspieler.

Nach zwei titellosen Spielzeiten soll unbedingt die Meisterschaft her, das spürt man bei jedem Profi nach bislang jedem Spiel. „Wir sind gewarnt von letzter Saison. Wir stehen ganz oben und da wollen wir nicht mehr weg“, sagte Kapitän Philipp Lahm und mochte sich nicht mit „irgendwelchen Statistiken“ beschäftigen. Nach fünf Siegen an fünf Spieltagen wollen die Münchner wie 1995/96 auch diesmal die ersten sieben Spiele gewinnen. Damals hieß trotz des Traumstarts der Meister aber Dortmund.

Die Schwarz-Gelben sollen Lahm & Co. nicht wieder ärgern, wie es auch in den vergangenen zwei Jahren der Fall war. Wie sehr das immer noch wurmt, war beim Jubel über die Frankfurter Tore zu merken. Dieser fiel fast lauter als der über die eigenen Treffer aus. Eine Extra-Einladung zum Bierfest gab es als Dank für die Eintracht danach nicht, „aber wenn Heribert Bruchhagen kommen möchte, ist er immer eingeladen, auch als guter Freund“, scherzte Rummenigge und kehrte bei aller Euphorie schnell zur Ernsthaftigkeit zurück. „Ich werde beidbeinig auf der Erde bleiben und nicht das Fliegen anfangen.“

Alle im Verein sollen hart für das „Hauptziel deutsche Meisterschaft“ (Rummenigge) arbeiten. Der große Konkurrenzdruck im Kader pusht alle, die Rotation bringt bislang einen Erfolg nach dem nächsten. Allerdings gab es dabei auch noch keine Probleme, denn erst wenn sich Heynckes mal verzockt oder es unzufriedene Spieler gibt, wird die Stabilität des Gebildes tatsächlich zu sehen sein. „Wenn wir Freude am Fußball haben, wird es schwer, uns zu stoppen“, betonte der reinrotierte Xherdan Shaqiri im Jubel der Spaß-Bayern.

Derzeit unverzichtbar scheint Bastian Schweinsteiger. Zwei Pfostentreffer in der Arena, in der sein Champions-League-Traum im Mai ebenfalls am Aluminium zerschellte, brachten den Mittelfeldchef nicht aus dem Konzept. Er dirigierte, führte und traf. „Bastian ist ein unglaublicher Spieler. Er hat unglaublich feine Antennen, ein Spiel zu lesen“, lobte Matthias Sammer. Der Sportvorstand freut sich, dass der Nationalspieler auch verbal „immer mehr“ in Erscheinung tritt. Durch die Interviewzone der Arene trottete Schweinsteiger wie zuletzt schweigsam und mit starrem Blick.

dpa

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