Warum stürzt die Fortuna derart ab?

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Oliver Fink (l.) mit Maximilian Beister

Düsseldorf - Fortuna Düsseldorf hat die beste Hinrunde in der Zweitliga-Geschichte gespielt. Seitdem aber kommt fast nichts mehr, und alle rätseln, warum.

Wenn der Bleistift um die Bierdeckel tanzt, ist ein Gesprächsthema schnell gefunden. In Düsseldorf, das von sich behauptet, die „längste Theke der Welt“ zu besitzen, geht es leidenschaftlich zu und nicht immer ganz fair. War doch klar, behaupten die einen, wann sei denn Fortuna mal nicht am Ende tragisch gescheitert? Die anderen sagen dann, es sei der Trainer schuld. Oder es waren die Spieler. Die „Holzfüße“ da vorne. Die Schiedsrichter. Oder - wer sonst? - die Kölner.

Es ist eben fast unerklärlich, was der Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf da gerade anstellt. Die beste Hinrunde der Zweitliga-Geschichte haben die Rheinländer gespielt, von sich selbst berauscht fast jeden Gegner weggeräumt. 41 Punkte standen nach 17 Spielen auf der Habenseite, ein Schnitt von 2,41 Punkten. Und was dann? „Fortuna killt die Aufstiegseuphorie mit einer Voll-Blamage endgültig“, schrieb das Boulevardblatt Express nach dem 1:2 (0:1) beim Kellerkind Hansa Rostock am Donnerstagabend.

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Trainer Norbert Meier hätte ein Altbier danach wohl gutgetan. „Mir brennen viele Fragen auf der Zunge“, sagte er, „es klaffen Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Das Team müsse sich „bei den Fans entschuldigen“, die den langen Weg nach Rostock auf sich genommen hatten.

800 Mitgereiste waren es, und sie hatten wieder das Rückrundengesicht der Fortuna gesehen. Inspirationslos, ohne Mittel, selbst biedere Abwehrreihen zu knacken, während der Gegner immer gleich die erste Torchance versenkt. So geht das schon seit vielen Wochen. 13 Punkte aus 12 Spielen lautet die Bilanz in der Rückrunde, 14 weniger als die SpVgg Greuther Fürth, im Schnitt 1,08 Punkte. Der Elfmeter, den Ranisav Jovanovic noch verschoss, „passt ins Bild“, wie Reizfigur Sascha Rösler sagte: „Es läuft momentan bei uns einfach nicht.“

Die Gründe sind vielfältig, und sie haben auch mit Rösler zu tun. Der streitbare Routinier stand auch in der Hinrunde schon unter Dauerstrom, wirkt aber wie ein Flegel, seit seine Meckereien und Unsportlichkeiten nicht mehr mit Traumtoren übertüncht werden. Maximilian Beister, der überragende Spieler der Hinrunde, ist nur ein Schatten seiner selbst, seit er sich dazu bekannt hat, am Saisonende zum Bundesligisten Hamburger SV zurückzukehren.

Zwei Spieler, die die Fortuna getragen haben - wenn sie zu wenig bringen, steht eine Mannschaft auf dem Platz, die mittelmäßig ist. Neunmal erzielte in der Rückrunde bereits der Gegner das erste Tor. Somit bleibt fraglich, ob die Düsseldorfer in einer Spielzeit, die ihnen finanzielle Sanierung bringen wird, auch den ersten Bundesliga-Aufstieg seit 1995 schaffen können. Verfolger FC St. Pauli kann den zweimaligen Pokalsieger am Sonntag vom dritten Platz verdrängen.

Mancher Fan fragt sich nun, ob der Aufstieg überhaupt wünschenswert ist. Beister (HSV), Rösler (zu alt?) und vor allem Assani Lukimya (1. FC Köln!), bester Innenverteidiger der 2. Liga, würden wohl nicht mehr den Kampf um den Klassenerhalt aufnehmen. Gibt es einen falschen Moment, um aufzusteigen? Noch so eine Diskussion für bierselige Runden.

Noch allerdings ist nichts verloren, die Relegation ist das Ziel. Dort könnte es zu folgenden Duellen kommen: F95 gegen den HSV (künftiger Klub von Beister), den 1. FC Köln (Lukimya) oder auch den FC Augsburg. Vom FCA holt die Fortuna einen ehemaligen Publikumsliebling zurück: Axel Bellinghausen, der für Düsseldorf bereits in der 4. Liga gespielt hat. Die Euphorie ist dennoch erst einmal dahin.

sid

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