Warum Portugal angeschlagen ist

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Cristiano Ronaldo

Lwiw - Von den Helden zu den Sorgenkindern einer ganzen Nation: Nicht einmal Superstar Cristiano Ronaldo hat den gewaltigen Stimmungsumschwung bei den Portugiesen kurz vor Beginn dieser Fußball-EM verhindern können.

Wenn die Mannschaft um den exzentrischen Torjäger von Real Madrid am Samstag (20.45 Uhr/ARD) in Lwiw auf Deutschland trifft, dann spielt sie nicht nur gegen einen „großartigen Gegner“ (Ronaldo), sondern auch gegen teils massive Kritik und immer größer gewordene Zweifel in ihrer Heimat an.

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Ronaldo selbst hat diesen Stimmungswandel eher ungewollt kurz vor dem Abflug seines Teams am Freitagmorgen nach Lwiw zum Ausdruck gebracht. Noch Anfang Mai hatte er selbstbewusst verkündet: „Wir fahren mit nur einem Ziel zur EURO: um sie zu gewinnen.“ Vor dem Deutschland-Spiel sagte er nur noch vergleichsweise kleinlaut: „Wir werden alles geben, um gut ins Turnier zu kommen.“

Es sind nicht nur die enttäuschenden Testspiele gegen Mazedonien (0:0) und die Türkei (1:3), die Beobachter an dieser Selecção zweifeln lassen. Die vier Tage, die sie bislang in ihrem EM-Quartier in der Nähe von Posen verbrachte, haben den schwachen Leistungen der Vorwochen auch nicht viel Aufbauendes entgegengesetzt. Ohne jede Körperspannung spulten die Portugiesen ihr Training ab. Hinter vorgehaltener Hand erzählen selbst Mitarbeiter des Verbandes, dass diese Mannschaft zwar ähnlich starke Einzelkönner, aber keinen so guten Teamgeist wie die Goldene Generation um Luis Figo habe.

Die Spieler selbst reagieren unterschiedlich auf die schlechte Stimmungslage. Ausgerechnet Ronaldo, dieser sonst so selbstbewusste Ausnahmespieler, richtet sich auf einmal in einer Außenseiterrolle ein. „Portugal ist kein Favorit. Der Druck liegt bei den Deutschen“, sagte er. Andere wie Bruno Alves versuchen es mit Trotz. „Diese portugiesische Mannschaft hat vor niemandem Angst. Um selbst der Beste zu werden, muss man die Besten schlagen“, meinte der kantige Verteidiger von Zenit St. Petersburg vor dem Deutschland-Spiel.

Maßlos übertrieben ist diese Aussage nicht. Denn bei aller Kritik hat Portugal noch immer eine Mannschaft, die den Deutschen weh tun und vor allem ihre Schwachstellen nutzen kann. Die Besetzung zumindest einer Außenverteidiger-Position bereitet Joachim Löw ohnehin schon genug Sorgen. Die Aussicht, beide Flügel auch noch gegen die enorm explosiven Nani (Manchester United) und Ronaldo verteidigen zu müssen, wird den Bundestrainer kaum beruhigen.

Auch im Mittelfeld ist die Selecção mit Raul Meireles vom FC Chelsea und Joao Moutinho vom FC Porto äußerst lauf- und kampfstark besetzt. In diesem Bereich ist auch noch die einzig vakante Position zu vergeben. Seit Tagen rätseln die portugiesischen Medien darüber, ob Trainer Paulo Bento unmittelbar vor der Abwehr eher den formstarken Custódio von Sporting Braga oder seinen eigentlichen Lieblingsschüler Miguel Veloso (CFC Genua) aufstellen wird.

Bento selbst hat sich dazu noch nicht geäußert, wie ihn überhaupt in den vergangenen Tagen nichts aus seiner Ruhe gebracht zu haben schien. Das Training schaute er sich meist als stiller Beobachter an, die Strategie für den Samstag steht für ihn schon lange fest. „Wenn du gegen ein Team wie Deutschland eine Chance haben willst, musst du perfekt organisiert sein“, erklärte der 42-Jährige. „Wenn du nur verteidigen willst, wirst du nie ein gutes Resultat erreichen. Wir müssen stark, aggressiv und unangenehm sein.“ Und damit genau das zeigen, was den Portugiesen zuletzt so gefehlt hat.

dpa

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