Verhältnis etwas abgekühlt

Bayern und BVB: Irritationen und kein Mittagessen

Dortmund - Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund hat erklärt, dass das einst so gute Verhältnis zum Champions-League-Endspielgegner Bayern München in den letzten Wochen erheblich gelitten habe.

Kein gemeinsames Mittagessen, nur ein kühler Handschlag und reichlich Irritationen: Nach der kollektiven Champions-League-Euphorie hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund die Stimmung vor dem prestigeträchtigen Bundesliga-Duell mit Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) angeheizt.

Watzke machte keinen Hehl daraus, dass das einst so gute Verhältnis zum Champions-League-Endspielgegner aus München in den letzten Wochen erheblich gelitten habe. „Ich habe immer mit sehr viel Respekt und Bewunderung von den Bayern gesprochen. Das ist ein bisschen abgekühlt. Es hat ein paar Irritationen gegeben“, sagte der 53-Jährige und spielte auf den Transfer von Dortmunds Mario Götze zu den Müchnern an. Der Nationalspieler, der wegen eines Muskelfaserrisses zumindest für die anstehende Begegnung gegen seinen künftigen Klub ausfällt, wird nach der Saison für 37 Millionen Euro zum Rekordmeister wechseln.

Watzke bestätigte, dass es am Samstag vor der Bundesliga-Partie - anders als üblich - kein gemeinsames Mittagessen mit der Gäste-Delegation geben werde. „Redebedarf hätte es schon vor Wochen gegeben“, merkte der Dortmunder Funktionär kritisch an. Man werde die Vertreter der Bayern aber „per Handschlag“ begrüßen. „Es ist keine Feindschaft“, sagte Watzke weiter und bezeichnete den Status Quo zwischen den Klubs immerhin als „absolut arbeitsfähig“. Er appellierte zudem an die eigenen Fans, das Ganze „sportlich“ auszutragen.

Die Coaches der Klubs machten indes deutlich, dass sie bei der Liga-Generalprobe für das Endspiel in der Königsklasse am 25. Mai in London kein echtes Kräftemessen der Giganten erwarten. „Ich denke, beide Trainer werden ihre Schäflein erst einmal zusammenholen und sehen, wer hat noch Gasolina, wer hat noch Kraft. Deshalb hat das Spiel am Samstag überhaupt keine Aussagekraft“, sagte Bayern-Coach Jupp Heynckes.

Auch für seinen Kollegen Jürgen Klopp hat das anstehende Duell nicht den höchsten Stellenwert. „Es ist kein Charaktertest. Es ist einfach nur ein Spiel, das wir sehr, sehr gerne spielen, weil wir uns nach einem großartigen Abend unseren Fans zeigen wollen“, erklärte der 45-Jährige, der aber dennoch versprach: „Die Jungs werden laufen wie die Hasen.“ An die Adresse des Tabellenführers richtete Klopp dann aber noch folgende Einschätzung: „Es ist nicht möglich, uns für das Finale zu erschrecken. Wir haben danach drei Wochen Zeit, um uns von was auch immer zu erholen.“

Für Karl-Heinz Rummenigge, den Vorstandsvorsitzenden der Bayern, ist die Partie am 32. Spieltag „ein ganz leichtes Auswärtsspiel. Ihr braucht Euch nicht vorbereiten, lasst es krachen - wir sind schon deutscher Meister“, rief er den Spielern beim Siegerbankett nach dem beeindruckenden 3:0 im Halbfinal-Rückspiel beim FC Barcelona zu.

Heynckes räumte immerhin ein, dass „es von Dortmunder Seite mehr Ressentiments“ geben könne, weil der Götze-Transfer eine Rolle spiele. Doch: „Wir können noch mehr Punkte sammeln, aber wir sind ja schon deutscher Meister. Noch nie hat eine Mannschaft so attraktiv und erfolgreich Fußball gespielt wie wir. Und unser Weg ist noch nicht zuende.“

Die Bayern reisen selbstbewusst zum Rivalen. Ende Februar hat die Heynckes-Elf endlich den Fluch beendet und Dortmund im Viertelfinale des DFB-Pokals (1:0) bezwungen. Zwei Jahre voller Enttäuschungen und Demütigungen durch den BVB waren beim FCB in diesem Augenblick voller Glück und Emotionen vergessen. „Die Verhältnisse im deutschen Fußball sind eindeutig wieder geklärt“, hatte damals der erleichterte Bayern-Präsident Uli Hoeneß gesagt.

sid

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