Sir Alex fliegt gegen Vogel raus: Basel im Freundentaumel

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Heiko Vogel konnte das eigene Glück kaum fassen

basel - Nach dem Sieg gegen Manchester United ist ganz Basel im Ausnahmezustand. Im Mittelpunkt einer rauschenden Partynacht steht ein Deutscher: Interimstrainer Heiko Vogel, einst FC-Bayern-Coach.

Als die Sensation um 22.37 Uhr perfekt war, stand die Schweiz kopf. „Heute ist Weihnachten. Der FCB hat uns reich beschert“, titelte die Boulevard-Zeitung Blick über „das Wunder von Basel“. Die Basler Zeitung schrieb von einer „Sternstunde“ und von „Ekstase“. Und im Mittelpunkt der schweizerischen Glückseligkeit nach dem nicht für möglichen gehaltenen 2:1 des FC Basel gegen das große Manchester United stand neben den beiden Torschützen Marco Streller und Alexander Frei ein Deutscher: Interimstrainer Heiko Vogel.

Die größten Sensationen der Sportgeschichte

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Dem 36-Jährigen aus der Pfalz, neun Jahre Jugendcoach bei Bayern München und bis Oktober Assistent von Thorsten Fink in Basel, wird ein maßgeblicher Anteil am bis dato größten Erfolg einer Schweizer Klubmannschaft zugeschrieben. Er sei „ein wenig Fink, ein wenig Löw, aber ganz Vogel“, lobte der Züricher Tagesanzeiger. Vogel, in der Schweiz bereits das „Superhirn“ genannt, spiele beim FCB „jene Rolle, die beim deutschen Nationalteam Joachim Löw inne hat. Er ist der Mann, der vom Assistenten und akribischen Arbeiter im Hintergrund scheinbar mühelos die Verwandlung zum Messias geschafft hat.“

Und der so umjubelte „Messias“ war nach dem Coup gegen United überglücklich. „Das war eine großartige Leistung, sensationell, wunderbar! Wahrscheinlich dauert das bis 2017, bis ich das alles realisiert habe“, sagte Vogel freudestrahlend und fügte mit Blick auf mögliche Achtelfinal-Duelle gegen Real, Barcelona oder Bayern selbstbewusst an: „Komme, wer wolle - wir stellen uns der Herausforderung und wollen weiter für Furore sorgen.“ Dass er noch im Dezember von Klubboss Bernhard Heusler von der Interimslösung zum Chef mit Vertrag bis 2014 befördert wird, steht längst außer Frage.

Neben dem gebürtigen Bad Dürkheimer Vogel, dem sogar sein einstiger Bayern-Schützling Thomas Müller aus Manchester gratulierte, machten auch die ehemaligen Bundesliga-Legionäre Streller (Stuttgart) und Frei (Dortmund) mit ihren Toren in der 9. und 84. Minute „die Fußballschweiz glücklich“ (Aargauer Zeitung). Es war ein Triumph, den keiner so recht greifen konnte. Selbst auf der eigenen Vereinshomepage war zu lesen, dass der FCB „das Unfassbare“, „ein Wunder“ vollbracht habe.

Für Frei, dem in der Gruppenphase immerhin fünf Tore gelangen, ist dies jedoch nur bedingt ein Wunder. „Die Entwicklung der jungen Spieler ist weltklasse. Wir haben gezeigt, dass der Schweizer Fußball in Zukunft eine große Rolle spielen wird“, sagte der Stürmer und fügte an: „Der ganze Schweizer Fußball kann stolz auf uns sein. Nicht nur die, die ein blau-rotes Shirt tragen.“

Schon im Achtelfinale der „Königsklasse“ soll das „Märchen“ (FCB-Homepage) weitergehen. „Ich weiß nicht, wo das noch hinführt“, sagte Streller im Siegesrausch. „Wir werden auch da frisch-fröhlich drauflos spielen“, meinte Frei. Die erstmalige Qualifikation für die K.o.-Runde - nur 2002/2003 hatte Basel die Gruppenphase überstanden, war damals aber in der Zwischenrunde gescheitert - fühle sich auf jeden Fall „unglaublich“ an.

Entsprechend lange dauerte die Party. „Natürlich war es eine etwas längere Nacht. Wir haben aber keineswegs durchgefeiert, da bereits am Sonntag das nächste Spiel ansteht“, sagte Vogel bei Sky Sport News HD und gab am Donnerstag trainingsfrei, damit seine Helden, die noch weit nach Mitternacht von den Fans am Barfüsserplatz gefeiert wurden, ausschlafen konnten.

Vielleicht hat der eine oder andere FCB-Profi vom kommenden Gegner in der Champions League geträumt. Geht es nach Mittelfeld-Star Xherdan Shaqiri, darf es bei der Auslosung am 16. Dezember Apoel Nikosia sein, „aber gegen Real Madrid würde ich auch gerne spielen“. Der Ex-Münchner Markus Steinhöfer wünscht sich dagegen den FC Bayern. Dann könnte die Party in Basel aber auch ganz schnell zu Ende sein.

sid

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