Ein Wiederholungsspiel als "Kindergeburtstag"

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Das Pokalspiel war ursprünglich abgebrochen werden

Amsterdam - Das Wiederholungsspiel im niederländischen Pokal zwischen Ajax Amsterdam und AZ Alkmaar verspricht eine besondere Atmosphäre. Holland rüstet sich auf eine Partie, wie es sie vorher wohl noch nicht gegeben hat.

Alle erwarten eine hart umkämpfte Partie, doch eigentlich ist es ein „Kinderspiel“: Wenn der niederländische Rekordmeister Ajax Amsterdam am Donnerstag (14.30 Uhr) zur Wiederholung des abgebrochenen Skandalspiels im Pokal-Achtelfinale AZ Alkmaar empfängt, wird die Stimmung in der Arena der eines überdimensionalen Kindergeburtstages ähneln. Rund 20.000 Kids im Alter bis zu zwölf Jahren werden auf den Rängen für eine völlig untypische Fußball-Atmosphäre sorgen - und dem ohnehin schon geschichtsträchtigen Spiel eine besondere Note verleihen.

Die jungen Besucher haben sich in den vergangenen Tagen im Schulunterricht gründlich auf das Ereignis vorbereitet. Ajax schickte den Klassen Infopakete, die alle Fragen beantworten sollen. Warum wird das Spiel wiederholt? Wieso werden die Kinder den Großteil der Tribünenplätze besetzen? Und was hat es mit dem Pokal überhaupt auf sich?

„Wir wollen den erzieherischen Aspekt des Spiels betonen“, teilte der niederländische Verband KNVB mit. Einen Antrag des Gastgebers, neben Kindern auch Frauen ins Stadion zu lassen, lehnte der Verband ab.

Das Besucherprofil der besonderen Art ist die Konsequenz eines handfesten Skandals im Dezember, der in ganz Europa für Aufsehen gesorgt hatte. Im ersten Duell von Meister Ajax und Tabellenführer Alkmaar drei Tage vor Heiligabend war der als Hooligan bekannte Ajax-Anhänger Wesley van W. auf das Spielfeld gestürmt und hatte Alkmaars Torwart Alvaro Esteban attackiert. Der Keeper, völlig konsterniert, wehrte den Angriff mit Fußtritten auch auf den noch am Boden liegenden Randalierer ab.

Gerade einmal 36 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt, Ajax führte 1:0. Der Schiedsrichter stellte Esteban wegen seiner Tritte mit der Roten Karte vom Platz, weshalb Alkmaars Trainer sein Team in die Kabine beorderte und eine Fortsetzung des Spiels verhinderte.

Statt des zunächst angekündigten Geisterspiels lässt der Verband nun immerhin Kinder und pro Sechsergruppe eine Begleitperson zu. Wegen der großen Nachfrage wurde die Anzahl der Freikarten von 14. 000 auf 20.000 erhöht. Innerhalb von zwanzig Minuten waren die Tickets vergeben. Und für die Kinder heißt es nun Fußball statt Schule.

Damit das Spiel für die jungen Zuschauer im geeignete Rahmen stattfindet, trifft auch der Stadion-DJ besondere Vorbereitungen. Statt der bekannten Party-Songs packt er die CDs mit altersgerechter Musik ein. Zudem werden im Rahmen der Partie spezielle Kinderaktivitäten angeboten.

Die Profis auf dem Rasen dürfen gespannt sein, welche Form von Unterstützung sie erhalten werden. Fakt ist, dass ihnen definitiv keine lange Erholungszeit vom möglichen Kindergeschrei gewährt wird. Bereits am Sonntag treffen beide Mannschaften zum Rückrundenauftakt in der Liga erneut aufeinander. Dann in Alkmaar. Und dann wieder vor einer echten Fußball-Kulisse.

sid

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