"Die WAGS sind da!"

Vorhang auf für Shakira und Co.

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Popstar Shakira ist mit dem spanischen Akteur Gerard Pique liiert.

Warschau/Kiew - Sie gelten als Anhängsel, das gerne belächelt wird, und doch sind sie der Traum der Regenbogenpresse - die WAGS - besser bekannt als "Wives and Girlfriends".

Die Mutter aller WAGS hat es hinter sich. Victoria Beckham plant im fernen Los Angeles eine opulente Party zum ersten Geburtstag ihrer Tochter Harper - der Abteilung „Wives and Girlfriends“ gehört sie nicht mehr an. Bei der EM in Polen und der Ukraine gibt es aber bereits eine würdige Nachfolgerin: Pop-Weltstar Shakira warf Spaniens Weltmeister Gerard Pique mit ihrem breitesten Lächeln am Donnerstag in Danzig Kusshändchen zu. Die Kameras klickten wie wild.

Doch die bieg- und anschmiegsame Kolumbianerin ist nicht die einzige Spielerfreundin, die für Aufsehen sorgt. „Die WAGS sind da! „, jubelte die englische Presse in dieser Woche erleichtert, als die Damen endlich bei den Three Lions anstöckelten. Skandale, Schlagzeilen über Hausbesuche, die Farbe der Wimperntusche und sündhaft teure Handtaschen - Es kann losgehen.

Vorhang auf für die "WAGS" - die Spielerfrauen der EM-Stars

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Denn die WAGS haben auf der Insel Kultstatus, wenngleich nicht alle dies genießen. „Ich sehe mich selbst nicht als WAG an. Ich bin einfach ich selbst. Da gibt es zwar dieses bestimmte Bild von den Spielerfrauen. Doch ich weiß gar nicht, ob das überhaupt noch aktuell ist“, sagt Melanie Sade, die Freundin des englischen Nationalspielers Theo Walcott.

Doch das Bild ist in der Tat aktuell, besonders im Mutterland des Fußballs. Denn England ist der Ursprung des Phänomens WAG, Victoria Beckham und ihr nicht weniger glamouröser Gatte David haben sich erst in letzter Zeit ein wenig von den Titelseiten entfernt. Dafür gab es die Fernsehserie „Footballers wife“, in der Mädchen von einer Karriere auf der Familientribüne träumen. Eben frei nach Mehmet Scholl: Im nächsten Leben will ich Spielerfrau werden.

Die WAG-Queen auf der Insel ist Coleen Rooney. Ein Traum für die Boulevard-Geschütze Sun und Daily Mirror, die so gerne alle Klischees rauf und runter bedienen - oder konstruieren: Jung, schön, im Zweifel dumm und lediglich dank des Mannes verdammt reich und berühmt, so muss es sein. Oder wirken.

Coleen gehört zu den Spielerfrauen, die ihren Status offensichtlich genießen. Schon bei der WM 2006 in Deutschland war die Tochter eines Maurers aus Liverpool dabei, als sich die englischen Frauen eigens zu einer ausgedehnten Shopping-Tour nach Baden-Baden einfliegen ließen. Ähnliche Geschichten sind aus Krakau, Warschau oder Kiew noch nicht überliefert.

Dafür rücken andere Spielerfrauen in den Vordergrund. Auch in den deutschen Reihen tauchen 20 Jahre nach Bianca Illgner und Martina Effenberg neue Gesichter auf. Sarah Brandner und Lena Gercke sind zwei Beispiele. Doch obwohl die beiden Models die Vorzüge ihrer Beziehungen mit Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira kennen und nutzen, fällt die Berichterstattung im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen gemäßigt aus.

Für das positivere Bild ist aus Sicht von Autorin Christine Eisenbeis, die ein Buch über Spielerfrauen geschrieben hat, besonders ein Grund verantwortlich: „Die WM 2006 war dabei ein Meilenstein, als Storys über die Spielerfrauen nicht nur im Boulevard, sondern auch in seriösen Magazinen auftauchten“, sagt Eisenbeis, doch fügt gleich hinzu: „Wenngleich die Berichterstattung heute positiver ist, bleiben sie letztlich doch immer noch ein Anhängsel ihrer Männer.“

Dabei kommt ihnen doch zumindest eine wesentliche Bedeutung zu. „Wenn im Privaten etwas nicht stimmt, macht sich das letztlich auch auf dem Spielfeld bemerkbar. Die Rolle der Spielerfrau wird zwar oft belächelt, doch letztlich ist sie der engste Vertraute des Spielers. Sie weiß alles, noch vor den Teamkollegen, Managern und Beratern. Ihre Rolle als Blitzableiter wird grandios unterschätzt“, berichtet Eisenbeis.

Genauso wie die Tatsache, dass das Leben als Spielerfrau nicht nur Vorzüge mit sich bringt. Vereinswechsel und die viele Zeit alleine bringen eine besondere Abhängigkeit und das Gefühl der Einsamkeit mit sich, über die viele Frauen in den Gesprächen mit der Autorin klagten. Ein Leben im Schatten.

Für den kurzfristigen Karriereschub allerdings bleibt das Dasein als WAG äußert profitabel - auch in Deutschland. Frag nach bei Gina-Lisa.

SID

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