"Wahnsinn, den zu pfeifen"

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Für einen scheinbar normalen Zweikampf zwischen Maza und Nicolai Müller bekamen die Mainzer einen Elfmeter - sogar deren Coach Thomas Tuchel wunderte sich

Mainz - Der FSV Mainz 05 stoppte mit einem 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart seine Talfahrt. Im Mittelpunkt der Kritik stand wegen eines Elfmeterpfiffs und zwei Platzverweisen Schiedsrichter Guido Winkmann.

Als Matchwinner Anthony Ujah gemeinsam mit den Mainzer Fans und per Megaphon die Humba anstimmte, bekam Guido Winkmann in den Stadionkatakomben bereits den Marsch geblasen. Die vernichtende Kritik an dem schwach pfeifenden Schiedsrichter aus Kerken brachte Trainer Bruno Labbadia vom VfB Stuttgart nach dem 1: 3 (0:0) beim FSV Mainz 05 am deutlichsten auf den Punkt.

„Wir haben von der ersten Minute an gegen zwölf Mann gespielt“, sagte Labbadia über den Polizeibeamten Winkmann, dem er unmittelbar nach dem Abpfiff schon auf dem Spielfeld persönlich die Meinung gegeigt hatte: „Jeder Mensch kann Fehler machen, aber er hat heute des öfteren welche gemacht.“

Stuttgarts Antreiber Martin Harnik forderte nach der „Ein-Mann-Show“ (VfB-Torhüter Sven Ulreich) des Referees indirekt sogar den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Handeln auf: „Man sollte hinterfragen, was mit dem Schiedsrichter los war“, sagte der Österreicher. Selbst FSV-Coach Thomas Tuchel, der sich zuletzt mit einigen Unparteiischen angelegt hatte, konnte den Unmut der Schwaben „zu hundert Prozent“ nachvollziehen.

Im Mittelpunkt der Kritik stand neben den fragwürdigen Platzverweisen gegen den Mainzer Eugen Polanski (83.) und Stuttgarts Maza nach dem Schlusspfiff besonders der Elfmeterpfiff gegen die Gäste in der 59. Minute. „Das war ein Wahnsinn, den zu pfeifen. Aber es passte zur Leistung des Schiris“, sagte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic, nachdem Winkmann einen harmlosen Rempler von Verteidiger Maza gegen FSV-Stürmer Nicolai Müller als elfmeterwürdig eingestuft hatte.

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„Sogar Müller wollte weiterspielen und hat gar nicht mit einem Pfiff gerechnet“, behauptete Harnik. Andreas Ivanschitz verwandelte das „Geschenk“ zum vorentscheidenden 2:1 für die zuvor in neun Partien sieglosen Mainzer, denen Ujah mit seinen ersten beiden Treffern (53./64.) den ersten Heimerfolg nach 89 Tagen bescherte.

Eine besondere Note bekam die Szene des Abends durch die Tatsache, dass Tuchel den Referees in den vergangenen Wochen immer wieder eine Benachteiligung seiner Mannschaft vorgeworfen hatte. Ob der überraschende Elfmeterpfiff Winkmanns nun eine unbewusste Reaktion auf die Schelte war? „Ich glaube nicht, dass das einen Einfluss hatte“, sagte Tuchel - und schmunzelte verlegen.

Den Stuttgartern, die Cacau (50.) sogar in Führung gebracht hatte, war auch Stunden nach der bitteren Niederlage nicht zum Lachen zumute. Zumal sie sich ihrerseits um einen Elfmeter betrogen fühlten. Nur vier Minuten vor dem Strafstoß für Mainz blieb die Pfeife von Winkmann nach einem Zusammenprall von FSV-Keeper Christian Wetklo mit Shinji Okazaki stumm. Labbadia zweifelt deshalb sogar am Sinn von Fair Play. „Ich sage den Spielern immer, sie sollen sich nicht fallen lassen. Aber anscheinend bekommt man erst einen Elfer, wenn man sich auch fallen lässt“, sagte der einstige Bundesliga-Profi.

Labbadia hielt auch die Gelb-Rote Karte gegen Maza nach dem Abpfiff für eine krasse Fehlentscheidung. Der Mexikaner soll in Richtung des Unparteiischen gemeckert haben. „Das kann Maza gar nicht. Außerdem stand ich daneben, er hat nichts gesagt“, sagte der VfB-Coach.

Nach seinen ersten beiden Ligatreffern fühlte sich Doppeltorschütze Ujah indes wie „in einem Traum“. Der 21-jährige Nigerianer war erst vor der Saison für 2,5 Millionen Euro vom norwegischen Erstligisten Lilleström SK, für den er in 36 Spielen 27 Treffer erzielte, nach Rheinhessen gewechselt. „Anthony musste in den vergangenen Monaten viel lernen. Aber jetzt hat er die Antennen draußen und hat sich verdient von den Fans abfeiern lassen“, lobte Tuchel seine Nummer 13.

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