"Wegen solcher Spiele lieben wir unseren Beruf"

+
Thomas Müller

München - Topmotiviert und konzentriert zeigen sich die Bayern-Stars vor dem Gastspiel beim SSC Neapel. Doch auf einen Spieler sollten sie besonders Acht geben.

Heißblütige Tifosi, kühle Bayern: Der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München will seine Rekordjagd auch im berüchtigten Hexenkessel „San Paolo“ fortsetzen. Nach dem Spaziergang durch die Bundesliga stehen die Münchner am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) in der Champions League beim SSC Neapel vor der wohl größten Herausforderung der bisherigen Saison - aber auch im 13. Spiel in Folge soll die Null stehen. „Wir genießen diese Phase und arbeiten daran, dass es lange so bleibt“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug am Montag nach Süditalien.

Dass die beeindruckende Serie auch weiter Bestand hat, daran zweifelt bei den Bayern derzeit niemand so recht. „Wir werden gewinnen, denke ich. Wegen solcher Spiele lieben wir unseren Beruf“, betonte Nationalspieler Thomas Müller, angesprochen auf die besonders hitzige Atmosphäre am Fuße des Vesuv.

Auch Kapitän Philipp Lahm demonstrierte nach inzwischen 1108 Minuten ohne Gegentreffer das derzeit scheinbar unerschütterliche Selbstvertrauen des souveränen Bundesliga-Tabellenführers. „Es kann gerne so weitergehen. Wir fahren da hin, um zu gewinnen. Es ist entscheidend, was wir in der Champions League machen. Das registrieren alle anderen Mannschaften in Europa auch“, meinte Lahm. „Wir können uns derzeit nur selbst schlagen“, fügte Bastian Schweinsteiger an.

Thomas Müller von A bis Z

Thomas Müller von A bis Z

Allerdings dürfte es der SSC Neapel den Bayern nicht ganz so leicht machen wie zuletzt Hertha BSC Berlin. Für Italien-Kenner Rummenigge ist Neapel mit seinem „heißblütigen, aber nicht feindseligen Fans“ derzeit sogar „die stärkste italienische Mannschaft“. Daran würde auch das 1:2 bei der Generalprobe am Wochenende gegen Parma nichts ändern.

„Vielleicht hatten sie den Fokus schon auf die Champions League gerichtet, so etwas hatten wir ja auch schon. Wir dürfen sie unter keinen Umständen unterschätzen“, warnte der Bayern-Boss. Der SSC sei „keine typisch italienische Mannschaft. Das wird für unsere Defensive sicher ein hartes Stück Arbeit.“

Davon geht auch Rekord-Torwart Manuel Neuer aus, der beim 4:0 gegen Hertha nahezu beschäftigungslos war. „Das wird sich diesmal sicher ändern“, meinte der Nationalkeeper. Der von allen Seiten hoch gelobte Erfolgstrainer Jupp Heynckes erwartet deshalb eine weitere Leistungssteigerung: „Napoli spielt sehr emotional, da müssen wir noch ein bisschen dazupacken.“ Zumal der SSC seit seiner Rückkehr auf die europäische Bühne 2008 keines der neun Heimspiele verloren hat und dabei seit sechs Spielen ohne Gegentor ist.

Besonderes Augenmerk müssen die Bayern auf Edinson Cavani legen. Der Stürmer ist seit den großen Zeiten von Diego Maradona Ende der 80er-Jahre der größte Star des SSC und wird schon mit dem argentinischen Ausnahmekönner verglichen, der beim letzten Duell der beiden Teams im UEFA-Cup-Halbfinale 1989 laut Rummenigge „eine große Show“ ablieferte und maßgeblichen Anteil am Finaleinzug von Neapel (2:0/2:2) hatte. Damals war übrigens Heynckes das erste Mal Trainer der Bayern.

Gut 22 Jahre später sind die Münchner vom Halbfinale in der Champions League noch weit entfernt. Der Blick der Bayern, deren großer Traum das Endspiel am 19. Mai 2012 in München ist, geht aber immer wieder nach vorne. „Wenn wir ausreichend Punkte gegen Neapel holen, haben wir beste Voraussetzungen. Wenn wir Gruppenerster werden, könnten wir den ganz Großen erst einmal aus dem Weg gehen“, sagte Rummenigge angesichts des Spiels am Dienstag und des folgenden Heimspiels am 2. November gegen die Italiener.

Bisher haben die Bayern in der Gruppe A nach Siegen beim FC Villarreal (2:0) und gegen Manchester City (2:0) eine optimale Ausgangslage. Neapel liegt mit vier Zählern in Lauerstellung. Das Duell mit dem deutschen Rekordmeister werde nun zeigen, so SSC-Coach Walter Mazzari, „wo wir uns international wirklich einordnen können“. Die Münchner sieht er als Gegner „von außergewöhnlichem Niveau“.

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare